Die Geschichte Amerikas – 30.000 Jahre von den ersten Siedlern bis zum 11. September 2001

Am 4. Juli 1776 wird die Unabhängigkeitserklärung unterschrieben, die den Weg zum Staatenbündnis frei macht. Die United States of America sind geboren.

Während die historische Zeitrechnung hier in der Antike beginnt, geben die Staaten auf der anderen Seite des Ozeans einem ganz bestimmten Tag die Bedeutung, die mit der „Stunde null“ verbunden ist: Am 4. Juli 1776 wird die Unabhängigkeitserklärung unterschrieben, die den Weg zum Staatenbündnis frei macht. 13 einstige britische Kronkolonien sind nun auf dem Weg, „USA“ zu werden; die United States of America sind geboren.

Die Geschichte des Kontinents, die Geschichte Amerikas freilich reicht viel, viel weiter zurück. Um ihr auf die Spur zu kommen, müssen Archäologen bemüht werden. Denn Amerika, so nimmt man heute an, wurde vor rund 30.000 Jahren erstmals von Menschen besiedelt.

Amerika von den asiatischen Siedlungsanfängen bis zum Jahr 1492

Während im 15. Jahrhundert circa 7 Millionen Indianer in Nordamerika lebten, sind es heute noch rund 3,5 bis 4 Millionen Indianer.

Während im 15. Jahrhundert circa 7 Millionen Indianer in Nordamerika lebten, sind es heute noch rund 3,5 bis 4 Millionen Indianer.

Wann kamen die ersten Nomaden, die sich auf dem nordamerikanischen Kontinent niederließen? Warum kamen sie und welche Wege haben sie genommen? Ganz genaue Antworten darauf wird es nicht geben können. Fest steht heute aber wohl, dass die ersten Siedler bereits vor rund 30.000 Jahren in Nordamerika ankamen und aus Asien stammten. Etwa 15.000 Jahre später soll es eine weitere „Einwanderungswelle“ gegeben habe; diesmal kamen die Menschen von Sibirien nach Nordamerika. Die Forschung ist sich sicher, dass es zu jener Zeit noch eine Landverbindung mit dem heutigen Alaska gegeben hat, die über die Beringstraße führte. Von Alaska aus drangen die Stämme zunächst westwärts, dann südlich und schließlich auch in Richtung Osten auf den gesamten Kontinent vor. Die ältesten Spuren dieser zweiten Siedlungswelle finden sich in Oregon und in Texas.

Es dauerte Jahrtausende, bis die Nachkommen der Siedler langsam sesshaft wurden und sich so mit der Zeit auch eigene, regionale Kulturen und Stammesriten entwickelten. Allerdings gilt das nicht für alle Ureinwohner. Vor allem die Stämme, die in der Nähe des Pazifiks lebten, zogen das Nomadentum und das Leben als Jäger und Sammler dem Konzept der Sesshaftwerdung und damit der beginnenden Landwirtschaft bis zu Ankunft der europäischen Siedler im 15. Jahrhundert vor. Alle Stämme zusammen hatten auf dem nordamerikanischen Kontinent mehr als ausreichend Platz. Als Europa die Hand nach Amerika ausstreckte, lebten dort schätzungsweise rund sieben Millionen Indianer. Diese Zahl bezieht sich aber strikt nur auf Nordamerika und schließt die Bewohner Mittelamerikas nicht mit ein.

Amerika von 1492 bis 1776

Amerika hatte also bereits eine lange Geschichte hinter sich, als es 1492 von dem Genueser Abenteurer Christopher Kolumbus „entdeckt“ wurde. Der Begriff „Entdeckung“ macht natürlich nur aus europäischer Sicht einen Sinn – die Indianer wussten ja schließlich längst, dass es sie und ihren großen Kontinent gab. Sie blieben auch nach der Landung von Kolumbus zunächst noch von den Europäern verschont. Die Seefahrernationen der Alten Welt, die sich damals Gold und andere Schätze von ihren Entdeckungen versprachen, konzentrierten sich zunächst auf Mittel- und auf Südamerika. Doch etwa ab 1525 wandten sich Spanien, Portugal, Frankreich und England, damals das habgierigste und unternehmungslustigste Quartett von ganz Europa, zunehmend auch Nordamerika zu. Ihre ersten Ziele lagen an der Ostküste der heutigen USA. Vor allem die Spanier wollten es dabei aber nicht belassen. Sie finanzierten Expeditionen, um das Landesinnere zu erforschen und immer weiter auf dem Kontinent vorzudringen. Im Jahr 1542 erreichte zudem ein anderer Seefahrer im Dienste der spanischen Krone die Küste Kaliforniens; nun hatte man den Kontinent sozusagen in der Zange. Doch es sollte noch etwa 50 Jahre dauern, bevor die systematische Erkundung, Besiedelung auch Ausbeutung im großen Stil begann.

