Amerikanische Geschichte |
Amerikanische Geschichte |
Eine Abhandlung zur amerikanischen Geschichte findet sich in fast jedem Print-Reiseführer. Wir weisen daher an dieser Stelle auf die informativen Seiten zu diesem Thema der Amerikanischen Botschaft in Berlin hin (mit deutschsprachigem Abriss zur US-Geschichte sowie in englicher Sprache mit zahlreichen historischen Texten, Reden usw.):
http://usa.usembassy.de/geschichte.htm
Außerdem geben wir mit freundlicher Genehmigung des Amerika Dienstes nachfolgend eine kurze Darstellung der amerikanischen Geschichte.
Nachfolgend einige Begriffe
Amerikanischer Bürgerkrieg |
siehe „Sezessionskrieg“ |
Amish People |
Anhänger einer auf der Täuferbewegung fußenden religiösen Bewegung, benannt nach ihrem Führer Jakob Amman. Die Amishe leben nach eigenen, von jeder Gruppe selbst festgelegten Gesetzen und lehnen alle technischen Neuerungen ab („Old Order“) |
Articles of Confederation |
1777 geschlossene Vereinbarung zwischen den unabhängig gewordenen Kolonien, eine erste Regelung des Miteinanders der dreizehn Staaten |
Bill of Rights |
Die Bill of Rights, die 1789 in Form von Verfassungszusätzen für die gesamten USA festgeschrieben wurden, orientierte sich an der Virginia
Declaration of Rights und garantierte unter anderem Glaubens- und Versammlungsfreiheit, Rede- und Pressefreiheit, Unverletztlichkeit des Eigentums und der Person. Vorgänger waren Bill of Rights, die die meisten Staaten erlassen
hatten, die sich 1776 eine neue Verfassung gaben.
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Boston Tea Party |
Aus Protest gegen die Teesteuer, die der englische König erhob, versenkte 1773 eine Gruppe rebellischer, als Indianer verkleideter Kolonisten den Inhalt von 342 Kisten Tee im Meer. |
Constitution |
Verfassung der USA |
Mayflower |
Name des Schiffes, mit dem die ersten Pilgerväter 1620 von England in die USA (Neuengland) fuhren |
Mayflower Compact |
Vertrag, den ein Großteil der Besatzung der „Mayflower“ unterzeichnete und der die Bildung einer Regierung festlegte. |
Puritaner |
Englische Christen, die sich an den Lehren von Calvin, Beza, Bullinger und Walter orientieren und die englische Kirche von Pomp und Prunk reinigen wollen. Puritaner besiedelten Neuengland und errichteten in Massachusetts eine Theokratie (mit Gipfel der Intoleranz in der Hexenverfolgung von 1692) |
Quäker |
Gesellschaft der Freunde – 1652 in Nordengland gegründete religiöse Bewegung mit ablehnender Haltung zur Staatskirche. Wegen ihres strengen Pazifismus gerieten sie permanent in Konflikt mit der bestehenden Ordnung. Der Quäker William Penn gründete 1681 Pennsylvania als Zufluchtsort für seine Glaubensbrüder |
Sezessionskrie g |
Amerikanischer Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 zwischen den Nord- und Südstaaten. Der reiche, industrialisierte Norden wollte ein Auseinanderbrechen der Nation verhindern; die Sklavenfrage war nur einer der Beweggründe. |
Tory |
Königstreue Kolonisten, von denen viele 1776 nach Kanada flohen |
Unabhängigkeit skrieg |
Krieg zwischen England und Amerika nach Erklärung der amerikanischen Unabhängigkeit; Oberbefehlshaber der amerikanischen Kontinentalarmee war George Washington. Der Krieg endete mit der Kapitulation Englands 1781; 1783 erkannte England die USA im Versailler Frieden an |
Union |
Bezeichnung der Gesamtheit der USA; Union nannten sich die Nordstaaten, die für die Aufrechterhaltung der Einheit und die Abschaffung der Sklaverei eintraten |
"Die Stadt auf dem Hügel" aus der Broschüre "Portrait of the USA", die vom Büro für internationale Informationsprogramme des US-Außenministeriums herausgegeben wurde:
DIE KOLONIALZEIT
EINE NEUE NATION
SKLAVEREI UND DER BÜRGERKRIEG
DAS ENDE DES 19. JAHRHUNDERTS
DIE PROGRESSIVE BEWEGUNG
KRIEG UND FRIEDEN
DIE WELTWIRTSCHAFTSKRISE
DER ZWEITE WELTKRIEG
DER KALTE KRIEG
JAHRZEHNTE DES WANDELS
Die ersten Europäer, die Nordamerika um das Jahr 1000 erreichten, waren isländische Wikinger, die von Leif Eriksson angeführt wurden. In der kanadischen Provinz Neufundland
wurden Spuren ihres Aufenthaltes gefunden, die Wikinger waren aber nicht in der Lage, dauerhafte Siedlungen zu gründen, und verloren bald den Kontakt zum neuen Kontinent.
Fünf Jahrhunderte später ließ die Nachfrage nach asiatischen Gewürzen, Textilien und Farbstoffen europäische Seefahrer von einer kürzeren Route zwischen Ost und West
träumen. Im Auftrag der spanischen Krone segelte der italienische Seefahrer Christoph Kolumbus 1492 von Europa aus nach Westen und landete schließlich in der Karibik auf einer
der Inseln der Bahamas. Innerhalb von 40 Jahren schufen spanische Abenteurer in Mittel- und Südamerika ein großes Reich.
DIE KOLONIALZEIT
Die erste erfolgreiche englische Kolonie wurde 1607 in Jamestown (Virginia) gegründet. Einige Jahre danach kamen englische Puritaner nach Nordamerika, um der religiösen
Verfolgung aufgrund ihrer Gegnerschaft zur anglikanischen Kirche zu entgehen. 1620 gründeten Puritaner die Plymouth Colony, die später Massachusetts wurde. Plymouth war die
zweite dauerhafte britische Siedlung in Nordamerika und die erste in Neuengland.
In Neuengland hofften die Puritaner, eine "Stadt auf dem Hügel" ("city upon a hill") aufzubauen
– eine ideale Gemeinschaft. Seit damals sehen Amerikaner ihr Land als ein großes Experiment an, ein Modell, das der Nachahmung durch andere Nationen würdig ist. Die
Puritaner waren der Ansicht, dass der Staat die Moral Gottes durchsetzen müsse; Ketzer, Ehebrecher, Trinker und Sabbat-Brecher wurden bei ihnen streng bestraft. Trotz ihrer
eigenen Suche nach religiöser Freiheit praktizierten die Puritaner eine Art intoleranten Moralismus. 1636 verließ der englische Geistliche Roger Williams Massachusetts und
gründete die Kolonie Rhode Island, die auf den Prinzipien der religiösen Freiheit und Trennung von Kirche und Staat beruhte, zwei Idealen, die später von den Vätern der US-Verfassung übernommen wurden.
Es kamen auch Siedler aus anderen europäischen Ländern, aber die Engländer waren in Nordamerika viel besser organisiert. Bis 1733 hatten englische Siedler 13 Kolonien entlang
der Atlantikküste gegründet, von New Hampshire im Norden bis Georgia im Süden. Die Franzosen kontrollierten andere Teilen Nordamerikas, unter anderem Kanada und Louisiana,
einschließlich des weitläufigen Einzugsgebietes des Mississippi River. Frankreich und England führten im 18. Jahrhundert mehrere Kriege, in die jeweils auch Nordamerika
hineingezogen wurde. Am Ende des Siebenjährigen Krieges hatte England 1763 die Kontrolle über Kanada und ganz Nordamerika östlich des Mississippi.
Kurz darauf kam es zwischen England und seinen Kolonien zum Konflikt. Das Mutterland
erhob teilweise neue Steuern, um die Kosten des Siebenjährigen Krieges zu bezahlen und erwartete von den Amerikanern, dass sie britische Soldaten bei sich unterbringen. Die
Siedler waren über die Steuern verärgert und widersetzten sich der Unterbringung von Soldaten. Sie beharrten darauf, dass sie nur durch ihre eigene koloniale Verwaltung
besteuert werden könnten und versammelten sich hinter dem Schlachtruf "keine Besteuerung ohne Vertretung" ("no taxation without representation").
Alle Steuern, außer der Teesteuer, wurden zurückgenommen. 1773 reagierte eine Gruppe Patrioten darauf und veranstaltete die Boston Tea Party. Als Indianer verkleidet gingen sie an
Bord britischer Handelsschiffe und warfen 342 Kisten Tee in den Bostoner Hafen. Dies führte zu einem scharfen Durchgreifen des britischen Parlaments, das die Schließung des Bostoner
Hafens beinhaltete. 1774 beriefen die Anführer der Kolonisten den ersten Kontinentalkongress (First Continental Congress) ein, um den Widerstand der Kolonien gegen die britische Herrschaft zu erörtern. Als sich britische Soldaten in Lexington
(Massachusetts) Rebellen aus den Kolonien entgegenstellten, brach am 19. April 1775 Krieg aus. Am 4. Juli 1776 ratifizierte der Kontinentalkongress die Unabhängigkeitserklärung.
Zunächst lief der Unabhängigkeitskrieg schlecht für die Amerikaner. Obwohl sie nur wenige Vorräte und eine geringe Ausbildung hatten, kämpften die amerikanischen Truppen im
Allgemeinen gut, die Briten waren ihnen aber zahlenmäßig und hinsichtlich der Ausrüstung überlegen. Der Wendepunkt des Krieges kam 1777, als amerikanische Soldaten die
britische Armee bei Saratoga (New York) besiegten. Frankreich hatte den Amerikanern heimlich geholfen, wollte sich jedoch nicht offen mit ihnen verbünden, bis sie sich im Kampf
bewiesen hatten. Nach dem amerikanischen Sieg bei Saratoga unterzeichneten Frankreich und Amerika Bündnisverträge, und Frankreich stellte den Amerikanern Truppen und Kriegsschiffe zur Verfügung.
Die letzte große Schlacht im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg fand 1781 in Yorktown (Virginia) statt. Amerikanische und französische Truppen umzingelten gemeinsam die
britischen Streitkräfte und zwangen sie zur Aufgabe. Die Kämpfe dauerten in einigen Gebieten noch zwei weitere Jahre an. Offiziell endete der Krieg mit dem Frieden von Paris
im Jahre 1783, mit dem England die Unabhängigkeit Nordamerikas anerkannte.
EINE NEUE NATION
Die Ausarbeitung der US-Verfassung und die Gründung der Vereinigten Staaten wird in
Kapitel 4 detaillierter beschrieben. Im Kern nahm die Verfassung den Amerikanern die Angst vor einer übermäßigen Zentralgewalt, indem das Regierungssystem auf drei Gewalten
aufgeteilt wurde – Legislative (Kongress), Exekutive (der Präsident und die Bundesbehörden) und die Judikative (die Bundesgerichte) – und indem durch die 10 (als Bill
of Rights bekannten) Zusatzartikel zur Verfassung die Freiheit des Einzelnen gewährleistet wurde. In den unterschiedlichen politischen Philosophien zweier herausragender Personen
des Unabhängigkeitskrieges manifestierte sich das fortdauernde Unbehagen über die zu große Machtanhäufung. George Washington, der militärische Held des Krieges und der erste
US-Präsident, führte eine Partei an, die einen starken Präsidenten und eine starke Zentralregierung befürwortete. Thomas Jefferson, der wichtigste Verfasser der
Unabhängigkeitserklärung, führte eine Partei an, die den Einzelstaaten mehr Befugnisse zusprechen wollte, basierend auf der Theorie, dass diese den Bürgern verstärkt rechenschaftspflichtig wären.
Jefferson wurde 1801 der dritte Präsident. Obwohl er die Befugnisse des Präsidenten beschränken wollte, zwangen ihn die politischen Realitäten umzudenken. Neben anderen
eindrucksvollen Maßnahmen kaufte er 1803 Frankreich das ausgedehnte Gebiet Louisianas ab und verdoppelte somit fast die Größe der Vereinigten Staaten. Der Kauf Louisianas
erweiterte das Territorium um mehr als zwei Millionen Quadratkilometer und dehnte die Grenzen des Landes weit in den Westen bis hin zu den Rocky Mountains in Colorado aus.
SKLAVEREI UND DER BÜRGERKRIEG
Im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts bewegte sich die Besiedlungsgrenze weiter westwärts bis zum Mississippi River und darüber hinaus. 1828 wurde mit Andrew Jackson der erste
"Außenseiter" Präsident: Ein Mann, der aus dem Grenzstaat Tennessee stammte, aus armen Verhältnissen kam und außerhalb der kulturellen Traditionen der Atlantikküste aufgewachsen war.
Obwohl die Ära Jackson oberflächlich betrachtet voller Optimismus und Energie war, hatte sich die junge Nation in Widersprüche verwickelt. Die bekannten Worte der
Unabhängigkeitserklärung "alle Menschen sind gleich geschaffen" ("all men are created equal") waren für 1,5 Millionen Sklaven bedeutungslos. (Weitere Informationen zum Thema
Sklaverei und der Zeit danach finden Sie in den Kapiteln 1 und 4.)
1820 diskutierten Politiker aus dem Süden und dem Norden die Frage, ob die Sklaverei in
den westlichen Gebieten zulässig sein sollte oder nicht. Der Kongress erzielte einen Kompromiss: Die Sklaverei wurde in den neuen Bundesstaaten Missouri und im Arkansas
Territory erlaubt, in den Gebieten westlich und nördlich von Missouri aber verboten. Als Folge des mexikanisch-amerikanischen Krieges von 1846 – 48 wurde das Territorium erweitert –
damit einhergehend wurde die Frage nach einer Ausweitung der Sklaverei gestellt. 1850 ermöglichte ein weiterer Kompromiss den Beitritt Kaliforniens als freier Staat, und den
Bürgern Utahs sowie Neu-Mexikos wurde die Entscheidung freigestellt, ob sie die Sklaverei innerhalb ihrer Grenzen zulassen wollten oder nicht (sie entschieden sich dagegen).
Das Problem bestand aber weiterhin. Nachdem Abraham Lincoln, ein Gegner der Sklaverei, 1860 zum Präsidenten gewählt wurde, verließen 11 Staaten die Union und erklärten sich zur
unabhängigen Nation, den Konföderierten Staaten von Amerika: South Carolina, Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana, Texas, Virginia, Arkansas, Tennessee und North Carolina. Der amerikanische Bürgerkrieg hatte begonnen.
Die Armee der Konföderation hatte in der Anfangszeit des Krieges Erfolg und einige der Befehlshaber, besonders General Robert E. Lee, waren herausragende Taktiker. Die Union
konnte aber auf eine größere Armee und mehr Ressourcen zurückgreifen. Im Sommer des Jahres 1863 ging Lee ein Risiko ein, indem er seine Truppen gen Norden nach Pennsylvania
einmarschieren ließ. Er traf bei Gettysburg auf die Truppen der Union und die größte jemals auf amerikanischem Boden ausgetragene Schlacht begann. Nach drei Tagen verzweifelter
Kämpfe waren die Konföderierten besiegt. Zur gleichen Zeit nahm der General der Union, Ulysses S. Grant, die Stadt Vicksburg am Mississippi River ein, wodurch der Norden die
Kontrolle über das gesamte Mississippi-Tal erhielt und die Konföderation in zwei Hälften geteilt wurde.
Zwei Jahre später und nach langen Kämpfen, an denen auch die Truppen unter dem
Kommando von Lee und Grant teilnahmen, gaben die Konföderierten auf. Der Bürgerkrieg war die traumatischste Episode der amerikanischen Geschichte. Er löste aber zwei
Probleme, die die Amerikaner seit 1776 aufbrachten. Die Sklaverei wurde beendet und es wurde entschieden, dass das Land nicht aus einer Ansammlung von halb unabhängigen Staaten besteht, sondern ein unteilbares Ganzes ist.
DAS ENDE DES 19. JAHRHUNDERTS
1865 wurde Abraham Lincoln bei einem Attentat getötet, wodurch die Vereinigten Staaten
einen Politiker verloren, der durch seine Herkunft und sein Temperament auf einzigartige Weise geeignet war, die durch den Bürgerkrieg entstandenen Wunden zu heilen. Sein
Nachfolger, Andrew Johnson, war ein Südstaatler, der während des Krieges aber loyal gegenüber der Union geblieben war. Mitglieder aus Johnsons eigener Partei (Republikaner)
aus dem Norden setzten einen Prozess in Gang, um ihn seines Amtes zu entheben, da er sich angeblich zu nachsichtig gegenüber ehemaligen Konföderierten verhalten hatte.
Johnsons Freispruch stellte einen wichtigen Sieg für das Prinzip der Gewaltenteilung dar: Ein Präsident sollte nicht aus dem Amt gejagt werden, weil der Kongress nicht mit seiner Politik
übereinstimmt, sondern ausschließlich, weil er, mit den Worten der Verfassung, "Verrat, Bestechung oder andere schwere Verbrechen und Vergehen" begangen hat.
Innerhalb weniger Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges wurden die Vereinigten Staaten zu einer führenden Industriemacht, und kluge Geschäftsleute erzielten große Gewinne. Die
erste transkontinentale Eisenbahn wurde 1869 fertiggestellt; bis 1900 gab es in den Vereinigten Staaten mehr Streckenkilometer als in ganz Europa. Die Erdölindustrie florierte,
und John D. Rockefeller von der Standard Oil Company wurde der reichste Mann der Vereinigten Staaten. Andrew Carnegie, der als armer schottischer Einwanderer angefangen
hatte, baute ein großes Stahlwerkimperium auf. Textilwerke breiteten sich im Süden und Fleischfabriken in Chicago (Illinois) aus. Aufgrund einer Reihe von Erfindungen, die in den
Vereinigten Staaten gemacht wurden, florierte die Elektroindustrie: das Telefon, die Glühbirne, der Plattenspieler, der Wechselstrommotor und –transformator sowie der Film. In
Chicago verwendete der Architekt Louis Sullivan eine Stahlrahmenkonstruktion, um den charakteristischen Beitrag der Vereinigten Staaten zur modernen Stadt zu leisten: den Wolkenkratzer.
Das ungezügelte Wirtschaftswachstum barg jedoch Gefahren in sich. Um den Wettbewerb zu beschränken, schlossen sich Eisenbahnunternehmen zusammen und setzten einheitliche
Transportpreise fest. Kartelle – große Unternehmenszusammenschlüsse – versuchten in einigen Industriezweigen Monopole zu bilden, ganz besonders beim Öl. Diese riesigen
Unternehmen konnten Produkte effizient herstellen und sie preiswert verkaufen, aber sie konnten ebenso Preise festsetzen und andere Wettbewerber zerstören. Um gegenzusteuern,
ergriff die Bundesregierung Maßnahmen. Zur Regulierung der Transportkosten wurde die bundesstaatenübergreifende Handelskommission (Interstate Commerce Commission)
geschaffen. Das Sherman Antitrust-Gesetz von 1890 verbot Kartelle und Fusionen sowie Geschäftsabkommen, "die den Handel hemmen".
Die Industrialisierung führte zum Anstieg der organisierten Arbeiterschaft. Die 1886
gegründete American Federation of Labor war ein Zusammenschluss von Gewerkschaften für Facharbeiter. Das Ende des 19. Jahrhunderts war eine Zeit starker Zuwanderung, und der
Geburtsort vieler Arbeitnehmer in den neuen Industriezweigen lag außerhalb der Vereinigten Staaten. Für die amerikanischen Landwirte waren die Zeiten jedoch schwierig. Die
Lebensmittelpreise fielen, und die Landwirte mussten die Last hoher Transportkosten, teurer Hypotheken sowie hoher Steuern und Zölle auf Konsumgüter tragen.
Mit Ausnahme des Erwerbs Alaskas von Russland im Jahr 1867 war das amerikanische Territorium seit 1848 konstant. In den Neunzigerjahren des 19. Jahrhunderts griff ein neuer
Expansionsgeist um sich. Die Vereinigten Staaten folgten dem Vorbild der nordeuropäischen Nationen in dem Anspruch, die Völker in Asien, Afrika und Lateinamerika
zu "zivilisieren". Nachdem amerikanische Zeitungen grausige Berichte über Gräueltaten in der spanischen Kolonie Kuba veröffentlichten, traten die Vereinigten Staaten und Spanien
1898 in den Krieg. Als der Krieg beendet war, hatten die Vereinigten Staaten eine Reihe spanischer Besitztümer erlangt: Kuba, die Philippinen, Puerto Rico und Guam. In einer davon
unabhängigen Aktion erwarben die Vereinigten Staaten darüber hinaus Hawaii.
Aber den Amerikanern, die selbst die Fesseln eines Weltreiches abgeschüttelt hatten, war
nicht wohl dabei, selbst ein solches zu verwalten. 1902 verließen amerikanische Truppen Kuba, obwohl die neue Republik verpflichtet war, den Vereinigten Staaten Flottenstützpunkte
zur Verfügung zu stellen. Die Philippinen erhielten 1907 das Recht auf eingeschränkte Selbstverwaltung sowie 1946 die vollständige Unabhängigkeit. Puerto Rico wurde ein
Commonwealth in Selbstverwaltung innerhalb der Vereinigten Staaten, und Hawaii wurde 1959 zum Bundesstaat (ebenso wie Alaska).
DIE PROGRESSIVE BEWEGUNG
Während Amerikaner im Ausland aktiv waren, kam es ebenfalls zu einer neuen Betrachtung der sozialen Probleme im eigenen Land. Trotz der Zeichen des Wohlstands lebten bis zu 50
Prozent der Industriearbeiter noch immer in Armut. New York, Boston, Chicago und San Francisco konnten auf ihre Museen, Universitäten und öffentliche Bibliotheken stolz sein –
sich aber auch wegen ihrer Slums schämen. Das vorherrschende wirtschaftliche Dogma war das Laisser-faire: Die Regierung sollte so wenig wie möglich in den Handel eingreifen. Um
1900 herum entstand die Progressive Bewegung (Progressive Movement), um die Gesellschaft und die Menschen durch Regierungsmaßnahmen zu bessern. Die Anhänger dieser Bewegung waren überwiegend Volkswirte, Soziologen, Techniker und Angestellte im
öffentlichen Dienst, die nach wissenschaftlichen, kostengünstigen Lösungen für politische Probleme suchten.
Sozialarbeiter gingen in die Slums, um Einrichtungen in den Siedlungen zu schaffen, die den
Armen Gesundheitsdienste und Erholungsmöglichkeiten bieten sollten. Prohibitionisten forderten, teilweise aufgrund des Leids, das alkoholabhängige Ehemänner ihren Frauen und
Kindern zufügten, die Beendigung des Spirituosenverkaufs. In den Städten kämpften Reformpolitiker gegen Korruption, regulierten den öffentlichen Verkehr und schufen kommunale Versorgungseinrichtungen. Bundesstaaten verabschiedeten Gesetze zur
Beschränkung von Kinderarbeit, der Begrenzung der Arbeitstage und schrieben Entschädigungen für verletzte Arbeitnehmer vor.
Einige Amerikaner befürworteten radikalere Ideologien. Die Sozialistische Partei (Socialist
Party), die von Eugene V. Debs angeführt wurde, sprach sich für einen friedlichen, demokratischen Übergang zu einer staatlich gelenkten Volkswirtschaft aus. Der Sozialismus
konnte sich in den Vereinigten Staaten aber nie fest verankern – das beste Ergebnis, das die Partei in einem Präsidentschaftswahlkampf erzielte, lag bei sechs Prozent bei der Wahl 1912.
KRIEG UND FRIEDEN
Als 1914 in Europa der Erste Weltkrieg ausbrach, drängte Präsident Woodrow Wilson auf eine Politik der strikten amerikanischen Neutralität. Die Erklärung Deutschlands, einen
uneingeschränkten U-Boot-Krieg gegen alle Schiffe zu führen, die alliierte Häfen ansteuerten, untergrub diese Haltung. Als der Kongress Deutschland 1917 den Krieg erklärte, bestand die
amerikanische Armee aus lediglich 200.000 Soldaten. Millionen Männer mussten einberufen, ausgebildet und über den vor U-Booten nur so wimmelnden Atlantik verschifft werden. Ein
ganzes Jahr verging, bevor die US-Armee bereit war, einen entscheidenden Beitrag zu den Kriegsbemühungen zu leisten.
Im Herbst 1918 war die Lage Deutschlands bereits hoffnungslos geworden. Seine
Streitkräfte zogen sich angesichts der unermüdlichen Aufrüstung auf amerikanischer Seite zurück. Im Oktober ersuchte Deutschland um Frieden, und am 11. November wurde der
Waffenstillstand verkündet. 1919 ging Wilson selbst nach Versailles, um an der Ausarbeitung des Friedensvertrages teilzunehmen. Obwohl er von den Massen in den alliierten
Hauptstädten bejubelt wurde, war seine internationalen Zielsetzungen im eigenen Land weniger populär. Seine Vorstellung vom Völkerbund wurde in den Friedensvertrag von
Versailles integriert, aber der US-Senat ratifizierte den Vertrag nicht, und die Vereinigten Staaten beteiligten sich nicht am Völkerbund.
Die Mehrheit der Amerikaner trauerte dem abgelehnten Vertrag nicht nach. Sie wandten sich
nach innen, und die Vereinigten Staaten zogen sich aus den europäischen Angelegenheiten zurück. Zur gleichen Zeit entwickelten die Amerikaner eine Feindseligkeit gegenüber
Fremden in ihrer Mitte. 1919 führte eine Reihe terroristischer Bombenanschläge zur "Red Scare". Im Auftrag von Justizminister A. Mitchell Palmer wurden politische Versammlungen
gestürmt und mehrere Hundert im Ausland geborene politische Radikale deportiert, obwohl die meisten von ihnen keines Verbrechens schuldig waren. 1921 wurden zwei in Italien
geborene Anarchisten, Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti, aufgrund sehr zweifelhafter Beweise wegen Mordes verurteilt. Intellektuelle protestierten, aber 1927 wurden die beiden
auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Der Kongress verabschiedete 1921 Einwanderungsbeschränkungen, die 1924 und 1929 weiter verschärft wurden. Diese Beschränkungen bevorzugten Einwanderer aus dem angelsächsischen Raum und
nordischen Ländern.
Die Zwanzigerjahre waren eine außergewöhnliche und verwirrende Zeit, in der der Hedonismus parallel zum puritanischen Konservativismus existierte. Es war die Zeit der
Prohibition: 1920 verbot ein Verfassungszusatz den Verkauf alkoholischer Getränke. Dennoch umgingen Konsumenten alkoholischer Getränke das Verbot in Tausenden von
"Speakeasies" (illegalen Bars), während Kriminelle mit den Spirituosen illegale Vermögen machten. Die Wilden Zwanziger waren aber auch die Zeit des Jazz und spektakulärer
Stummfilme sowie modischer Marotten wie Fahnenstangen-Sitzen und Goldfisch-Schlucken. Der Ku Klux Klan, eine rassistische Organisation, die nach dem Bürgerkrieg im Süden
entstand, zog neue Anhänger an und terrorisierte Schwarze, Katholiken, Juden und Einwanderer. Zur gleichen Zeit wurde ein Katholik, der New Yorker Gouverneur Alfred E. Smith, demokratischer Präsidentschaftskandidat.
Für das Big Business waren die Zwanzigerjahre goldene Jahre. Die Vereinigten Staaten waren nun eine Konsumgesellschaft mit boomenden Märkten für Radios, Haushaltsgeräte,
synthetische Textilien und Kunststoffe. Einer der Männer, die in diesem Jahrzehnt am meisten bewundert wurden, war Henry Ford, der das Fließband in Automobilfabriken eingeführt hatte.
Ford konnte hohe Löhne zahlen und dennoch enorme Gewinne durch Massenproduktion des Model T erzielen, einem Auto, das sich Millionen Käufer leisten konnten. Für einen Augenblick schien es, als würden Amerikaner aus allem Geld machen können.
Aber der oberflächliche Wohlstand verdeckte tiefer liegende Probleme. Aufgrund der empor schnellenden Gewinne und niedrigen Zinsraten stand viel Geld für Investitionen zur Verfügung.
Dennoch wurde ein Großteil für leichtsinnige Spekulationen auf dem Aktienmarkt eingesetzt. Hektische Gebote trieben die Preise weit über den realen Aktienwert hinaus. Investoren
kauften Aktien "gegen Kredit", indem sie sich bis zu 90 Prozent des Kaufpreises liehen. Die Blase platzte 1929. Der Aktienmarkt brach zusammen und löste eine Weltwirtschaftskrise aus.
DIE WELTWIRTSCHAFTSKRISE
Bis zum Jahre 1932 waren tausende amerikanische Banken und über 100.000 Unternehmen in Konkurs gegangen. Die Industrieproduktion verringerte sich um 50 Prozent, die Löhne
sanken um 60 Prozent und einer von vier Arbeiternehmern war arbeitslos. In diesem Jahr wurde Franklin D. Roosevelt mit seinem Parteiprogramm "a New Deal for the American people" zum Präsidenten gewählt.
Das muntere Selbstbewusstsein Roosevelts elektrisierte die Nation. In seiner Antrittsrede sagte er: "Das einzige, wovor wir uns fürchten müssen, ist die Furcht selbst." Er ließ diesen
Worten entschlossene Taten folgen. Innerhalb von drei Monaten – den historischen "Einhundert Tagen" – peitschte Roosevelt eine große Anzahl von Gesetzen durch den
Kongress, um der Volkswirtschaft wieder auf die Beine zu helfen. Neue Behörden wie das Civilian Conservation Corps und die Works Progress Administration schufen durch
Straßenbauarbeiten, den Bau von Brücken, Flughäfen und Parks sowie öffentlichen Gebäuden Millionen von Arbeitsplätzen. Später wurden mit dem Sozialversicherungsgesetz
(Social Security Act) Beitragszahlungen für die Alters- und Hinterbliebenenrenten eingeführt.
Roosevelts Programm New Deal beendete die Weltwirtschaftskrise nicht. Obwohl sich die
wirtschaftliche Lage verbesserte, kam es erst zu einer vollständigen Erholung, als die Vereinigten Staaten vor dem Eintritt in den Zweiten Weltkrieg im Bereich Verteidigung drastisch aufrüsteten.
DER ZWEITE WELTKRIEG
1939 reagierten die Vereinigten Staaten wiederum zunächst mit Neutralität auf den Kriegsausbruch in Europa. 1941 führte aber die Bombardierung von Pearl Harbor durch die
Japaner, einem Flottenstützpunkt auf Hawaii, zum Kriegseintritt der Vereinigten Staaten – zunächst gegen Japan und schließlich auch gegen seine Verbündeten Deutschland und Italien.
Amerikanische, britische und sowjetische Kriegsstrategen einigten sich darauf, zunächst Deutschland zu besiegen. Im November 1942 landeten britische und amerikanische
Streitkräfte in Nordafrika, die 1943 über Sizilien auf das italienische Festland gelangten und am 4. Juni 1944 Rom befreiten. Zwei Tage danach – D-Day – landeten alliierte Streitkräfte in
der Normandie. Am 24. August wurde Paris befreit und bis September hatten amerikanische Einheiten die deutschen Grenzen überquert. Am 5. Mai 1945 kapitulierte Deutschland schließlich.
Der Krieg gegen Japan fand im August 1945 ein plötzliches Ende, als Präsident Harry Truman befahl, Atombomben gegen die Städte Hiroshima und Nagasaki einzusetzen. Es
wurden fast 200.000 Zivilisten getötet. Die Angelegenheit ruft noch immer hitzige Diskussionen hervor, die Begründung für den Einsatz der Bomben war allerdings, dass die
Opferzahlen auf beiden Seiten sogar noch größer gewesen wären, wenn die Alliierten gezwungen gewesen wären, in Japan einzumarschieren.
DER KALTE KRIEG
Nach dem Krieg wurde ein neuer internationaler Kongress, die Vereinten Nationen, ins Leben gerufen, und diesmal traten die Vereinigten Staaten bei. Schon bald kam es zu
Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und seinem Kriegsverbündeten, der Sowjetunion. Obwohl der sowjetische Führer, Josef Stalin, versprochen hatte, freie Wahlen in
allen befreiten Nationen Europas zu unterstützen, setzten sowjetische Streitkräfte in Osteuropa kommunistische Diktaturen durch. Deutschland wurde in eine westliche Zone unter
gemeinsamer britischer, französischer und amerikanischer Besatzung sowie eine östliche Zone unter sowjetischer Besatzung aufgeteilt. Im Frühjahr 1948 riegelten die Sowjets
Westberlin in dem Versuch ab, die isolierte Stadt durch Aushungern zur Unterwerfung zu zwingen. Die Westmächte reagierten mit einer massiven Luftbrücke mit Lebensmitteln und
Treibstoff, bis die Sowjets die Blockade im Mai 1949 aufhoben. Einen Monat zuvor hatten sich die Vereinigten Staaten mit Belgien, Kanada, Dänemark, Frankreich, Island, Italien,
Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Portugal und Großbritannien verbündet, um die North Atlantic Treaty Organization (NATO) zu gründen.
