Amerikanische Bevölkerung – Multikulti der USA

In multikulturellen Ländern wie den USA kommen die Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt. Der regelmäßige Census sorgt für einen Überblick.

In multikulturellen Ländern wie den USA kommen die Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt. Der regelmäßige Census sorgt für einen Überblick.

Über die amerikanische Lebensart – wenn es sie denn gibt – wird und wurde viel geschrieben. Wir möchten hier einige Facetten zusammentragen, die über einzelne Aspekte des amerikanischen Alltagslebens berichten und nicht bereits an anderer Stelle dieser Homepage angesprochen werden. Über die Lernphase im amerikanischen Alltag berichtet Torsten Krauel am 28. Januar 2005 in seinem Welt-Artikel „Wer sich in Amerika nicht rührt, wird überrollt“. Über den Vorteil der amerikanischen Wirtschaft aus der Größe des Landes als ziemlich einheitlicher Riesenmarkt berichtet Thomas Fischermann im Januar 2005 in der Zeit in dem Artikel „Das weite Land“.

In multikulturellen Gebieten, wie sie in den USA üblich sind, kommen die Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt. Eine regelmäßige Statistik sorgt hierbei für einen Überblick.

In multikulturellen Gebieten, wie sie in den USA üblich sind, kommen die Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt. Eine regelmäßige Statistik sorgt hierbei für einen Überblick.

Als die ersten europäischen Siedler in die USA kamen trafen sie auf etwa eine Million Ureinwohner (Indianer). Zwischen 1820 und 1975 gab es etwa 45 Millionen Einwanderer. Sie kamen aus Deutschland (etwa 7 Millionen), Italien und England (etwa je 5 Millionen), Irland (4 Millionen) sowie Kanada und Russland (je 3 Millionen). Auch etwa 5 Millionen Schwarze wurden mehr oder weniger freiwillig „heimisch“. Während der großen Eisenbahnbauten kamen hunderttausende von Chinesen. Alle Einwanderer hatten das Ziel, sich von unten nach oben zu arbeiten und möglichst schnell „echte Amerikaner“ zu werden. Es entstand das Märchen vom „Schmelztiegel“ USA.

Tatsächlich werden auch heute noch im Alltagsleben auf zahlreichen Fragebögen die Rassenzugehörigkeiten abgefragt:
Caucasian Weißer
African American Schwarzer
Asian Ostasiate
Hispanic Mittel- oder Südamerikaner
Native American Indianer

US-Census

Nach dem letzten US-Census nimmt die Bedeutung der „Weißen“ zahlenmäßig mehr und mehr ab. In einigen US-Staaten stellen bereits heute frühere ethnische Minderheiten die Mehrheit der Bevölkerung.

In der Hälfte der Metropolen sind die europäischstämmigen Weißen bereits die Minderheit. Im Süden und mittleren Westen machen die Nachfahren mittel- und südamerikanischer Einwanderer (Hispanics, Latinos) fast 50 % der Bevölkerung aus. Die am schnellsten wachsende Gruppe sind die Mexikaner, gefolgt von den Salvadorianern, Kubanern, Kolumbianern und Puertoricanern.

In den Bundesstaaten Kalifornien, New Mexico und Hawaii sowie in Washington D.C. ist der weiße Bevölkerungsanteils mittlerweile nach den Angaben des U.S. Census Bureaus mit Stand 01. Juli 2004 die Minderheit. Das gilt auch für Texas. Hier gehören 11,3 Millionen Menschen oder 50,2 Prozent der Bevölkerung ethnischen Minderheiten an; die meisten sind Hispanics/Latinos (7,8 Millionen) und Schwarze (2,7 Millionen). Zu den nächst folgenden Bundesstaaten mit hohen Nicht-Weißen-Anteilen gehören Maryland, Mississippi, Georgia, New York und Arizona.

