Indianer – 3,5 bis 4 Millionen leben in Nordamerika

Indianer ist die Bezeichnung für die Ureinwohner Amerikas, welche den Kontinent bereits vor der 1492 einsetzenden Kolonisierung durch Europäer besiedelten.

Indianer ist die Bezeichnung für die Ureinwohner Amerikas, welche den Kontinent bereits vor der 1492 einsetzenden Kolonisierung durch Europäer besiedelten. Nicht eingeschlossen sind die Inuit und andere Völker der arktischen Gebiete sowie der amerikanischen Pazifikinseln.

Besuch in Indianer-Reservaten

Für den Besuch in Indianer-Reservaten gelten generell folgende Hinweise: Indianer-Reservate besitzen eigene Staatshoheit (in der Hand des Stammes); Alkoholische Getränke sind verboten (nicht nur das Trinken an sich, auch schon der Besitz und der Transport solcher Getränke); Ohne Sondergenehmigung dürfen Straßen und zugelassene Trails nicht verlassen werden; In Fahrzeugen sind Sicherheitsgurte anzulegen, für Motorradfahrer besteht Helmpflicht.

Englischsprachige Informationen bieten folgende Seiten: American Indian Movement, American Indian Tribes (Verzeichnis aller Stämme), Cherokee, Cheyenne River Sioux Tribe Web Site, Hopi.

Totempfaehle (Stammbäume indianischer Familienclans)

Kunstvoll geschnitzt und reich verziert sind die Totempfähle eindrucksvolles Zeugnis der Kunst der Ureinwohner im äußersten Nordwesten Amerikas. Die dämonisch erscheinenden Schnitzereien von Tierwesen wurden weder als kultische Wesen verehrt, noch dienten die bis zu 20 m hohen Säulen je als „Marterpfahl“ (dieser Zweck ist Karl Mays Phantasie entsprungen). Vielmehr stellen Totempfähle Mythen eines Familienclans dar, erzählen Geschichten von wichtigen Ereignissen und Personen. Die Anlässe, sie zu schnitzen, waren unterschiedlich: als Grabpfahl, als Andenkenpfahl oder als Potlatch Pole zur Erinnerung an ein großes Fest. Auch wenn ein neuer Totempfahl aufgestellt wurde, lud der Auftraggeber zu einem großen Potlatch ein.

Bisons (Ernährer der Prärieindianer)

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts bevölkerten die Bisonherden die Grassteppen entlang der Rocky Mountains. Die Indianer jagten die Tiere, bauten aus ihren Häuten Zelte, kleideten sich in ihre Felle und aßen ihr Fleisch. Selbst die Knochen wurden verwendet: Schmuck, aber auch Waffen entstanden daraus. Die weißen Siedler verdrängten und dezimierten die Bisonherden und entzogen damit den Indianern ihre Lebensgrundlage.

Insgesamt leben in Nordamerika rund 3,5 bis 4 Millionen Indianer.

Insgesamt leben in Nordamerika rund 3,5 bis 4 Millionen Indianer.

Die Navajo-Indianer (sprich: nah-wa-ho) nennen sich selbst “Dineh”, das Volk oder die Menschen. Der Name „Navajo“ stammt von den Spaniern und bedeutet etwa Volk mit großen Feldern. Sie gehören zur Sprachgruppe der Athapasken und wanderten von der Subarktis über den Nordwesten Kanadas in den Südwesten der USA. Ursprünglich waren die Navajo einer der größten Stämme im Südwesten, noch heute haben sie das größte Indianerreservat der USA inne und sind zahlenmäßig die größte indianische Nation. Mit 640.000 Quadratkilometern ist dieses Indianerland (Indian Country) größer als mehrere Staaten an der Ostküste.

