Fernsehen in den USA, dem Mutterland der TV

Der Fernseher ist aus dem Leben der Amerikaner nicht weg zu denken. Fast in jeder größeren Stadt gibt es eine Auswahl von zahllosen Programmen.

TV (Television) ist aus dem Leben der Amerikaner nicht weg zu denken. Fast in jeder Stadt gibt es eine Auswahl von zahllosen Programmen. Die USA können als das Mutterland des Fernsehens bezeichnet werden, da sie das erste Land waren, in dem regelmäßiger Sendebetrieb stattfand.

    Zu unterscheiden sind technisch folgende Angebote der Fernsehsender:
  • terrestrisches Fernsehen
  • Kabel-Fernsehen
  • Satelliten-Fernsehen.

Terrestrisches Fernsehen

Das terrestrische Fernsehen besteht aus einer Verzahnung von grossen, landesweit operierenden Fernsehgesellschaften, den sog. Networks (= Netzwerken), und Lokalsendern. Historisch begründet waren Lokalsender mit entsprechenden Lizenzberechtigungen zunächst entstanden und die großen Networks mussten auf diese Infrastruktur zurück greifen. Im Gegenzug verpflichteten sich die Lokalsender, Programme der großen zu bestimmten Zeiten zu übernehmen, ansonsten steht ihnen der Rest der Sendezeit zur freien Verfügung.

Die Lokalsender tragen Bezeichnungen aus vier Buchstaben. Östlich des Mississippi beginnt dieses Kürzel mit einem „W“, westlich des Mississippi mit einem „K“. Der Namen des Lokalsender gibt gleichzeitig den Kanal an, auf dem er – terrestrisch – zu empfangen ist, z.B. WCYB – Channel 5. US-Fernsehgeräte werden in der Regel so programmiert, dass auf dem Programmplatz auch tatsächlich der entsprechende Kanal (-Sender) erscheint (also erscheint auf Sendeplatz Nr. 5 des Fernsehers das Programm des Kanals 5 – anders als in Europa). Als Networks bezeichnet man folgende grundsätzlich landesweit empfangbare Fernsehgesellschaften: ABC (American Broadcasting Company, NBC (National Broadcasting Company), CBS (Columbia Broadcasting System), Fox (Fox Broadcasting Company), The WB (Warner Brothers), UPNUnited Paramount Network

Die beiden letztgenannten wurden von Filmstudios gegründet und sind terrestrisch noch nicht im ganzen Land verbreitet, jedoch landesweit über Kabel empfangbar (vgl. nachstehend). Die Networks senden per Satellit an die ihnen zugehörigen Lokalsender aus 3 Städten: New York, Denver und Los Angeles. Jede Lokalstation bezieht das Programm von der Sendestadt des Networks, die ihrer Zeitzone zugehörig ist. Ausgenommen sind die Sender der Central Time Zone, die ihr Programm von dem New Yorker Sender erhalten. Daher startet das Abendprogramm der Networks in jeder Zeitzone um 20 Uhr (8 p.m.), außer in der Zentral-Zeit-Zone, wo es um 19 Uhr (7 p.m.) beginnt (wegen der Versorgung aus New York ab dort 20 Uhr Ortszeit).

Damit sind wir beim Programmschema eines typischen Fernsehtages, das etwa wie folgt zusammen gefasst werden kann:

Uhrzeit Programm
7 – 9 Frühstücksfernsehen mit Nachrichten
9 – 17 Unterhaltung, insbesondere soap operas und game shows, insbesondere für Daheimgebliebene
17 – 20 Vorabendprogramm der Lokalsender mit örtlichen Nachrichten, erfolgreichen Serien usw.
18.30 30 Minuten Abendnachrichten der Networks ABC, NBC und CBS
20 – 23 „Prime Time“ der Networks mit Shows und Serien, keine Nachrichten
23.00 Lokal-Nachrichten, insbesondere auch Sportnachrichten
ab 23.30 Sendungen der Lokalsender. NBC und CBS senden die bekannten einstündigen Late-Night-Shows mit Conan O`Brien bzw. David Letterman.
Jubel vor dem Fernseher: Das Fernsehen erfreut die Amerikaner.

Jubel vor dem Fernseher: Das Fernsehen erfreut die Amerikaner.

Sendungen in der „Prime Time“ bestehen meist aus einstündigen Serien, halbstündigen Sitcoms oder Magazinen. Serien umfassen in der Regel 26 Folgen und laufen von September bis Mai. In den Monaten November und Februar entscheidet sich für Serien über die Einschaltquoten ihr weiteres Schicksal, daher laufen dann meist die neuesten und vermeintlich besten Serienteile (Zeit der „Sweeps“ – von swept away = weggefegt). Waren Shows einst das Privilieg der Networks, werden solche zwischenzeitlich auch von Lokalsendern gezeigt, und zwar auch dann, wenn sie für den landesweiten Einsatz produziert wurden (sog. syndication-tv; bekannteste Startserie dieser Art: Star Trek – The Next Generation).

Kabel-Fernsehen

Fast alle US-Haushalte verfügen zwischenzeitlich über Kabelanschluss und können 60 und mehr Kabelsender empfangen. Dabei handelt es sich um Spartensender zu jedem erdenklichen Thema, wie etwa CNN Domestic, MTV, VH1, BET usw. Dazu gehört auch PBS. Das Public Broadcasting Service bringt anspruchsvolles Programm ohne Werbung für 348 Sendestationen in fast allen Staaten, ist aber bei Hotel-Fernsehgeräten leider selten programmiert.

Über Kabel senden auch die sog. Superstations, Lokalsender ohne Bindung an ein Network. Ebenfalls über Kabel zu empfangen ist das Bezahl-Fernsehen (Pay-TV bzw. Pay-per-view). Bekannteste Pay-Tv-Sender sind HBO< (Home Box Office) und Cinemax, die in der Regel Kinofilme zeigen.

