14. Oktober 2015

Fotoblog „Humans of New York“ jetzt auch als Buch

Für seinen Blog „Humans of New York“ fotografiert Brandon Stanton seit fünf Jahren tagtäglich die Einwohner New Yorks. Jetzt erscheinen die besten Geschichten in einem Buch.

Für seinen Blog „Humans of New York“ fotografiert Brandon Stanton seit fünf Jahren tagtäglich die Einwohner New Yorks. Jetzt erscheinen die besten Fotos und die dazugehörigen Geschichten in einem Buch.

Im Jahre 2010 startete Brandon Stanton sein Projekt „Humans of New York“. Für den Fotoblog marschierte Stanton, ausgerüstet mit einer Kamera, durch die Weltmetropole New York. Sein Ziel war es, die Menschen der Stadt und ihre Geschichten abzubilden. Fünf Jahre später hat die Facebook-Seite fast 16 Millionen Likes, auf Instagram folgen der Seite immerhin vier Millionen Menschen, bei Twitter über 350.000. Nach und nach fügte Stanton seinen Fotos immer mehr Text hinzu, um einen Blick hinter die fotografierten Gesichter zu werfen. Manchmal haben die Menschen nicht viel zu erzählen und geben lediglich kleinere Bemerkungen ab. In anderen Fällen, wenn die Menschen ihre Lebensgeschichte erzählen, hört Brandon Stanton gebannt zu und veröffentlicht das Foto mit der dazugehörigen Geschichte in den sozialen Medien. Die besten Geschichten erscheinen jetzt in einem Buch – auch auf Deutsch.

Als Stanton gekündigt wurde, kaufte er sich eine Kamera und legte los

Auch berühmte Persönlichkeiten wie Barack Obama und Hillary Clinton kommentierten die Fotos auf der Facebook-Seite „Humans of New York“ bereits. Von den persönlichen Geschichten der fotografierten Menschen betroffen, nahmen sie herzergreifend daran teil und machten Brandon Stanton noch berühmter. Der 31-jährige Amerikaner sucht nach Menschen, die ihm spannend erscheinen und greift anschließend zu seiner Kamera. Sein Ziel ist es, so schreibt er, „einen Katalog mit New Yorks Bewohnern“ zu erstellen. Mit seiner ersten Buch-Veröffentlichung vor einem Jahr erreichte Stanton sofort Platz eins der „New York Times“-Bestsellerliste. Als Brandon Stanton 2010 seinen Job als Devisenhändler in Chicago verlor, nahm er es gelassen. Schließlich hatte er in den drei Jahren in Chicago gutes Geld verdient. Er kaufte sich eine Kamera und begann zu reisen: Philadelphia, New York, New Orleans. New York begeisterte ihn so sehr, dass er dort blieb und Porträts von den Menschen auf der Straße schoss. Eigentlich wollte er „nur“ 10.000 Fotos machen und diese auf einer Karte der Stadt katalogisieren lassen. Doch als er begann, mit den Protagonisten zu sprechen, kam ihm die Idee zu „Humans of New York“.


"He likes when I give him hugs."

Ein von Humans of New York (@humansofny) gepostetes Foto am


„Humans of New York“ fokussiert sich auf Wesentliches

Ein Jahr, nachdem er seine Facebook-Seite gründete, veröffentlichte Stanton nicht nur die gemachten Bilder. Vielmehr fügte er hinzu, was ihm die Menschen erzählten. Manche sprechen über Allgemeines, andere über erschütternde Erfahrungen. Brandon Stanton fragt die Passanten nach dem Existenziellsten. Nach ihrer Situation in der Liebe, nach ihrem Job, nach ihren Ängsten und ihren Hoffnungen. Er fragt kleine Kinder, Rentner und alles dazwischen. Und genau das ist das Interessante von „Humans of New York“. In der Welt der sozialen Medien, in der Stars und Sternchen nicht müde werden, Fotos teurer Accessoires, Autos und anderer Wertgegenstände zu posten, sind Stantons Bilder eine willkommene Abwechslung.

Beide Bänder der Buchreihe „Humans of New York“ sind bei Amazon erhältlich:

Menschen in New York: Gesichter einer Stadt
Erscheinungsdatum: 13. Oktober 2014
hier zu erwerben
Humans of New York: Die besten Storys
Erscheinungsdatum: 13. Oktober 2015
hier zu erwerben

“My mother died when I was two years old, so it’s just me and my father. He’s been really angry with me lately. He’s always wanted me to be an engineer like him, but I switched my major to photography. He didn’t’ show any emotion when I told him. He always has a poker face. But I know that he’s angry from the little things. He never asks me to go shopping with him anymore. We used to go to the market together. He’d pick up a watermelon, inspect it, then would hand it to me for my opinion. It doesn’t sound like much but I really valued that time together. But once I changed my major, he stopped asking me to come along. But I think things are getting better. Recently I scored in the top 5th percentile on the University Entrance Exam for photography. When I told my father, he didn’t show any emotion. But the next day he asked me if I wanted to go shopping. And that made me so happy. Because it’s just the two of us. And I really, really, really, really love him.” (Tehran, Iran)

Ein von Humans of New York (@humansofny) gepostetes Foto am


„Lasst uns ihm einen neuen Klapptisch besorgen!“

Die Texte, die er in den sozialen Medien unter seinen Fotos veröffentlicht, sind keine langatmigen Romane. Sie sind als kleine Häppchen portioniert, gut lesbar und ohne viel Zeitinvestition zu konsumieren. Denn das ist es ja oft, was uns vom Konsum interessanter Texte abhält. Die Leser erkennen diesen Mehrwert und bedanken sich auf ihre eigene Weise. Ein Foto eines Obdachlosen, dem sein Klapptisch gestohlen wurde, bekam mehr als 200.000 Likes. Unter den circa 5.000 Kommentaren findet sich auch folgender: „Ich habe eine Rückwärtssuche der Faxnummer im Hintergrund gemacht. Dieser Mann sitzt an der Ecke 400 East und 9. Straße, in der Nähe des Line Market. Lasst uns ihm einen neuen Klapptisch besorgen!

Immer wieder zeigen sich die Fans von „Humans of New York“ empathisch und greifen ein, wenn Hilfe benötigt wird. Derzeit spenden sie per Crowdfunding etwas an die „Mott Hall Bridges Academy“, einer Schule in Brownsville, Brooklyn, in der Region mit der höchsten Kriminalitätsrate in der gesamten Stadt. Nach einer Stunde wurden die geplanten 100.000 Dollar erreicht. Mehr als eine Millionen Dollar kamen letztlich zusammen.


"He tried to take a social studies test for me once. But we got caught because he wrote his own name." (Chalus, Iran)

Ein von Humans of New York (@humansofny) gepostetes Foto am


Über 10.000 Fotos hat Brandon Stanton bisher veröffentlicht. Und damit ist in der 8,5-Millionen-Einwohner-Metropole wohl noch lange nicht Schluss. Der aus einem Vorort von Atlanta in Georgia stammende Stanton ist allerdings nicht nur auf New York fixiert. Derzeit ist er in Europa unterwegs, um Flüchtlinge zu porträtieren und ihr Leiden zu erzählen. Zuletzt fotografierte Stanton eine Frau aus Bagdad, die am Wiener Hauptbahnhof erzählte, wie ihr Vater von einer Bombe getötet wurde, als sie 15 war. