Sexualität in den USA |
Sexualität in den USA |
In den Texten von Pop-Songs geht es durchaus schlüpfrig und anzüglich zu. Auch die Darstellung von Sexualität in Kino-Spielfilmen ist freizügiger geworden, aber für den Export nach Europa usw. wird nach wie vor häufig eine hüllenlosere Fassung mitproduziert.
Comedies und Soaps kokettieren sprachlich auch im Bereich unterhalb der Gürtellinie, aber „gezeigt“ wird nichts.
Auch im öffentlichen Leben geht es höchst gesittet und kleidungsmäßig verschlossen zu. Bei allen Anlässen außerhalb des privaten Rahmens gibt man sich konventionell. Kostüm bzw. Anzug sind im Geschäftsleben und beim Besuch gehobener Restaurants absolut üblich. Tiefere Einblicke in Dekolltees sind erlaubt, aber das freie präsentieren primärer oder sekundärer Geschlechtsteile ist tabu. Vgl. hierzu auch unter den Stichworten Kleidung und FKK.
Slang-Sprache wird den unteren, meist arbeitslosen Schichten der Bevölkerung zugewiesen, primär also Afro-Amerikanern und Latinos. Ein Klischee in vielen Filmen, besonders wenn sie in Großstadt-Ghettos spielen.
Der Grad der Prüderie variiert natürlich zwischen Land und Stadt, zwischen Osten und Westen. Besonders stark ist die Zurückhaltung im sog. Bible Belt ausgeprägt, also dem Tiefen Süden der USA, den auch eine besonders große Religiosität kennzeichnet.
Allerdings: 98 % aller Amerikaner erklären, an Gott zu glauben. Nach den Angaben des Vatikans vom Februar 2004 sind 60 % der US-Amerikaner katholisch (zum Vergleich: in Europa sind es 40 %, in Afrika 15 % der Bevölkerung).
Wer Sex und Westküste der USA assoziiert, weil man dort sonnengebräunte, gut gebaute, attraktive Männer und Frauen an den Stränden trifft, irrt. Die „Love-ins“ der 60er Jahre werden falsch interpretiert oder leben heute nicht mehr fort.
Andererseits dürfte Sexualität im privaten Bereich eine Rolle spielen wie überall auf der Welt. Immerhin hat die amerikanische Durchschnitts-Familie 2 bis 3 Kinder.
Das Verhältnis zur Sexualität dürfte im Übrigen immer noch ein Relikt aus der Entstehungsgeschichte der Staaten sein, als Frauen in einer männlich dominierten Gesellschaft „Mangelware“ waren
Die gleichgeschlechtliche Liebe zwischen Männern bzw. Frauen wird zumindest in großstädtischen Bereichen nicht mehr tabuisiert. Alle namhaften Reiseführer nennen entsprechende Treffs und Einrichtungen. Vorreiter der Gay-Bewegung war San Francisco, die „Gay Capitol of the world“, Hauptstadt der Schwulen. Die Schwulen und Lesben haben sich im Verlauf der letzten Jahre in den Großstädten zu einer wichtigen und nicht einflusslosen Gruppe der Bevölkerung entwickelt. Doch schon im Hinterland der City wird nicht mehr so tolerant gedacht, wuchs die Gegenbewegung der „Hüter der Moral“.
Noch im Februar 2004 lehnen rund 60 Prozent der US-Amerikaner eine rechtlich institutionalisierte Homo-Ehe ab. 38 Staaten haben Gesetze erlassen, um eine Gleichstellung solcher Partnerschaften zu verhindern. Zwar hat der Oberste Gerichtshof von Massachusetts Anfang Februar 2004 verfügt, dass die beabsichtigte Unterscheidung des Bundesstaates zwischen der Zivilehe und einer gleichgeschlechtlichen Zivilunion der Landesverfassung zuwider laufe und überhaupt den höchsten Werten des amerikanischen Rechtslebens nicht entspreche, der Gesetzgeber die homosexuelle Ehe daher zu legalisieren habe. Präsidentschaftskandidat John Kerry aus eben diesem Massachusetts aber äußerte umgehend seine Kritik an diesem Urteil, wohl um Wählerstimmen fürchtend, und Präsident George W. Bush reagierte postwendend mit der Forderung nach einer Verfassungsänderung zum Verbot der Homo-Ehe. Eine Einzelinitiative des Bürgermeisters von San Francisco, schwulen und lesbischen Paaren entgegen kalifornischen Rechts die Eheschließung zu erlauben, wurde zwischenzeitlich vom kalifornischen Verfassungsgericht gestoppt.
Stand: März 2004
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