Kabelsender senden meist 24 Stunden am Tag rund um die Uhr. Als Spartensender werden Filmklassiker, Sport, Country, alte Serien usw. ausgestrahlt.

Satelliten-Fernsehen

Alle Kabelsender sind auch über Satellit empfangbar, jedoch häufig verschlüsselt und an einen Decoder gebunden. Frei zu empfangen sind die networkeigenen Lokalstationen und die Superstations.

Altersempfehlungen zu Fernsehsendungen

Wie bei Kinofilmen gibt es in den USA zu Fernsehsendungen Altersempfehlungen für Kinder. Die jeweilige Rating-Stufe wird zum Beginn der Sendung in der oberen linken Ecke des Fernsehbildes eingebledet. Die Empfehlungs-Stufen lauten:

TV-Y alle Kinder
TY-Y7 für Kinder ab 7 Jahren
TV-Y7-FV für Kinder ab 7 Jahren, aber mit Gewaltfantasien – fantasy violence
TV-G für alle Zuschauer
TV-PG Begleitung durch Eltern empfohlen
TV-14 nicht für Zuschauer unter 14 Jahren geeignet
TV-M nur für Erwachsene

Programmhinweise

Generell ist das Fernsehprogramm noch flacher als hierzulande und permanent durch Werbung unterbrochen. Bevorzugt werden "Soaps" gesendet (viele sind inzwischen auch aus hiesigen Programmen bekannt), weil sie ohne inhaltliche Folgen leicht mit Werbeblöcken gespickt werden können.

In den Nachrichtensendungen findet die Welt grundsätzlich nicht statt. Die Sendungen eröffnen mit den örtlichen Morden (Reporter stets vor Ort), führen weitere Verbrechen des Tages oder der Woche auf und haben ansonsten stark Lokalkolorit. Als Tourist sollte man ob dieser Hiobsbotschaften nicht verunsichert sein. Es ist wirklich "Tagesgeschäft" des Kriminalreports und Touristen sind in den seltensten Fällen das Ziel von Gewaltverbrechen. Wenn diese dann doch einmal geschehen, wird dies jeweils groß berichtet (auch bei uns!).

Wer Weltnachrichten sehen möchte, sollte auf die Programme von CNN International umschalten. Auch diese erreichen allerdings – von der Aktualität großer Ereignisse einmal abgesehen – kein „Tagesschau“- oder „Heute“-Niveau. Nützlich für die Reise ist z.B. der ‚Weather Channel‘, der rund um die Uhr Wetterberichte sendet. Einen Vorgeschmack auf das amerikanische „Fernseh-Feeling“ vermitteln zahlreiche im Internet Life oder als Konserve vertretene Sendungen (häufig religiösen Charakters). Entsprechende Links finden Sie auf der Internet-Seite Watch Internet TV from USA.

Weltweite Fernsehnormen

  • NTSC National Televion Standards Committee: Der älteste Fernsehstandard wurde in den USA entwickelt und erstmals 1954 eingesetzt, er ist auch heute noch gültig. Angezeigt werden 525 horizontale und 60 vertikale Linien.
  • SECAM – Système Électronique pour Couleur avec Mémoire: In Frankreich entwickelt und erstmals 1967 eingesetzt. Angezeigt werden 625 Linien vertikal und 50 Linien horizontal. Es gibt verschiedene Typen (B, D, G, H, K, N, M, K1, L), die untereinander nicht kompatibel sind.
  • PAL – Phase Alternating Line: In Großbritannien und Deutschland entwickelt und erstmals 1967 eingesetzt. Gezeigt werden 625 horizontale und 50 vertikale Linien. Auch hier gibt es verschiedene Typen (B, G, H, D, I, K, N, M), die untereinander nicht kompatibel sind.

In welchen Ländern welcher Fernsehstandard gilt, verzeichnet die Internetseite Television Standards by Country. Um amerikanische Video-Kassetten (in der NTSC-Norm aufgenommen) in Europa wiedergeben zu können, muss des sich beim verwandten Videorekorder und beim verwandten Fernsehgerät jeweils um Multistandardgeräte handeln, also um Geräte, die alle drei genannten Normen bzw. mindestens 2 beherrschen.

Johnny Carson

Der US-amerikanische Fernsehmoderator Johnny Carson gilt als Erfinder der Fernseh-Talkshow.

Der US-amerikanische Fernsehmoderator Johnny Carson gilt als Erfinder der Fernseh-Talkshow.

Der US-amerikanische Fernsehmoderator Johnny Carson gilt als Erfinder der Fernseh-Talkshow. Carson wuchs in Norfolk, Nebraska auf und diente von 1943 bis 1946 in der Navy. Im Anschluss daran bekam er einen Job beim Radio, den er später für Spielsendungen verließ. Bevor er Die Tonight Show übernahm, war er Moderator verschiedener Sendungen, darunter der Johnny Carson Show und der Spielsendung Who Do You Trust?. Von 1962 bis 1992 lief die „Tonight-Show“, mit der bis zu 60 Millionen Amerikaner zu Bett gingen. Im Laufe der Zeit begrüßte Carson rund 20.000 Prominente. Den Einfluss der Carsons belegt eine Äußerung im Jahr 1973, nach der in den USA ein Notstand an Toilettenpapier bevorstehe. Die Supermärkte wurden darauf hin gestürmt und die Artikel waren umgehend ausverkauft. 1992 wurde ihm die Medal of Freedom des US-Präsidenten verliehen. Johnny Carson starb am 23. Januar 2005 in Los Angeles (Kalifornien) an den Folgen eines Lungenemphysems.

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