Nach dem Stand vom 01. Juli 2010 ergibt sich folgendes Bild:

Gesamt-Bevölkerung Weiße (White Alone) Schwarze oder Afro-Amerikaner Indianer und Ureinwohner Alaskas Asiaten Ureinwohner Hawaiis oder einer anderen pazifischen Insel Andere Rasse Zwei oder mehrere Rassen
308.746.000 223.553.000 38.929.000 2.932.000 14.670.000 540.000 19.107.000 9.009.000

Quelle: Resident Population by Race and State 2010

Der Durchschnitts-Amerikaner

Verglichen mit den sozialen Netzen im deutschsprachigen Raum ist das in den USA sehr dünn.

Verglichen mit den sozialen Netzen im deutschsprachigen Raum ist das in den USA sehr dünn.

Gibt es ihn? Wohl nicht, wie in anderen Staaten auch nicht. Aber es gibt allgemeine Erfahrungssätze, die häufiger auf eine Vielzahl von Personen zutreffen. Und das Wesen einer Bevölkerung lässt sich am Besten charakterisieren, indem man die Unterschiede zu den eigenen bekannten Verhaltensweisen unterstreicht.

Allgemein gelten die US-Amerikaner als unkompliziert, freundlich und hilfsbereit. Es ist einfach, mit ihnen in Kontakt zu kommen, sehr schnell werden die Adressen getauscht. Bemerkenswert ist, dass viele Amerikaner eine äusserst optimistische Grundstimmung haben, sie finden sofort alles ‚great‘, ‚marvellous‘ und ‚phantastic‘. Oft mutet die Höflichkeit als reine Floskel an, etwa wenn als Begrüssungsformel ‚How are you?‘ – ‚Thank you, fine‘ verwendet wird. Grundverkehrt wäre es, hinter solchen Redewendungen ein ernsthaftes persönliches Interesse zu vermuten. Am Besten ist es, dem Gegenüber immer zu bekunden, es gehe einem ‚great‘, auch wenn es gar nicht so ist. Vgl. hierzu unsere Hinweise für Erstbesucher.

Die Kenntnis über das Geschehen in der Welt beschränkt sich meist auf die Verhältnisse in den USA. Geprägt durch die Nachrichtensendungen, in denen der Rest der Welt selten auftaucht (außer teilweise bei CNN), ist das Wissen auf die Heimat USA konzentriert. Den „Durchschnitt“ werden Sie nicht in den Weltstädten, etwa New York, finden. Dies sind Lebensräume mit eigenen Gesetzmäßigkeiten. Die Mehrheit der Amerikaner lebt auf dem Lande oder in Vororten, die speziell zu Wohnzwecken erbaut wurden, und damit in Gebieten, denen Sie auf den „klassischen“ Sightseeing-Routen kaum begegnen werden. Zitiert zur Selbsteinschätzung der amerikanischen Wesenszüge sei an dieser Stelle der stellvertretende Direktor des Hudson Institute in Indianapolis und Washington Gary Geipel, der als Deutschland-Experte regelmäßig in „The Wall Street Journal“, „International Herald Tribune“ und „Los Angeles Times“ veröffentlicht (hier in einem Artikel für die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 06.02.2003 zur Einschätzung der Irak-Krise unter dem Tenor: „Europäer und Amerikaner teilen nicht mehr die gleichen Werte“).

  • Statistisch gesehen sind die Vereinigten Staaten ein junges Land. Amerikaner haben immer noch Kinder. Wir empfangen junge Einwanderer mit offenen Armen, weil wir glauben, dass sie sich in unsere herrschende Kultur integrieren und sie keineswegs zerstören werden. Wir arbeiten bereitwillig bis ins achte Lebensjahrzehnt hinein. Risikobereitschaft gilt uns als Tugend und als der einzige Weg zum Fortschritt. Die meisten Amerikaner sind zutiefst religiös und meistern mit großem Geschick die Gefahren fundamentalistischer Glaubensüberzeugungen. Als Volk gelingt uns eine geradezu unglaubliche Kombination aus extremer Inbrunst für die eigenen religiösen Anschauungen und extremer Toleranz für die Anschauungen anderer.