Für die Ureinwohner, das kann man aus der historischen Distanz heute sicher sagen, hatte mit der Landung von Christopher Kolumbus der Untergang begonnen. Sie fielen zunächst Krankheiten zum Opfer, die die ersten Entdecker, Seefahrer und Siedler aus Europa einschleppten. Einige Jahrzehnte später begann dann Schritt für Schritt die rücksichtslose Verdrängung, Vertreibung bis hin zur Ausrottung ganzer Stämme. Heute machen die einst so stolzen und weisen Ureinwohner des nordamerikanischen Kontinents nur etwa 1,5 Prozent der Bevölkerung aus.

Doch auch für die europäischen Pioniere war nicht alles Gold, was glänzte. Während für die Spanier, Franzosen und Portugiesen zunächst „nur“ die Ausbeutung des Kontinents und seiner Schätze im Vordergrund der Eroberungen standen, wendete sich das Blatt mit dem wachsenden Interesse der Engländer an der „Neuen Welt“. Sie wollten von Anbeginn mehr, als nur Handelsposten oder Militärlager errichten. Die Engländer planten bereits sehr früh, Nordamerika zu kolonialisieren – was sie schließlich ja auch taten.

Jamestown war die erste dauerhafte englische Siedlung in Nordamerika, welche in der Anfangszeit durch Kämpfe mit den Indianern vor dem Aus stand.

Jamestown war die erste dauerhafte englische Siedlung in Nordamerika, welche in der Anfangszeit durch Kämpfe mit den Indianern vor dem Aus stand.

Die ersten Schritte dahin waren blutig. Die Indianer wehrten sich nach Kräften, als 1585 Engländer an der Küste des heutigen North Carolina versuchten, dauerhaft dort Fuß zu fassen. Der Plan scheiterte; die Siedler wurden erschlagen oder verhungerten. Erst 1607 konnte eine erste, dauerhafte Siedlung errichtet werden. Doch auch dieses „Jamestown“, das in Virginia entstand und nach dem englischen Monarchen James I. benannt wurde, gelang nur unter blutigen Opfern. Zumindest ein wenig einfacher hatten es dann rund zehn Jahre später die Pilgerväter, die mit der legendären „Mayflower“ an der Ostküste ankamen. Sie wollten sich allerdings nicht etwa dem König und der Krone nützlich machen, sondern hatten religiöse Beweggründe, um ihr Heimatland zu verlassen. Dort hatte sich zwar seit Heinrich VIII. die anglikanische Kirche etabliert, doch die war den puritanischen Pilgervätern immer noch viel zu prunkvoll und, wenn auch nicht offiziell, dem katholischen Glauben verpflichtet. Im heutigen Boston und Maine, in Connecticut und Massachusetts dagegen, hofften die Siedler auf ein gottgefälligeres Leben. Bis heute ist dieser Geist in vielen Neuengland-Staaten an der Ostküste lebendig.

Die Idee, in Nordamerika eine Zukunft zu wagen und ein neues Leben zu beginnen, hatte aber nicht nur für die Engländer einen Reiz. Auch die Holländer wollten sich ihren Teil an den immer noch frisch entdeckten Pfründen sichern und entwickelten ebenfalls koloniale Bestrebungen. Parallel dazu wanderten Menschen aus allen möglichen europäischen Ländern plötzlich nach Amerika aus. So siedelten sich im Gefolge der englischen Pilgerväter auch viele deutsche Bauern an der Ostküste an. Sie hatten in der Neuen Welt einfach bessere Zukunftschancen als daheim. Ähnlich verhielt es sich mit Schweden, Iren und Russen, ohne dass deren Länder jedoch sofort auch eigene politische Ziele auf dem nordamerikanischen Kontinent verfolgten. Mit der Zeit kristallisierten sich sechs Nationen heraus, die um die Macht auf dem neuen Territorium stritten. Davon blieben schließlich drei – Frankreich, Spanien und England – als echte Rivalen übrig. Während Frankreich sich allerdings vor allem bereichern wollte, etwa durch den Pelzhandel, strebten die Engländer danach, das Land ganz in Besitz zu nehmen. Dazu mussten sie die Indianer nicht nur ausbeuten, sie mussten sie vertreiben. Das gelang ihnen auch; leider machten sie sich aber mit ihrem brutalen Vorgehen für lange Zeit einen sehr schlechten Namen.