1868 lebten etwa 8.000 Navajos, 1900 war die Zahl auf 20.000 und bereits 1930 auf 40.000 gestiegen. Heute gibt es etwa 200.000 Menschen, die ihre Herkunft auf die Navajo zurückführen. Über die Hälfte von ihnen lebt in dem Teil des Reservats, der zu Arizona gehört, 39 % in New Mexico und der Rest in Utah und Colorado. Innerhalb des Reservats gelten die Regeln des Stammes, auch für Besucher. Es gibt eine eigene Polizei und eine eigene Rechtsprechung. Alkohol ist tabu. Neben der englischen Sprache wird weiterhin die Umgangssprache Navajo gepflegt. Sie ist so kompliziert, dass sie während des zweiten Weltkrieges als Geheimcode der US-Militärs zum Einsatz kam. Etwa 3.000 Navajo-Männer dienten der US-Armee. Die Navajo Code Talkers des US-Marinekorps sind legendär. Sie übermittelten in ihrer eigenen Sprache geheime Informationen in Radioberichten. Ein Geheimcode, den der Feind nie knacken konnte. Wer eine Kostprobe der Navajo-Sprache hören möchte, sollte den Radiosender KTNN 740 AM der Navajo Nation einschalten.

Das Zentrum des Navajo-Stammes (navajo tribe) befindet sich in Window Rock, Arizona, etwa in der Mitte zwischen dem Canyon de Chelly und Gallup in New Mexico an der AZ 264. Die Regierung besteht aus dem Stammesrat (Tribal Council), einem gewählten Gremium, das sich aus dem Vorsitzenden (Chairman), seinem Stellvertreter (Vice Chairman) und 88 Abgeordneten (Delegates) zusammen setzt. Der Stammesrat regelt alle Angelegenheiten des Stammes und ist auch für die Rohstoffe und Bodenschätze verantwortlich. Wahrzeichen der Stadt ist der namengebende Window Rock, der Fensterfelsen.

Touristisch interessant sind der Window Rock Tribal Park (2 Meilen/3,2 km vom Highway AZ 264 entfernt) mit dem Navajo Tribal Museum (Ausstellung zur Geschichte und Lebensweise der Navajos) und dem Navajo Arts & Crafts Enterprise (Verkauf und Ausstellung indianischer Erzeugnisse).

Die ehemals nomadisierenden Navajo haben sich stets als besonders anpassungsfähig erwiesen. Sie übernahmen vieles von der Art der Pueblo-Indianer, der Spanier und Amerikaner. Bereits als die ersten Weißen eintrafen, hatten sie eine Landwirtschaft entwickelt, die allerdings nicht so perfekt wie bei den Hopi- und Pueblo-Indianern war. Von den spanischen Erorberern übernahmen die Navajo die Schafzucht, fortan ein wichtiger Teil ihrer Lebensgrundlage, da sie die Wolle zum Weben und für den Handel liefert. Das Zusammenleben mit den Weißen war stets mit kriegerischen Auseinandersetzungen verbunden. Die Navajo zogen sich dabei immer wieder in die Berge zurück und verwandelten den Canyon de Chelly zu einer Festung. Erst im 19. Jahrhundert gelang es der US-Armee, in diese natürliche Verteidigungsstellung einzudringen. Der Tiefpunkt wurde 1863 erreicht, als Oberst Christopher „Kit“ Carson die Navajo in einem grausamen Krieg mit Zerstörung der Felder und Schafe besiegte, zusammentrieb und sie nach Fort Sumner in New Mexico verbannt wurden. Man schickte sie auf den Langen Marsch zu dem 563 km entfernten Bosque Redondo, wo sie noch schlimmere Lebensbedingungen als auf dem Marsch vorfanden und sich das Land mit ihren Erzfeinden, den Mescalero-Apachen, teilen mussten. Erst 1868 wurde ein neuer Vertrag unterzeichnet, der den Navajo die Rückkehr in den Canyon de Chelly erlaubte.

Die Lebensweise der heutigen Navajo ist „typisch amerikanisch“. Sie fahren Pick-ups, tragen Baseball-Mützen und Jeans und bevorzugen vielfach Fast Food. Die Lebensumstände in den Reservaten sind allerdings nicht rosig, der Großteil hat ein Einkommen im Bereich des Sozialhilfeniveaus. Viele sind als Viehhirten oder Kleinbauern aktiv, viele leben vom Tourismus, etwa indem sie ihre künstlerischen Produkte an kleinen Ständen entlag der Highways und in Touristenorten zum Verkauf anbieten.

