Amerikanisches Gesundheitssystem

Das amerikanische Gesundheitssystem ist das teuerste der Welt.

Das amerikanische Gesundheitssystem ist teuer und lückenhaft. Die Zahl der Bürger ohne Krankenversicherungsschutz betrug in 2009 mehr als 51 Millionen (16,7 Prozent).

Auch wer versichert ist, muss aus Privatmitteln zuzahlen: pro Arztbesuch werden regelmäßig 10 bis 20 % der Behandlungskosten fällig. Die Einwohner der USA gaben im Jahre 2008 pro Kopf 7.536 $ für das Gesundheitssystem aus, das ist circa doppelt so viel wie in Deutschland (3.692 Int. $). Das US-Gesundheitssystem ist weltweit mit Abstand das teuerste. 18% des Bruttoinlandproduktes gehen jährlich für die Gesundheit drauf. Die meisten US-Amerikaner sind zwar über ihre Arbeitgeber versichert, jedoch waren diese bis dato nicht dazu verpflichtet, ihren Arbeitnehmern eine Krankenversicherung anzubieten.

Eine private Krankenversicherung besitzen die wenigsten Amerikaner. Meistens sind die wenigen Bürger, die versichert sind, auch noch unterversichert. Leistungen und Prämien richten sich oftmals nach dem Gesundheitszustand des Versicherungnehmers. Außerdem durften Versicherungen ihren Kunden kündigen, wenn diese erkrankten und die Behandlung den Versicherungen zu teuer war. Seit dem Jahre 1965 wurden im Rahmen des „Social Security Act of 1965“ zwei staatlich finanzierte Krankenversicherungsprogramme eingeführt: Das Programm „Medicaid“ wurde für Personen mit einem geringen Einkommen und Bedürftige kreiert, „Medicare“ war für Menschen ab dem 65. Lebensjahr, Menschen mit Behinderungen und Menschen, die an einem akuten Nierenversagen leiden, vorgesehen.

Gesundheitsreform

Im Jahre 2009 sagte US-Präsident Barack Obama: „Ich bin nicht der erste US-Präsident, der sich dem Problem der Reform der Krankenversicherung annimmt, aber ich bin entschlossen, der letzte zu sein.“ 2010 machte Obama einen wichtigen Schritt, indem der „Patient Protection and Affordable Care Act“ unterschrieben wurde. Foto: By Official White House Photo by Pete Souza (P120612PS-0463 (direct link)) [Public domain], via Wikimedia Commons

Im Jahre 2009 sagte US-Präsident Barack Obama: „Ich bin nicht der erste US-Präsident, der sich dem Problem der Reform der Krankenversicherung annimmt, aber ich bin entschlossen, der letzte zu sein.“ 2010 machte Obama einen wichtigen Schritt, indem der „Patient Protection and Affordable Care Act“ unterschrieben wurde. Foto: By Official White House Photo by Pete Souza (P120612PS-0463 (direct link)) [Public domain], via Wikimedia Commons

US-Präsident Clinton war in 1993 gescheitert, eine Krankversicherung ähnlich dem deutschen System einzuführen. Seitdem hat die amerikanische Politik wenig gegen die Kostenexplosion getan. Auch Barack Obama ist derzeit fest entschlossen, die Gesundheitsreform durchzubringen. Im Jahre 2009 sagte der US-Präsident in einer Rede vor beiden Kammern des Kongresses: „Ich bin nicht der erste US-Präsident, der sich dem Problem der Reform der Krankenversicherung annimmt, aber ich bin entschlossen, der letzte zu sein„.

Der US-Präsident Barack Obama schaffte einen deutlichen Schritt in die richtige Richtung. Am 23. März 2010 unterzeichnete er den „Patient Protection and Affordable Care Act“. Ein Gesetz, welches die Reform des Gesundheitssystem vorsieht. Zwei Tage vorher war die Reform im Repräsentantenhaus mit 219 zu 212 Stimmen verabschiedet worden. Zuvor waren jahrzehntelang die Versuche amerikanischer Präsidenten gescheitert, das Gesundheitssystem der Staaten zu reformieren.

Nun erhält jeder US-Amerikaner nach und nach eine Krankenversicherung. Bis zum Jahre 2019 sollen 32 Millionen US-Amerikaner zusätzlich versichert sein. Das Ziel des Staates ist es, bis dahin 95% der Bevölkerung zu versichern. Ab 2014 wird eine Grundversicherung für jeden Bürger Pflicht. Folgt der Bürger diesem Gesetz nicht, so droht eine Strafe von bis zu 2,5% des Einkommens. Unternehmen, die mehr als 50 Arbeitsnehmer beschäftigen, werden ab dem Jahre 2014 dazu verpflichtet, ihre Mitarbeiter zu versichern. Führen sie diese Vorgabe nicht aus, so drohen 2.000 Dollar Strafe pro Mitarbeiter. Kleinere Unternehmen und einkommensschwache Haushalte erhalten eine staatliche Hilfe.

Das „Medicaid“-Programm, von den USA als gut befunden, wird weiter ausgebaut. Außerdem müssen die Krankenversicherungen je den Kunden unabhängig von seinen Vorerkrankungen annehmen. Auch im Krankheitsfall dürfen sich Status und Beiträge nicht verändern. Nach langer Diskussion verzichtete der Staat auf die Einführung einer öffentlichen Krankenkasse in Konkurrenz zu den privaten.

Nach Schätzungen „Congressional Budget Office“ wird die neue Gesundheitsreform den Staat in den nächsten 10 Jahren 940 Millionen Dollar kosten. Durch eine Reduzierung der Ausgaben im „Medicare“-Programm und durch Steuererhöhungen für Besserverdienende möchte man diese Kosten regulieren. Auch werden besonders teure Krankenversicherungen mit einer Steuer belegt. Das Staatsdefizit der USA soll bis zum Jahr 2020 um 138 Milliarden Dollar gesenkt werden.

Kritik an der Gesundheitsreform

Einigen Kritikern geht die Reform noch nicht weit genug, andere hingegen bemängeln die hohen Kosten. Außerdem werde das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen angegriffen. Der ewige Kampf der amerikanischen Politik mit dem Gesundheitssystem bekam im August 2011 erneut einen Schuss vor den Bug. Ein Berufungsgericht erklärte Teile der Pläne für verfassungswidrig. Niemand dürfe gezwungen werden, sich zu versichern. Im Sommer 2012 wissen die US-Bürger mehr. Denn spätestens dann will der Oberste Gerichtshof der USA sein Urteil über die Verfassungsmäßigkeit der US-Gesundheitsreform fällen. Währenddessen schreitet die Implementierung einzelner Bestandteile des Gesetzes voran.

Übergewicht

Die amerikanische Gesundheitsreform ist vor allem deshalb so wichtig, da die amerikanische Bevölkerung die Gesundheit generell vernachlässigt. Noch Ende der Achtzigerjahre des vorigen Jahrhunderts hatten mehr als die Hälfte der Amerikaner Normalgewicht. Heute haben knapp zwei Drittel zu viel Speck auf den Rippen:

    Anteil der übergewichtigen Amerikaner an der US-Bevölkerung:
  • 1960: 44,8 %
  • 1970: 47,7 %
  • 1980: 47,4 %
  • 1990: 56,0 %
  • 2000: 64,5 %
  • 2008: 68,0 %

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