Sicherheit ist ein besonders sensibles Thema. Natürlich liegt die Kriminalitätsrate – wie aus den Medien hinlänglich bekannt – besonders hoch. Doch so makaber es auch sein mag: der Tourist ist hiervon in aller Regel nicht betroffen. Die statistische Wahrscheinlichkeit, in Deutschland Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden ist höher als die, als Tourist Opfer eines Gewaltverbrechens in den USA zu werden. Darüber können auch die sensationslüsternen Berichten in hiesigen Medien nicht hinwegtäuschen, die Einzelfälle besonders herausstellen.
Zunächst gilt generell, daß die Kriminalität – wie hier auch – differenziert zu betrachten ist. Sie liegt in der Anonymität der Großstädte erheblich höher als auf dem dünn besiedelten Land, wo man sich gegenseitig kennt. Zu beachten sind außerdem als für den Europäer nur bedingt bekannte Besonderheit die sozialen Brennpunkte, insbesondere in den Wohnsiedlungen sozial schwach gestellter ethnischer “Randgruppen". Regel Nummer eins besteht daher darin, insbesondere bei Aufenthalten in Städten, durch Rückfrage beim Touristenbüro oder im Hotel sog. “No-go-areas " zu kennen. Aus diesen Gebieten hält man sich auf jeden Fall nachts, ggf. auch tagsüber, fern. Liegt dennoch eine besuchenswerte Attraktion dort, sollte man sie mit dem Taxi aufsuchen oder in einer Gruppe.
Das “Heldspielen" verbietet sich in einem Land, in dem der Zugang zu Schußwaffen leicht ist, von allein. Natürlich ist auch die eigene Bewaffnung kein geeignetes Mittel, sie führte im Fall des Falles ohnehin zu Schwierigkeiten mit der Polizei.
Gefragt ist schlicht gesunder Menschenverstand und eine Beobachtung der Umgegend. Der Übergang von einem unproblematischen Stadtteil zu einem Risikobereich kann schon auf der nächsten Straßenseite liegen. Wer aufmerksam beobachtet, wird allerdings auch solche Veränderungen wahrnehmen und z.B. einsame Wege oder verwahrloste Gebiete meiden. Treten Sie möglichst (selbst-)sicher auf, vermeiden Sie aber besonders im Umgang mit mehreren Jugendlichen Provokationen.
Generell gilt ansonsten: wo viele Menschen sind, finden Gewaltverbrechen nicht statt (allerdings ist hier verstärkt mit der sog. Kleinkriminalität wie Diebstählen zu rechnen).Wird man dennoch Opfer eines Raubüberfalls, gilt wie auch hierzulande die Regel: den Täter nicht provozieren und möglichst gewähren lassen. Jeder Widerstand ist gefährlich und kann zu unberechenbaren Reaktionen führen. Todesfälle mit Touristen hatten häufig als Auslöser, daß das Opfer sich wehrte oder den Täter schlicht nicht verstand. Einen kleinen Teil Geldes sollte man für einen solchen Fall als “Beute" leicht zugänglich bei sich haben.
Besondere Vorsicht gilt allerdings beim unangemeldeten Aufsuchen amerikanischer Privatgrundstücke. Nach der aus dem englischen Gewohnheitsrecht abgeleitete sog. „Castle Doctrine “ hat jeder das Recht, sich und sein Heim mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln – auch mit Waffengewalt – zu verteidigen. Wer also jemanden erschießt, weil er ihn für einen Einbrecher im Haus hält, kann sich in den USA auf Notwehr berufen. Viele Bundesstaaten haben den Schutzbereich der Doktrin auf das gesamte Grundstück ausgedehnt, in Texas z.B. gehört auch das Auto rechtlich zum „verlängerten“ Eigenheim. Einige Besorgnis hat die Tatsache ausgelöst, dass Anfang Oktober 2005 im Bundesstaat Florida ein neues Gesetz in Kraft getreten ist, das das absolute Recht jedes einzelnen Bürgers auf Selbstverteidigung in der Öffentlichkeit garantiert. Das Senate Bill 436 mit dem Untertitel „Stand Your Ground Bill“ (übersetzt etwa „Gesetz zur Behauptung der eigenen Stellung“) erweitert die in den gesamten USA geltende und aus dem englischen Gewohnheitsrecht abgeleitete sog. „Castle Doctrine“. In Florida kann jetzt jeder Bürger einen vermeintlichen Angriff, etwa im Straßenverkehr, im Lokal oder Supermarkt, straffrei mit Waffengewalt beenden, er muss sich lediglich durch das Verhalten seines Gegenübers in seiner Unversehrtheit bedroht fühlen, Nur gegenüber Polizeibeamten gilt dieses Notwehrrecht nicht.
Wer sichergehen will, ob es akute Sicherheitsprobleme gibt, kann im Internet die Empfehlungen des Auswärtigen Amtes ansehen.
Noch besser, weil von Montag bis Freitag täglich aktualisiert, gibt die Website
Spots von AIR SECURITY International, Inc.,
Auskünfte in englischer Sprache über Risiken für Reisende in aller Welt.