In der uralten Navajo-Behausung, der Hogans, wohnt heute kaum ein Stammesangehöriger mehr. Die Behausungen dienen vorwiegend der Vorführung für Touristen. Der Quasi-Rundbau mit 6 oder 8 Ecken ist fensterlos aus Holz, Reisig und Lehm erbaut und hat einen nach Osten gewandten Eingang. Inmitten einer Bodenvertiefung ist die Feuerstelle, der Rauch zieht über ein Loch im Dach ab. Die Navajos kannten bereits die Sauna. Zur zeremoniellen Körperreinigung benutzten die Navajo Schwitzbäder. Wasser über heiße Steine gegossen erzeugte viel Dampf in einem kleinen Saunaraum. Im allgemeinen gingen jeweils 4 Männer im Zyklus von vier Badedurchgängen mit sakralen Gesängen durch das Dampfbad. Die Winter-Hogans waren meist so ausgestattet, dass der Innenraum auch Platz für derartige Zeremonien bot. Zu den typischen künstlerischen Erzeugnissen der Navajo, die auch heute noch erworben werden können, gehören insbesondere Navajo-Teppiche (navajo rug).

Die ersten Indianer-Stämme in Nordamerika. Heute sind in den USA 562 Stämme anerkannt.

Die ersten Indianer-Stämme in Nordamerika. Heute sind in den USA 562 Stämme anerkannt.

Navajo-Teppiche
Die Decken werden nach alten Mustern auf Webstühlen gewebt. Die Muster haben nur dekorativen Charakter und besitzen keinerlei Symbolwert. Sie sind die Erfindung weißer Händler aus der Zeit der ersten Eisenbahn, die den touristischen Wert der Erzeugnisse für Gäste aus dem Osten der USA entdeckten. Der Preis wird von der Feinheit, dem Muster und der Größe der sehr haltbaren Teppiche bestimmt. Bevor ein Teppich gewebt wird, muss die Wolle gewaschen, gekrempelt, mit pflanzlichen oder chemischen Farben gefärbt und dann auf einer Wollspindel zu strangförmigem Garn gesponnen werden. Für einen kleinen, traditionell hergestellten Teppich gelten z.B. folgende „Rüstzeiten“: 64 Stunden zum Herstellen der Wolle, 8 Stunden zum Herrichten des Webstuhls und 133 Webstunden (Angaben entnommen aus der Ausstellung im Watchtower der Grand-Canyon-Nationalpark).

Silber- und Türkisschmuck: Die Silberbearbeitung haben die Navajo von den Mexikanern gelernt. Zunächst fertigten sie Schmuck aus Münzen an, später aus Metallplatten. Türkisschmuck ist heute noch der kostbarste Schmuckstein der Pueblo-Indianer (zu denen die Navajo nicht gehören), hergestellt werden insbesondere Armbänder und Halsschmuck.

Sandmalerei: Sandbilder können von einem Einzelnen in ein bis zwei Stunden erstellt werden, es gibt aber auch meterlange Bilder, die von mehreren Personen angefertigt werden müssen. Dabei geht es im Kern um die Nachbildung alter Zeichen, die der Heilung Erkrankter dienen sollen. Vgl. hierzu auch Denver Art Museum – Navajo Sand Paintings. In der Mitte des Navajo-Reservats eingeschlossen liegt das Hopi-Reservat. Zwischen beiden Stämmen bestehen erhebliche Spannungen.

Deutschsprachige Informationen gibt es auf folgenden Seiten: indianer.de, Geschichte der Indianer, Verein zur Unterstützung nordamerikanischer Indianer, Lakota Oyate Information, Indianer-Reisen, Liste der Indianerreservate in den Vereinigten Staaten.

Navajo Nation Washington Office, Die Navajo-Nation.

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