3. September 2014

Schießtourismus in den USA boomt: Kinder ballern mit Maschinenpistolen

Der Schießtourismus in den USA boomt: Immer mehr Touristen zieht es zu den Schießplätzen in den USA, sogar Kinder werden an die tödlichen Waffen herangelassen.

Der Schießtourismus in den USA boomt: Immer mehr Touristen zieht es zu den Schießplätzen, sogar Kinder werden an die tödlichen Waffen herangelassen.

Vor einigen Wochen berichteten wir darüber, dass die Kellnerinnen in einem US-Restaurant mit Waffen im Halfter bedienen. Schon nach dem angesprochenen Artikel gab es viel Kopfschütteln. Doch wie bizarr ist erst die nächste Meldung? Der Schießtourismus in den USA boomt. Aus allen Gebieten restriktiver Waffengesetze reisen die Touristen ein, um auf Schießplätzen rumzuballern. Egal ob Australien, Europa oder Asien, die Herkunft der Touristen ist unterschiedlich. Alle haben sie nur das Ziel Nevada und Arizona, denn dort gibt es die begehrten Schießplätze – und die dementsprechend laschen Waffengesetze. Sogar Kinder dürfen an die tödlichen Schusswaffen.

Die meisten Kinder in den USA wachsen mit Schusswaffen auf

Junggesellenabschiede und Hochzeitsfeiern finden auf den Schießplätzen der beiden US-Bundesstaaten statt. „Die Leute wollen hier die Erfahrungen machen, die sie zu Hause nicht machen können“, so Genghis Cohen, Betreiber von „Machine Guns Vegas“. Er tippt, dass nur circa 10 Prozent seiner Kunden Amerikaner sind.

Seit den 1980er-Jahren boomt der Markt vor allem rund um Las Vegas. In Nevada, dem Bundesstaat der Unterhaltungsmetropole, dürfen sogar Achtjährige mit Maschinenpistolen ballern, natürlich mit scharfer Munition. „Das ist ganz normal bei uns“, spielt Cohen das Thema runter. Doch leider hat er nicht ganz Unrecht. Denn in den USA wachsen viele Kinder in Haushalten auf, in denen Schusswaffen alltäglich sind. Die Unterweisung im Gebrauch von Schusswaffen gehört zum Erwachsenwerden dazu.

Und sind sie einmal Erwachsen, so wollen sie an die ganz großen Waffen. Zwar gilt in den meisten US-Bundesstaaten der Waffenbesitz als Grundrecht, doch leisten sich nur wenige Menschen die wirklich teuren Waffen. In den Schießplätzen hingegen kann man sich für unter 150 Euro austoben. Nette Pappkameraden werden hier durchlöchert – und zwar mit mehreren Waffen, von denen jede so viel kostet wie ein Mittelklassewagen. In Anlehnung an die Golfkriege werben viele Schießplätze mit „Desert Storm-Atmosphäre“. Um alles so authentisch wie möglich darzustellen, haben viele Betreiber Schützengräben in den Wüstensand gebuddelt.

Umdenken? Jein.

Die Schießplätze in den USA sollen so realistisch wie möglich eingerichtet sein. Nicht nur künstliche Schützengräben, sondern auch Soldatenuniformen prägen den Alltag in den Anlagen.

Die Schießplätze in den USA sollen so realistisch wie möglich eingerichtet sein. Nicht nur künstliche Schützengräben, sondern auch Soldatenuniformen prägen den Alltag in den Anlagen.

Immer wieder kommen aufgrund der gefährlichen Waffengesetze der USA Menschen ums Leben oder verletzen sich schwer. In der vergangenen Woche brachte der erfahrene Schießlehrer Charles Vacca einem neunjährigen Mädchen bei, mit einer Uzi-Maschinenpistole zu schießen. Der Rückstoß riss den Waffenlauf in die Höhe und Vacca wurde tödlich getroffen. Der Unfall ereignete sich in White Hills im US-Staat Arizona.

Sam Scarmondo, Betreiber des Parks in White Hills, sprach von einem Umdenken. Scarmondo überlege, Kinder ab sofort nicht mehr an die Waffen zu lassen. Er bedauert den Vorfall, sagt aber direkt und ohne Regung, dass der Lehrer selbst schuld sei. Cohen von „Machine Guns Vegas“ will an seinen Schießplätzen nun Haltesysteme installieren, die verhindern, dass der Rückstoß von kurzläufigen automatischen Waffen die Mündung anhebt. Selbst erfahrene Schützen seien davon immer wieder überrascht. Eine Debatte über eventuelle Schließungen von Schießparks in den USA gibt es allerdings nicht. Umdenken? Aha.

USATipps auf Facebook

Hotels für Ihre USA-Reise

Booking.com

USA-Reisen von Experten

Mietwagen für Ihre USA-Reise