    Wir sind notorische „Patrioten“ und setzen großes Vertrauen auf die Anziehungskraft und Beständigkeit unseres politischen Systems. Als Nation sehen wir keinen Widerspruch darin, eine gerechte Sache zugleich mit grausamer Gewalt und zärtlichem Mitgefühl zu verfolgen. Manche bezeichnen das als „moralisches Selbstvertrauen“. Was von alledem lässt sich auch von Frankreich, Deutschland oder anderen europäischen Gesellschaften behaupten? Ist es da ein Wunder, dass unsere politischen Führer zu anderen Einschätzungen gelangen, wenn es um die Frage geht, was wir im Irak, im Mittleren Osten und der Welt erreichen können – auch wenn wir weiterhin dieselben liberalen Werte teilen?

Soziales Netz

Im Amerikanischen gibt es einen Begriff für soziale Aufsteiger (social climber), aber nicht für soziale Sicherheit. Für den Abstieg gibt es einen Euphemismus: Abwärtsmobilität (downwardly mobile). Bereits die Sprache kennzeichnet die Einstellung des Einzelnen zur sozialen Absicherung: Wer wegen Arbeitslosigkeit usw. zurückstecken muss, sieht dies als persönliche Härte, nicht als gesellschaftliches Problem.

    Dementsprechend ist das soziale Netz im Vergleich zur hiesigen Sicherung sehr dünn:
  • Social Security: Entspricht der deutschen Rentenversicherung. Beiträge werden wie bei einer Steuer an den Social Security Trust Fund eingezahlt. Social Security sollte ein Drittel, private Ersparnisse und betriebliche Rentenfonds den Rest der Altersversorgung ausmachen. Siehe auch unter dem Stichwort Rentensystem.
  • Unemployment Compensation: Arbeitslosenunterstützung, die aus Arbeitgeberbeiträgen finanziert und maximal ein Jahr lang gezahlt wird, aber oft – bei Rezessionen usw. – auch verlängert wird.
  • Welfare: Die Sozialunterstützung, insbesondere für alleinstehende Mütter, wurde 1996 unter der Clinton-Regierung als Bundesprogramm beendet. Die Programmhoheit liegt nun bei den Bundesstaaten. Es gelten unterschiedliche Voraussetzungen, Höchstdauern und Unterstützungsbeträge. Es wurde eine Pflicht zu arbeiten eingeführt und niemand soll länger als 5 Jahre Unterstützung erhalten.
  • Medicaid: Staatliche Krankenversicherung für Wohlfahrtsempfänger. Wenn ein Erwachsener Arbeit findet, bleibt er ein weiteres Jahr versichert. Kinder bleiben versichert, solange der Verdienst der Eltern unter der Armutsgrenze bleibt. Siehe auch unter dem Stichwort Teures US-Gesundheitssystem.

National-Bewusstsein

Die emotionale Verbundenheit mit der eigenen Nation ist bei US-Bürgern sehr ausgeprägt. Der amerikanische Stolz ist uneingeschränkt und nicht zu erschüttern.

Die emotionale Verbundenheit mit der eigenen Nation ist bei US-Bürgern sehr ausgeprägt. Der amerikanische Stolz ist uneingeschränkt und nicht zu erschüttern.

Der US-Amerikaner ist stolz darauf, der „Nation der Freien“ anzugehören, und zwar unabhängig davon, welcher ursprünglichen Herkunft er ist. Dieser Stolz ist uneingeschränkt und nicht zu erschüttern. Speziell für einen Deutschen, der immer noch Probleme in der nationalsozialistischen Vergangenheit und dem Missbrauch des Nationalgefühls sieht, schwer nachzuvollziehen. Der US-Amerikaner hat – wie die meisten Völker der Erde – in diesem Punkt keine Bescheidenheit und das nationale Bekenntnis hat seit den Terroranschlägen vom 11. September zugenommen.

