Wirtschaftliche Entwicklung Charlestons |
Mit der Baumwolle breitete sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Plantagenwirtschaft in Charlestons Hinterland und nach Westen aus. Arbeitskraft war Mangelware, der Sklavenhandel ein großes Geschäft. Charleston wurde zum größten Sklavenmarkt der Vereinigten Staaten. Doch die «Perle am Atlantik
Industrialisierungsprojekte wie der Aufbau einer Textilfabrik scheiterten jedoch, weil es an Arbeitskräften, Sachkenntnis und Kapital mangelte. Kanalbauten und Eisenbahnen lenkten die Güter ströme an der Stadt vorbei. Die Schutzzölle der Union gegen billige Textilimporte aus England empfand Charleston wie der ganze Süden zunehmend als Benachteiligung. In der Union wuchs zudem der Widersland gegen die Sklaverei. Das einst lebensfrohe, weltoffene und tolerante Charleston radikalisierte sich und setzte sich an die Spitze jener Kräfte in South Carolina, die das überlebte Winschafts- und Gesellschaftssystem um jeden Preis verteidigen wollten. Nach der Wahl des Republikaners Abraham Lincoln zum Präsidenten der Vereinigten Staaten trat am 17. Dezember 1860 South Carolinas Secession Convention in Charleston zusammen. Am 20. Dezember beschloß die Versammlung den Austritt South Carolinas aus der Union.
«Eine Stadt der Ruinen, der Verzweiflung, der leeren Häuser, der Witwen, eine Stadt zerfallender Hafenanlagcn, verlassener Lagerhäuser, unkrautüberwucherter Garten, grasüberwachsene Straßen, schreiender Öde». schrieb nach dem Krieg ein Reporter aus dem Norden, «das ist Charleston, wo die Rebellion hochmütig ihr Haupt erhob.» 1886 legte ein gewaltiges Erdbeben die wiederaufgebaute Stadt in Trümmer. Eine Reihe von Hurrikanen zerstörte um die Jahrhundertwende die Reiskulturen. Mit der Ansiedlung einer Marinewerft am Cooper River 1901 und dem Ersten Weltkrieg setzte zwar zögernd ein wirtschaftlicher Aufschwung ein. Charleston expandierte, baute Brücken, bekam elektrische Straßenbeleuchtung. Doch Charleston hatte seine wirtschaftliche Bedeutung verloren. Und die Rassentrennung verschärfte sich.
Wie überall im Süden waren die schwarzen Charlestonians nach der Reconstruction, der Zeit des Wiederaufbaus, zu Bürgern zweiter Klasse geworden. Nun gründeten sie ihre eigenen Institutionen – Schulen, Zeitungen, Theater – und richteten sich auf eine Zukunft ohne politische Ansprüche und ohne Einfluß auf die Geschicke der Stadt ein.
Vom alten zum neuen Charleston
Erst der wirtschaftliche Aufschwung, den der Zweite Weltkrieg auslöste, brachte auch die politische Wende. Charlestons Marinewerften zogen Tausende von Arbeitskräften an. Die Vorstädte wuchsen explosionsartig. Die Stadtregierung besann sich auf die sozialen Verpflichtungen des Gemeinwesens und richtete endlich öffentliche Dienste ein. Die Führer der schwarzen Gemeinde Charlestons begannen Forderungen zu stellen und auf ihre Rechte zu pochen. Antrieb für die sich entwickelnde Bürgerrechtsbewegung gab ironischerweise ein Charlestoner Aristokrat der achten Generation: Richter J. Waties Waring ermöglichte den Schwarzen per Gerichtsurteil die Teilnahme an den Primary Elections, der Kandidatenwahl der Demokratischen Partei, die bis dahin den Weißen vorbehalten gewesen war. Die Rassenschranke fiel in Charleston zuerst auf dem städtischen Golfplatz, dann in den städtischen Schulen. 1969 streikten die schwarzen Angestellten des größten Arbeitgebers der Innenstadt. der Medical University, für die Anerkennung ihrer Gewerkschaft und höhere Löhne. Hundert Tage dauerte der Streik, er war die eigentliche Nagelprobe für Charlestons Gesellschaft – eine Probe, die sie bestand. Trotz einer explosiven Stimmung verlief der Streik ohne Gewalt und ohne Rassenkrawalle.
Charleston lebt heute von der Marine, von der Verwaltung des Staates South Carolina, von seinem Hafen, dem zweitgrößten Containerumschlagplatz der Atlanlikküste. Die «St. Cecilia Society» veranstaltet immer noch Bälle. Das Spoleto Festival bringt klassische Musik, Ballett, Film und Theater in die Stadt. Einen Hang zum ausschweifenden Leben sagt man den Charle-stonians noch heute nach. Geldspiel, Striptease, Prostitution sind in der Stadt allerdings schon lange verboten. Erst 1970 hob der Staat das Alkoholverbot auf, das Ende des letzten Jahrhunderts über das alte Sündenbabel verhängt worden war, ein Zugeständnis an die Touristen, die jedes Jahr viele Millionen Dollar nach Charleston tragen und dafür wenigstens ein Bier zum Dinner trinken möchten.
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