Am 25. Juni 1950 marschierten die nordkoreanischen Streitkräfte mit sowjetischen Waffen
mit Stalins Billigung in Südkorea ein. Truman ließ sich umgehend von den Vereinten Nationen zusichern, dass Südkorea verteidigt werden würde. Der Krieg dauerte drei Jahre an, wobei die abschließende Regelung die Teilung Koreas vorsah.
Die sowjetische Kontrolle Osteuropas, der Koreakrieg sowie die Entwicklung von Atom- und Wasserstoffbomben in der Sowjetunion riefen bei Amerikanern Ängste hervor. Einige
glaubten, dass die neue Verwundbarkeit der Nation von Verrätern im eigenen Land verursacht worden wäre. Der republikanische Senator Joseph McCarthy behauptete Anfang
der Fünfzigerjahre, dass das Außenministerium und die US-Streitkräfte von Kommunisten unterwandert seien. McCarthy wurde schließlich diskreditiert. In der Zwischenzeit waren
jedoch Karrieren zerstört worden, und die Amerikaner hatten fast einen grundlegenden amerikanischen Wert vergessen: Toleranz gegenüber anderen politischen Meinungen.
Von 1945 bis 1970 erlebten die Vereinigten Staaten eine lange Periode wirtschaftlichen Wachstums, das lediglich durch schwache und kurze Phasen der Rezession unterbrochen
wurde. Zum ersten Mal in der Geschichte erfreute sich eine Mehrheit der Amerikaner eines angenehmen Lebensstandards. 1960 verfügten 55 Prozent aller Haushalte über eine
Waschmaschine, 77 Prozent besaßen ein Auto, 90 Prozent hatten einen Fernseher und fast 100 Prozent einen Kühlschrank. Zur gleichen Zeit bewegte sich die Nation langsam in Richtung ethnischer Gleichberechtigung.
1960 wurde John F. Kennedy zum Präsidenten gewählt. Jung, energetisch und gut aussehend versprach er, dass nach der achtjährigen Präsidentschaft von Dwight D.
Eisenhower, dem alternden General des Zweiten Weltkriegs "das Land wieder in Gang kommen würde". Im Oktober 1962 sah sich Kennedy, wie sich später herausstellte, mit der
schwersten Krise des Kalten Krieges konfrontiert. Die Sowjetunion wurde bei der Stationierung atomarer Raketen auf Kuba ertappt, die dicht genug waren, um innerhalb von
Minuten amerikanische Städte zu erreichen. Kennedy setzte gegen die Insel eine Seeblockade ein. Der sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow willigte im
Gegenzug für das amerikanische Versprechen, nicht auf Kuba einzumarschieren schließlich ein, die Raketen zu entfernen.
Im April 1961 erzielten die Sowjets eine Reihe von Erfolgen im All, indem sie den ersten
Mann in die Erdumlaufbahn brachten. Präsident Kennedy reagierte mit dem Versprechen, dass die Amerikaner vor dem Ende des Jahrzehnts auf dem Mond spazieren gehen würden.
Das Versprechen wurde im Juli 1969 eingelöst, als der Astronaut Neil Armstrong aus der Mondlandefähre Apollo 11 herauskam und auf die Oberfläche des Mondes trat.
Kennedy erlebte diesen Höhepunkt nicht mehr. Er war 1963 ermordet worden. Er war kein Präsident, der bei allen beliebt war, aber sein Tod war ein schrecklicher Schock für das
amerikanische Volk. Sein Nachfolger, Lyndon B. Johnson, brachte eine Reihe neuer Gesetze durch den Kongress, die ein neues Sozialprogramm begründeten. Johnsons "Kampf gegen
Armut" ("War on Poverty") schloss die Vorschulausbildung für arme Kinder, die Berufsausbildung für Schulabbrecher und Gemeindedienste für Jugendliche aus Slums ein.
Der Vietnamkrieg nahm Johnson während seiner sechsjährigen Amtszeit zunehmend in Anspruch. Bis 1968 kämpften 500.000 amerikanische Soldaten in diesem kleinen Land, das
den meisten von ihnen zuvor kaum bekannt war. Obwohl die Politiker den Krieg als Teil einer notwendigen Anstrengung sahen, dem Kommunismus an allen Fronten Einhalt zu gebieten,
sah eine wachsende Zahl Amerikaner keine wichtigen amerikanischen Interessen durch das berührt, was mit diesem Land geschah. Demonstrationen, auf denen gegen das
amerikanische Engagement protestiert wurde, gingen von Universitäten aus, und es kam zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Studenten und der Polizei. Die Ablehnung
des Krieges weitete sich aus und führte zu einer ganzen Reihe von Protesten gegen Ungerechtigkeit und Diskriminierung.
Durch seine wachsende Unpopularität gekränkt, entschied sich Johnson gegen die
Kandidatur für eine zweite Amtszeit. 1968 wurde Richard Nixon zum Präsidenten gewählt.
Er verfolgte eine Politik der "Vietnamisierung" und ersetzte Schritt für Schritt amerikanische
Soldaten durch Vietnamesen. 1973 unterzeichnete er einen Friedensvertrag mit Nordvietnam und brachte amerikanische Soldaten nach Hause. Nixon erzielte zwei weitere diplomatische
Erfolge: Wiederherstellung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China sowie die Verhandlung des ersten Vertrags zur nuklearen
Rüstungsbegrenzung (Strategic Arms Limitation Treaty – SALT) mit der Sowjetunion. 1972 gewann er problemlos die Wiederwahl.