Als England und Frankreich sich in Europa während des Siebenjährigen Krieges bekämpften, konnte auch in Amerika der Frieden zwischen den beiden Nationen nicht gehalten werden. Die Franzosen unterlagen schließlich und England ging, sehr zum Leidwesen der Indianer, als Siegermacht aus den Konflikten hervor.

Die britische Krone nutzte diesen Sieg aus heutiger Sicht jedoch nicht unbedingt weise. Sie wollte weiter so viel Geld wie möglich aus ihren Kolonien herauspressen. Dass sie dabei die Interessen ihrer eigenen Leute vernachlässigte, sollte schließlich zum Unabhängigkeitskrieg führen. Die Siedler, die aus England über den Ozean gekommen waren und in Amerika immer stärker Fuß fassten, wollten nicht länger nur Steuern an den König zahlen, ohne dafür im Gegenzug eine Stimme im Londoner Parlament zu haben. Ob man auf der anderen Seite des großen Teiches die Dinge nur verzerrt wahrnahm? Ob man sich nicht vorstellen konnte, dass die Kolonien eine Eigendynamik entwickelt hatten? Das Verhältnis zwischen den Mächtigen in London und den ersten Amerikanern englischer Abstammung kühlte jedenfalls so weit ab, das es schließlich ganz eingefroren war. London schickte folgerichtig Soldaten, doch auch die konnten langfristig nicht verhindern, dass man sich von England lossagen wollte. Am 4. Juli 1776 war es schließlich so weit. 13 englische Kolonien unterschrieben die Unabhängigkeitserklärung und sagten sich endgültig von Europa los. Es dauerte allerdings noch ein paar weitere Jahre, bevor tatsächlich keinerlei Kriegshandlungen mehr stattfanden. Der Weg für die Vereinigten Staaten von Amerika war nun wirklich frei.

Amerika ab 1776

George Washington war von 1789 bis 1797 der erste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

George Washington war von 1789 bis 1797 der erste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Natürlich brauchte es einige Jahre, um die neu gewonnene Freiheit zu organisieren und eine Verfassung zu erarbeiten. 1789 war diese riesige Aufgabe bewältigt und man konnte den ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika beglückwünschen. George Washington, der der Vorsitzende der Verfassungskommission gewesen war, war einstimmig gewählt worden. Er musste nicht nur in den USA selbst, sondern auch in der Außenpolitik vom ersten Tag größte politische Umsicht beweisen. Europa war nämlich inzwischen Schauplatz einer Revolution, aus der Washington sein junges Amerika unbedingt heraushalten wollte. Es gelang. Dennoch sollte Amerika noch ein weiteres Mal einen Krieg auf eigenem Boden erleben, dessen Ursachen in Europa zu suchen waren. Die napoleonischen Kriege in der Alten Welt sorgten im Verhältnis zwischen nun Großbritannien (das sich inzwischen mit Schottland zu einer Union zusammengefunden hatte) und den USA immer wieder für Verstimmungen. Großbritannien unterstellte den USA, Frankreichs Sache zu begünstigen. Es kam zu Kämpfen, bei denen unter anderem die neue Hauptstadt Washington schwer beschädigt wurde. Auch das Weiße Haus machten die Briten damals dem Erdboden gleich. Als die Lage in Europa sich beruhigte, einigten sich auch die USA und Großbritannien. Wer den Krieg gewonnen hatte? Schwer zu sagen. Vor allem deshalb, weil beide Seiten sich später als Sieger brüsteten. Fortan sollten die USA „nur“ noch hausgemachte Probleme haben und interne Kriege führen – bis zum Ersten Weltkrieg.

