10. August 2015

USA-Einreise: 20-Jährige wegen Facebook-Chat abgewiesen

Die 20-jährige Aimee Schneider wollte nach dem Abitur Verwandte in den USA besuchen. Doch am Flughafen musste die Deutsche aufgrund eines Facebook-Chats die Heimreise antreten.

Die 20-jährige Aimee Schneider wollte nach dem Abitur Verwandte in den USA besuchen. Doch am Flughafen musste die Deutsche aufgrund eines Facebook-Chats die Heimreise antreten.

Als die 20-jährige Aimee Schneider nach dem Abitur ihre Verwandten in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio besuchen wollte, staunte sie nicht schlecht. Stundenlang wurde die Deutsche verhört und unter Eid gesetzt. Anschließend setzte die Behörde sie ins Flugzeug zurück nach Deutschland. Eigentlich wollte die Abiturientin aus Hessen nur in Philadelphia umsteigen. Doch bei der Passkontrolle wurde Schneider von den US-Behörden herausgefischt. Sie durchsuchten ihr Gepäck und befragten sie drei Stunden lang. Letztlich musste Aimee Schneider sogar unter Eid aussagen. In einem separaten Raum wurde ihr dann vorgeworfen, dass den Behörden der Einreisegrund „Urlaub bei Verwandten“ schleierhaft erscheint.

Aimee Schneider ist kein Einzelfall

Vier Monate Urlaub, und dann noch in Cleveland, das macht doch keiner“ zitiert Schneider die US-Beamtin in einem Interview mit SPIEGEL Online. Nachdem Schneider, die über ein gültiges Touristenvisum verfügte, von ihrer Großcousine und ihren Kindern erzählte, wollte die Beamtin die Facebook-Nachrichten zwischen Schneider und ihrer Großcousine sehen. Dafür musste die 20-Jährige ihr Handy rausrücken. Und siehe da: Die Beamtin entdeckte ein Gespräch in der Schneider ihrer Großcousine versprach, auch ab und an auf die Kinder aufzupassen. Das war der Beamtin der US-Behörde zu viel. Weil sie angeblich schwarz als Au-pair in den USA arbeiten wollte, galt Schneider als illegale Arbeitsmigrantin und musste die Heimreise antreten. Dabei war in dem Facebook-Chat nicht mal mehr die Rede davon, dass Schneider für das Aufpassen auf die Kinder ihrere Großcousine Geld bekommen würde.

Im Anschluss wurde Schneider von zwei Polizisten zu einem Flugzeug eskortiert, welches nach Frankfurt flog. Ihr Handy bekam die Abiturientin erst im Flugzeug zurück. In die USA möchte Aimee Schneider erstmal nicht, verständlich. Doch wie kann es zu einer solch skurrilen Situation kommen? In den Medien gibt es ein großes Echo zu diesem heiklen Thema. Doch Schneider ist kein Einzefall. 2013 wurde nach Angaben der US-Botschaft circa 700 deutschen Staatsbürger die Einreise in die USA verwehrt. Demgegenüber stehen allerdings rund 2,7 Millionen Deutsche, die bei der Einreise keine Probleme bekamen. Dennoch schlägt der Fall von Aimee Schneider hohe Wellen. Zum einen wurden ihre Persönlichkeitsrechte grob verletzt, zum anderen stellt man sich die Frage: Meinen die das ernst?

Ein Visum ist keine Garantie zur Einreise

Ein Visum allein ist keine Garantie zur Einreise in die USA. Es erlaubt lediglich die Anreise bis zu einem Einreisepunkt, zum Beispiel einen Flughafen.

Ein Visum allein ist keine Garantie zur Einreise in die USA. Es erlaubt lediglich die Anreise bis zu einem Einreisepunkt, zum Beispiel einen Flughafen.

Immer wieder kommt es zu dubiosen Gründen, welche die Einreise in die USA verhindern. Die Frankfurter Rundschau sprach mit der Frankfurter Rechtsanwaltsgesellschaft Winheller, die sich explizit um Personen kümmert, die bei der Einreise in die Vereinigten Staaten von Amerika Probleme haben. Rechtsanwalt Thomas Schwab erwähnte gegenüber der Frankfurter Rundschau einige interessante Fälle. In einem Fall sei zum Beispiel ein Deutsch-Iraner abgewiesen worden, weil sein Name nicht Deutsch klinge und er daher scheinbar kein Deutscher sei. In einem anderen Fall wurde einer Geschäftsfrau die Einreise verweigert, weil sie zu oft in die USA reise. Vorher war sie bereits für vier Kurzbesuche in den USA. Auch dass den Abgewiesenen das Handy abgenommen wurde, sei kein Einzelfall. Dort suchen die US-Behörden immer öfter belastendes Material. Vor einigen Monaten hat ein Grenzbeamter einem Musiker dessen E-Mails vorgehalten, die wohl belegen würden, dass der Mann in den USA illegal arbeiten will. „Die Ablehnung war korrekt, aber dass ein Grenzbeamter Zugriff auf die Mails des Mannes hatte, hat mich schon überrascht“, so Schwab.

  • Deutsche benötigen eine ESTA-Genehmigung, wenn sie maximal 90 Tage in den USA bleiben wollen. Sie benötigen kein Visum, ein Reisepass genügt. Wer länger als 90 Tage bleibt, braucht ein Visum.
  • Ein Visum ist keine Garantie zur Einreise. Es erlaubt nur die Anreise bis zu einem Einreisepunkt, also zum Beispiel einen Flughafen.

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