Während des Präsidentschaftswahlkampfes wurden jedoch fünf Männer wegen des
Einbruchs in die Parteizentrale der Demokraten im Watergate-Gebäude in Washington festgenommen. Journalisten, die den Vorfall untersuchten, fanden heraus, dass die Einbrecher Mitarbeiter in Nixons Wiederwahlkomitee waren. Das Weiße Haus
verschlimmerte die Situation noch, indem versucht wurde, die Verbindung zum Einbruch zu verschleiern.
Schließlich zeigten jedoch Tonbandaufzeichnungen, die vom Präsidenten selbst gemacht
worden waren, dass er in die Vertuschung verwickelt war. Im Sommer des Jahres 1974 war klar, dass der Kongress kurz davor stand, ihn des Amtes zu entheben und zu verurteilen. Am
9. August trat Richard Nixon als der bisher einzige US-Präsident von seinem Amt zurück.
JAHRZEHNTE DES WANDELS
Nach dem Zweiten Weltkrieg wechselte die Präsidentschaft zwischen Demokraten und Republikaner, wobei die Demokraten meist über die Mehrheiten im Kongress verfügten –
sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat. 26 Jahre aufeinander folgender demokratischer Regierung endeten 1980 als die Republikaner die Mehrheit im Senat gewannen und gleichzeitig der Republikaner Ronald Reagan zum Präsidenten gewählt
wurde. Dieser Wechsel markierte den Anfang einer Unbeständigkeit, die seither das amerikanische Wählerverhalten charakterisiert hat.
Wie auch immer die Haltung gegenüber der Politik Reagans war, die Mehrheit der
Amerikaner rechneten ihm hoch an, dass er sein Land mit Stolz sowie Optimismus erfüllte. Wenn es einen zentralen Leitfaden in seiner Innenpolitik gab, war es der, dass der
Regierungsapparat auf nationaler Ebene zu groß und die Bundessteuern zu hoch geworden waren.
Trotz des wachsenden Defizits im Bundeshaushalt begann 1983 eine der längsten
Wachstumsphasen in der US-Wirtschaft seit dem Zweiten Weltkrieg. 1986 erlitt die Reagan-Regierung jedoch eine Niederlage als die Demokraten wieder die Mehrheit im
Senat stellten. Die schwerwiegendsten Enthüllungen dieser Zeit waren die geheimen Waffenverkäufe der Vereinigten Staaten an Iran, mit denen die Freiheit amerikanischer
Geiseln, die im Libanon festgehalten wurden, bewirkt werden sollte sowie die Finanzierung regierungsfeindlicher Kräfte in Nicaragua – in einer Zeit, in der der Kongress derartige Hilfe
untersagt hatte. Trotz dieser Enthüllungen genoss Reagan während seiner zweiten Amtszeit weiterhin großes Ansehen.
Sein Nachfolger wurde 1988 der Republikaner George Bush, der von der Popularität
Reagans profitierte und viele seiner politischen Vorhaben fortsetzte. Als der Irak 1990 in das an Öl reiche Kuwait einmarschierte, stellte Bush eine multinationale Koalition zusammen, die Anfang 1991 Kuwait befreite.
1992 waren die amerikanischen Wähler jedoch wiederum unruhig geworden. Die Wähler machten Bill Clinton, einen Demokraten, zum Präsidenten, nur um zwei Jahre später wieder
umzuschwenken und den Republikanern sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat ihre erste Mehrheit seit 40 Jahren zu verschaffen. Währenddessen brachen diverse
andauernde Debatten aus: zwischen Befürwortern einer starken Bundesregierung und Anhängern der Dezentralisierung der Macht, zwischen Befürwortern von Gebeten an
staatlichen Schulen und Verteidigern der Trennung von Kirche und Staat, zwischen jenen, die sich für eine schnelle und sichere Bestrafung von Straftätern aussprachen und jenen, die
gegen die Ursachen der Kriminalität vorgehen wollten. Beschwerden über den Einfluss von Geld auf politische Wahlkämpfe regten eine Bewegung an, die die Anzahl der möglichen
Amtszeiten von gewählten Regierungsvertretern begrenzen wollte. Dies und weitere Kritik am System führte zur Bildung der stärksten Bewegung einer Dritten Partei seit Generationen –
sie wurde vom texanischen Geschäftsmann H. Ross Perot angeführt.
Obwohl die Volkswirtschaft Mitte der Neunzigerjahre stark war, beunruhigten zwei Phänomene viele Amerikaner. Unternehmen griffen immer häufiger auf einen Prozess zurück,
der als downsizing bezeichnet wurde: Die Reduktion der Anzahl der Arbeitnehmer zur Kostensenkung; trotz der Probleme die das für die Arbeitnehmer mit sich brachte. In vielen
Branchen war die Kluft zwischen der jährlichen Vergütung eines leitenden Angestellten einer Aktiengesellschaft und dem Einkommen eines durchschnittlichen Arbeitnehmers gewaltig
geworden. So machte sich sogar die Mehrheit der Amerikaner, die über materiellen Wohlstand verfügten, Sorgen um den Rückgang der Lebensqualität, den Zusammenhalt von
Familien, die nachbarschaftlichen Beziehungen sowie die Umgangsformen. Amerikaner bleiben vielleicht weiterhin die optimistischsten Menschen auf der Welt, aber mit dem
nahenden Ende des Jahrhunderts spiegeln Meinungsumfragen weniger Optimismus wider als gewöhnlich.
Originaltext: Toward the City on a Hill – A brief history of the United States
siehe: http://usinfo.state.gov/usa/infousa/facts/factover/ch3.htm
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