2. Oktober 2015

„The Broad“: Das neue Museum in Los Angeles

Eli Broad ist der umstrittenste und mächtigste Privatsammler der USA. Mitten in Los Angeles hat er sich nun das 120 Millionen Dollar teure Museum „The Broad“ errichten lassen. Foto: thebroad.org

Eli Broad ist der umstrittenste und mächtigste Privatsammler der USA. Mitten in Los Angeles hat er sich nun das 120 Millionen Dollar teure Kunstmuseum „The Broad“ errichten lassen.

Wikipedia beschreibt Eli Broad in einem Satz: „Eli Broad (* 6. Juni 1933 in Detroit, Michigan, USA) ist ein US-amerikanischer Milliardär.“ Das passt ganz gut, um die finanzielle Kragenweite des Herrn Broad kennenzulernen. Der 82-jährige Broad ist nicht nur Millardär, sondern hält aktuell den 42. Platz auf der Forbesliste der reichsten Menschen Amerikas. Seine private Kunstsammlung ist gigantisch. Rund 2.000 Werke moderner und zeitgenössischer Kunst nennt Broad sein Eigen. Der Mann, der sein Geld mit dem Bau von Häusern und Versicherungen verdiente, verfügt über vier bis sechs Milliarden US-Dollar Privatvermögen – so hoch wird es zumindest geschätzt. Und jetzt hat er sich seinen eigenen Tempel bauen lassen. Das „The Broad“ ist ein neues Kunstmuseum mitten in Los Angeles.

Ehepaar Broad spendete über 800 Millionen Dollar

Gemeinsam mit seiner Ehefrau Edythe ließ sich Eli Broad das 120 Millionen Dollar teure Museum an der Grand Avenue in Los Angeles errichten. Das Museum für zeitgenössische Kunst ist nicht der einzige millionenschwere Bau von Eli Broad. Die Baukosten von 56 Millionen US-Dollar für das „Museum for Contemporary Art“ (MoCA) wurden ebenfalls von Eli Borad gestiftet. Doch das war es noch lange nicht. Schließlich gibt es noch das „Broad Art Center“ der UCLA und die „Broad Stage“ in Santa Monica. Und ein weiteres Broad-Museum an der Alma Mater, der Michigan State University. Insgesamt hat das Ehepaar mehr als 800 Millionen Dollar an Kultureinrichtungen in und rund um Los Angeles gespendet. Und alle sind riesig, riesig wie ein eigenes Imperium. Das „The Broad“ in der Grand Avenue von Los Angeles fasst knapp 11.000 Quadratmeter, davon circa 5.000 Quadratmeter reine Ausstellungsfläche. Auch die Architektur offenbart Großartiges: Die Fassade von Diller Scofidio + Renfro verbirgt das Gebäude hinter einem mit Löchern übersäten weißen Schleier. In der Mitte zieht sich die Fassade um eine große Glasscheibe zusammen. Ein großer Konferenzraum erlaubt von hier den Blick nach draußen. Schließlich ist das Licht für die im Konferenzraum befindlichen Menschen deutlich weniger gefährlich als für Kunstwerke.

Eli Broad ließ mehr als 550.000 Häuser bauen

In der Mitte der Fassade befindet sich eine große Glasscheibe. Ein großer Konferenzraum gestattet den Blick nach draußen. Foto: thebroad.org

In der Mitte der Fassade befindet sich eine große Glasscheibe. Ein großer Konferenzraum gestattet den Blick nach draußen. Foto: thebroad.org

Nach dem Eintreten in das „The Broad“ öffnet sich dem Gast das von den Architekten als „Gewölbe“ bezeichnete Foyer. Eine lange Rolltreppe und ein gläserner Aufzug führen ins Herz des Museums. Nun folgt etliche Räume, in denen sich die teuren Kunstwerke der Broads charmant und anmutig präsentieren.

Mehr als 550.000 Häuser ließ die Firma von Eli Broad, Kaufman & Broad, bereits erbauen. Mit dem daraus resultierenden Ertrag kann man sich offensichtlich das ein oder andere Museum erbauen. Das „The Broad“, entworfen von Elizabeth Diller, soll den Weg von Los Angeles zur nächsten amerikanischen Kunsthauptstadt ebnen. Zwar ist es nicht das erste – und vor allem nicht das letzte – Kunstmuseum der Stadt, doch ist es aufgrund seiner prominente Lage zu Hohem berufen. Allein der Standort in Downtown Los Angeles wird dafür sorgen, dass man weltweit vieles vom „The Broad“ hören wird.

Das „The Broad“ ist mit bekannten Ausstellungsstücken von Jeff Koons, Ed Ruscha, Jeff Wall, Takashi Murakami, Julian Schnabel, Damien Hirst, Cindy Sherman und vielen weiteren Stars der Kunst ausgestattet. Durch den Bau des Museums erhofft sich die Stadt eine Belebung von Downtown. Wie wichtig dies ist, zeigt die Tatsache, dass Bürgermeister Erik Garcetti zur Eröffnung des Museums eine lange und leidenschaftliche Rede hielt.

Los Angeles ist das neue New York

Das neu erbaute Museum „The Broad“, welches hinter einem mit Löchern übersäten weißen Schleier versteckt ist, sieht auch aus der Vogelperspektive gigantisch aus. Foto: thebroad.org

Das neu erbaute Museum „The Broad“, welches hinter einem mit Löchern übersäten weißen Schleier versteckt ist, sieht auch aus der Vogelperspektive gigantisch aus. Foto: thebroad.org

Dort, wo das Museum jetzt liegt, befand sich früher ein Viertel von viktorianischen Häusern. In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde es den Bürgern Los Angeles zu bunt. Zu viele prominentere Vororte zogen die Menschen aus der Stadt heraus. Downtown sollte das neue Zentrum der größten Stadt des US-Bundesstaates Kalifornien werden. Also riss man die viktorianischen Viertel ab und begann, ein Music Center zu errichten. Da die Pläne scheiterten, wucherten hier Parkplätze. Denn auch die sind in der Autostadt Los Angeles ein gern gesehenes Gut.

Und dann kam Eli Broad. Er erklärte die Grand Avenue zu seinem Gebiet und ließ einen Tempel nach dem anderen bauen. Zunächst war da der Bau des MoCA, der Erweiterung der Colburn School of Music, der neuen katholischen Kathedrale, einer Kunsthochschule mit dem Titel Grand Arts und der Walt Disney Concert Hall. Ein Gebäude ist pompöser als das andere. Schräg gegenüber des Museums, wo sich derzeit – was auch sonst – ein großer Parkplatz befindet, plant der Stararchitekt Frank Gehry das „Grand Avenue Project“ mit zwei Wolkenkratzern und einem Park. Noch in diesem Jahr beginnen die Bauarbeiten.

Los Angeles Downtown scheint wieder etwas zu werden. Wobei dort eigentlich nie wirklich was los war. Seit 10 Jahren geht es mit der Innenstadt wieder bergauf. Vor allem, seitdem prachtvolle Städte wie London und New York City nur noch für Reiche bezahlbar sind. Die Zahl der Menschen, die in Downtown L.A. leben, hat sich auf 60.000 verdoppelt. In der „New York Times“ wurde im Mai dieses Jahres ein interessanter Artikel veröffentlicht. Er berichtet über die Abwanderung von Künstlern, denen New York – salopp ausgedrückt – auf den Sack geht.

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