Äußerer Ausdruck sind die bei jedem Anlass wehende Nationalflagge und das Singen der Nationalhymne. Sie verkörpern die Ideale von Freiheit und Demokratie und des Bewusstseins, „Gottes eigenes Land“ zu sein. Die US-Flagge wird als „Star Spangled Banner“ bezeichnet, als Sternenbanner. Sie ist ein Symbol der ersten Stunden der Staatsgründung. 1777 beschlossen die Delegierten auf dem zweiten Continental Congress in Philadelphia, dass die Fahne dreizehn Streifen haben sollte, abwechselnd rot und weiß, sowie dreizehn weiße Sterne auf blauem Untergrund: je einer für jeden Staat der Union. Neben dem Dokument der Unabhängigkeitserklärung war das Sternenbanner das erste gemeinsame Symbol der jungen Nation und ihrer vielrassigen Bewohner. Bis heute wurden aus den dreizehn Sternen fünfzig, im Jahre 1960 kam mit dem Stern für Hawaii der letzte hinzu.

Hier der Text der Nationalhyme

The Star Spangled Banner
O say! can you see,
by the dawn’s early light.
What so proudly we hail’d
at the twilight’s last gloaming?
Whose broad stripes and bright stars,
thro‘ the perilous fight.
O’er the ramparts we watch’d,
were so gallantly streaming?
And the rocket’s red glare,
the bombs bursting in air.
Gave proof thro’ the night
that our flag was still there.
O say, does that
Star Spangled Banner yet wave
O’er the land of the free
and the home of the brave?

Am liebsten wird aber auf die „inoffizielle“ Nationalhymne „God Bless America“ zurückgegriffen, wohl weil sie so viel Pathos hat. Komponiert wurde das Lied von Irving Berlin, der im Alter von 5 Jahren als Einwanderer aus Sibirien in die USA kam. Die Ursprungsversion für eine Musik-Revue im Jahre 1918 war wenig erfolgreich, als aber 1938 Kate Smith eine überarbeitete Version am 11. November, dem Armistice Day, im Radio sang, stellte sich der Erfolg ein.

Der Text von „God Bless America“ lautet:

God Bless America,
Land that I love,
Stand beside her, and guide her,
trough the night, with a light from above.
Form the mountains to the prairies,
to the oceans, white with foam
God Bless America,
my home, sweet home.
God Bless America,
Land that I love.
Stand beside her, and guide her,
through the night, with the light from above.
Form the mountains to the prairies,
to the oceans, white with foam
God Bless America,
my home, sweet home.
God Bless America,
my home, sweet home.

Einen Eindruck von diesem Nationalstolz vermittelt das Video „America – Why I love her – recited by John Wayne“.

Nesting

Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 haben sich viele US-Amerikaner in ihre eigenen vier Wände zurück gezogen und die Familie stärker in den Mittelpunkt gerückt (sog. Nesting- oder Coconing-Trend – ein Nest bauen bzw. einen Kokon spinnen). Statt zu Reisen wird das Heim verschönert.

Auch die schlechte Lage an den Aktienbörsen verstärkt diesen Trend. Auf Aktienkäufe wird verzichtet und statt dessen in das eigene Haus investiert. Die Zahl der Hauseigentümer nimmt zu. Günstige Kreditmarktzinsen bieten Anreize, so günstig wie seit Jahren nicht mehr zu erwerben.

Die Baby-Boomer-Generation (= nach dem 2. Weltkrieg Geborene) reist weniger und nutzt die Heimrenovierung als eine Art Selbsterfahrung. Nutznießer dieses Trends sind die Heimwerkermärkte und alle Unternehmen mit Angeboten rund um Heim und Herd, wie beispielsweise

  • Williams Sonoma: Möbel- und Haushaltswaren – Kette
  • Michael Stores: Kunst- und Handwerks – Kette
  • Home Depot: Baumarkt – Kette
  • Lowe’s: Baumarkt – Kette
  • Black & Decker: Hersteller von Innenfarben, Stoffen und Geräten

Auch die elektronische Unterhaltungsindustrie profitiert. So sind z.B. Videospiele wieder stark nachgefragt.

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