Informationsquellen sind auch die Reisehinweise des
Foreign & Commonwealth Office
aus Großbritannien
und des
Australian Department of Foreign Affairs and Travel
Das FBI gibt jährlich einen Bericht über die Sicherheitslage in den USA. Der Bericht für das Jahr 2004 – herausgegeben am 6. Juni 2005 – findet sich unter folgender Internetadresse.
http://www.fbi.gov/ucr/2004/04prelim.pdf
Sie können ihn als pdf-Datei (Acrobat Reader erforderlich) auch hier direkt ansehen (Achtung: lange Ladezeit):
Stand: 28.10.05
Vorsichtsmaßnahmen gegen Kleinkriminalität
Wie gesagt, liegen die Hauptprobleme des Durchschnittstouristen aber nicht in möglichen Gewaltverbrechen, sondern in der Kleinkriminalität. Und hier gelten die Regeln, die auf jeder Reise in ein beliebiges Land beachtet werden sollten. Dabei sind insbesondere zu nennen:
Geld sollte man nur im notwendigen Umfang bei sich führen und möglichst am Körper verteilen, also einen Teil in das Portemonnaie oder die Brieftasche (die “Beute"), einen Teil in die Socken und einen Teil in den Brustbeutel, das Schulter-halfter oder den – nicht sichtbaren – Gürtelbeutel oder Geldgürtel.
Reiseschecks, den Kaufbeleg der Reiseschecks und mindestens eine Kreditkarte wenn möglich im Hotelsafe (safety deposit box) lassen. Einen solchen Safe hat zumindest jede Hotelrezeption, denn dies wird schon verlangt, um die Haftung des Hotels für gestohlene Gegenstände auszuschließen. In besseren Hotels findet man einen Safe auch im Zimmer. Reiseschecks und Kreditkarten werden bei Verlust relativ schnell ersetzt und sind daher ein nützlicher Teil der Reisekasse, Näheres dazu unter Geld. Auch der Reisepaß und die Flugscheine sollten im Hotelsafe “warten". Für die Besichtigungstour sind Kopien ausreichend bzw. reicht der Personalausweis. Für alle Fälle empfiehlt es sich, von allen wichtigen Dokumenten einschl. Flugticket Kopien zu fertigen und getrennt aufzubewahren
Abgesehen von der “Beute" sollten alle Wertgegenstände und wichtigen Papiere nicht “offensichtlich" sein, also unter der Kleidung am Körper getragen werden.
Handtaschen hängt man nicht locker über die Schulter (sie können so sehr leicht entrissen werden !), sondern mit dem Riemen quer über den Kopf und so, daß sie nicht an der Straßenseite sind (eine leichte Beute für Radfahrer und Motorräder).
Den Touristen kann man nur schwer verleugnen. Professionelle Diebe haben einen gezielten Blick und können Nationalitäten schon anhand der Jeans, des T-Shirts usw. unterscheiden. Trotzdem kann der Versuch nicht schaden, sich möglichst “amerikanisch" zu kleiden (was auch immer das denn sein mag).
Eine Gürteltasche ist sinnvoll, wenn man sich unter vielen Menschen aufhält. Abends und auf einsamen Wegen ist sie allerdings ein unmissverständliches Anlockmittel und sollte daher dann im Hotel gelassen werden.Der Weiße Ring und kriminalpolizeiliche Beratungsstellen empfehlen „Busch’s body safe“, der auf der Rückseite zum Körper hin zwei Sicherheitsverschlüsse hat und direkt mit dem Gürtel verbunden getragen werden kann. Dieser ist zwar recht klobig und sieht auch nicht gerade chic aus, aber auch wir haben gute Erfahrungen gesammelt. Weitere Einzelheiten bei
body-safe-Vertrieb
Buchenweg 6
D-76307 Karlsbad
Tel. 07202/7615
Schmuck sollte nur an sicheren Orten angelegt werden und ist ansonsten ein untrügliches Zeichen für ein lohnendes Opfer.
An U-Bahnhaltestellen stets im Sicherheitsbereich warten. Hier findet man entweder einen Bediensteten oder eine Kamera. Die Sicherheitsbereiche sind besonders markiert und ggf. am Schalter zu erfragen. I m Berufsverkehr sind U-Bahnen von Diebstählen abgesehen – weitgehend sicher. Außerhalb dieser Zeiten sollte man möglichst in der Nähe eines Bediensteten einsteigen (meist vorne).
Fremden oder flüchtig Bekannten keine Personalien oder Zimmernummern des Hotels mitteilen.
Im Hotel die Zimmertür stets von innen verriegeln. Nie ohne Sicherheitkette und vorherigen Blick durch den Türspion die Zimmertür öffnen. Bei fremden Personen nach dem Ausweis fragen und bei Verdacht bei der Rezeption nachfragen. Fenster geschlossen halten. In jedem Hotelzimmer ist der Fluchtweg im Falle eines Brandes meist auf der Zimmertür angeschlagen. Die Zeit sich diesen Fluchtweg kurz anzusehen, sollte man sich stets nehmen, denn im Brandfall ist die Zeit meist kurz und die Gefahr einer schnellen Rauchvergiftung hoch.
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