26. Juli 2014

Dürre im Südwesten der USA führt zu Grundwasser-Verlust

Das Flussbecken des Colorado Rivers hat zwischen Dezember 2004 und November 2013 rund 65 Kubikkilometer Wasser verloren.

Bereits seit 14 Jahren leidet der Südwesten der USA unter einer rekordverdächtigen Dürre. Satellitendaten zeigen nun, dass die Grundwasser-Vorräte massiv angegriffen sind.

Die Aussagen von vielen Experten treiben den Amerikanern die Schweißperlen auf die Stirn: „Wir hatten angenommen, dass es ziemlich übel aussehen würde“, sagte Stephanie Castle, Spezialistin für Wasserressourcen an der University of California in Irvine. „Aber das ist schockierend.“ Satellitendaten zeigen, dass drei Viertel der riesigen Wassermenge, die das Flussbecken des Colorado Rivers in den letzten neun Jahren verloren hat, aus Grundwasser-Reservoiren stammten. Castle und ihre Kollegen schreiben im Fachblatt „Geophysical Research Letters“, dass das Flussbecken des Colorado Rivers zwischen Dezember 2004 und November 2013 rund 65 Kubikkilometer Wasser verloren hat. „Wir wissen nicht genau, wie viel Grundwasser noch übrig ist„, sagt Castle. „Deshalb kann auch niemand sagen, wann es verschwunden ist.“

Colorado River, Lake Powell und Lake Mead auf historischem Tiefstand

Um die aktuellen Erkenntnisse aufzudecken, nutzten die Forscher den Nasa-Satelliten „Grace“ (Gravity Recovery and Climate Experiment). Er funktioniert wie eine Waage und misst monatlich die Veränderungen der unterirdischen Wassermenge. Die seit 14 Jahren anhaltende Dürre sei „beispiellos seit dem Beginn der verlässlichen Aufzeichnungen im Jahr 1895“, heißt es im National Climate Assessment, dem offiziellen Klimabericht der US-Regierung. Der von US-Präsident Barack Obama im Mai vorgestellte Bericht zeigt, dass die Pegel vieler Stauseen, darunter die der gigantischen Reservoire Lake Mead und Lake Powell, auf historische Tiefststände gesunken sind.

Nicht ganz so einfach ist es hingegen, die aktuellen Grundwasserpegel herauszufinden. Denn anders als beim Wasserverlust der Stauseen, welcher zentral durch eine Bundesbehörde dokumentiert wird, sind für die Grundwasserentnahme die einzelnen Bundesstaaten verantwortlich. „Satelliten bieten die einzige Möglichkeit, ein so großes Gebiet zu erfassen“, sagt Nasa-Wissenschaftler Jay Famiglietti. Laut Famiglietti werden die Versorgungsprobleme im Südwesten der USA größer. Verstärkt werden sie von einer zurückgehenden Schneebedeckung der Hochlagen im Winter und eines starken Bevölkerungswachstums.

40 Mio. Menschen sind von den Vorräten des Colorado Rivers abhängig

Über Kanäle gelangt das Wasser des Colorado Rivers bis in die großen Städte Los Angeles, San Diego, Phoenix und Tucson. Durch die intensive Wasserentnahme ist das Flussbett an vielen Stellen bereits trocken.

Über Kanäle gelangt das Wasser des Colorado Rivers bis in die großen Städte Los Angeles, San Diego, Phoenix und Tucson. Durch die intensive Wasserentnahme ist das Flussbett an vielen Stellen bereits trocken.

Von den Wasservorräten des Colorado Rivers sind circa 40 Millionen Menschen und 16.000 Quadratkilometer Ackerland in sieben US-Bundesstaaten und sogar in Teilen Mexikos abhängig. Noch schlimmer: Das 20. Jahrhundert war im Südwesten der USA die niederschlagreichste Periode der vergangenen 1200 Jahre. Wie Baumring-Analysen zeigten, war es dort zuvor deutlich trockener als heute. Eine Studie zeigte, dass es zwischen den Jahren 850 und 1300 gleich zwei Megadürren über jeweils fast 200 Jahre gab. Sollte es wieder so eintreten, dann würden auch die harten Sparmaßnahmen, die inzwischen zum Beispiel in Las Vegas gelten, nicht mehr ausreichen. „Das“, sagte Castle der Nachrichtenagentur AP, „ist der beängstigende Teil der Analyse.“

Schon im Februar zeigte sich US-Präsident Obama besorgt: „Es ist eindeutig: Klimawandel bedeutet, dass Dürren, Waldbrände, Stürme und Hochwasser schlimmer werden und die Folgen teurer.“ Wetterexperten waren davon ausgegangen, dass das als El Niño bezeichnete, globale Wetterphänomen 2014 mehr Regen in die Krisengebiete in Kalifornien, Oregon, Nevada, Arizona und New Mexico bringen würde. Doch diese Hoffnung haben sie weitgehend aufgegeben.

17.000 Jobs sind in Gefahr

Auch der wirtschaftliche Schaden ist immens: So spricht eine Studie der Universität von Kalifornien von einem wirtschaftlichen Schaden von 2,2 Millarden Dollar – allein in diesem Jahr. Auch 17.000 Jobs sind in Gefahr, denn Ackerland ist vertrocknet – Lebensmittelpreise werden steigen. In Kansas wird sogar die schlechtes Ernte seit 25 Jahren prognostiziert.

Kalifornien wirkt mit Rationierungen und Sanktionen entgegen, so werden bald „drought officers“, Dürre-Polizisten, die Wassersündern nachspüren, erst ermahnen und im Wiederholungsfall Strafen von bis zu 500 Dollar aussprechen. Etwa 260 Liter pro Person und pro Tag sind amtlicherseits als Mindestbedarf für Duschen, Toilettenbenutzung, Zähneputzen und Kochen veranschlagt. Viele Hausbesitzer in Kalifornien setzen das ganze Jahr über Hunderte Liter obendrauf. Der Ausnahmezustand gilt für 270 Tage. Bleibt der Regen aus, wird er verlängert.

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