Die Herausforderungen für die junge Nation waren riesig. Immer mehr Länder wollten dem Staatenbund beitreten und mussten entsprechend integriert werden. Parallel dazu bahnte sich ein immenser innenpolitischer Zwist an. Da die USA sich als Föderation organisiert hatten, konnten die Mitgliedsstaaten unterschiedliche Gesetze verabschieden. In der Frage der Sklaverei sollte das zu einer echten Bewährungsprobe führen. Es wurde schlimmer als das. Einige Staaten spalteten sich wieder ab und gründeten einen neuen Bund. Die Sklavenfrage war mehr als nur ein ethisches Problem; daran entzündeten sich auch grundsätzlich unterschiedliche Auffassungen vom Geldverdienen und von der Wirtschaft. Kein Wunder also, dass in Amerika ein Bürgerkrieg ausbrach. Dieser sogenannte Sezessionskrieg tobte von 1861 bis 1865. Präsident Abraham Lincoln zahlte für die wiedergewonnene Einheit der USA einen hohen Preis. Er fiel während eines Theaterbesuchs einem Attentat zum Opfer. Innerhalb der USA verschoben sich nach der Beendigung der Sklaverei die Gewichte. Der Süden verlor nach und nach an wirtschaftlicher Bedeutung, der Norden profitierte. Die Nachwirkungen dieses Krieges sind bis heute in den USA spürbar. Die Abschaffung der Sklaverei hat zudem nicht automatisch zu einer Gleichberechtigung aller Bürger geführt. Auch das wird immer wieder deutlich, wenn Rassenunruhen aufflackern.

Nach der Abschaffung der Sklaverei musste der Süden unterstützt werden. Diese Phase ist in die US-amerikanischen Geschichte als „Rekonstruktion“ eingegangen. Fast zeitgleich zeichnete sich die nächste große Herausforderung ab, die allerdings zu einer großen Blütezeit Amerikas führen sollte. Die Rede ist von der Industrialisierung.

An der als Ground Zero bekannten Stelle erstrahlt nun das neue 'One World Trade Center' mit seinen 541,3 Metern Höhe. Auf dem Dach befindet sich eine 125 Meter hohe Spitze.

An der als Ground Zero bekannten Stelle erstrahlt nun das neue ‚One World Trade Center‘ mit seinen 541,3 Metern Höhe. Auf dem Dach befindet sich eine 125 Meter hohe Spitze.

Die Vereinigten Staaten von Amerika werden zum Magneten für Einwanderer aus ganz Europa und schließlich der ganzen Welt. Neue Industrien entwickeln sich, man baut eine transkontinentale Eisenbahn und Ozeanriesen, die Wall Street wird zum internationalen Finanzzentrum; Kunst und Kultur erleben nie dagewesene Höhepunkte. Der amerikanische Traum ist scheinbar für jeden greifbar, der fleißig ist und ein Quäntchen Glück hat. Die Tellerwäscher und Goldgräber, die dieses Quäntchen Glück nicht haben, übersieht man großzügig. Im Winter 1929 ist der Traum mit einem Mal für fast alle ausgeträumt, es gibt plötzlich fast nur noch Verlierer und kaum Gewinner. Der Börsenkrach erschüttert sowohl die USA als auch Europa in den Grundfesten. In den Vereinigten Staaten erholt man sich etwas schneller, doch auch hier wird die Vollbeschäftigung erst wieder „dank“ einer neuen Katastrophe erreicht. Erst der Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg bringt der Bevölkerung wieder die Arbeitsplätze, die sie benötigt.

Wer glaubt, dass mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine Phase des Friedens für die USA beginnt. Wird sich schnell getäuscht sehen. Der Staatenbund erlebt zwar keinen Krieg auf eigenen Boden, entsendet aber Truppen in viele Konfliktregionen der Welt. Korea und Vietnam sind Beispiele dafür aus den ersten Nachkriegsjahren, Afghanistan und Irak stehen für die jüngste Vergangenheit. Diese Kriege wurden nach dem Attentat am 11. September 2001 begonnen, bei dem Terroristen das World Trade Center in New York angegriffen hatten. Das an gleicher Stelle gebaute One World Trade Center geht als „das sicherste Gebäude der Welt“ in die Geschichte ein.

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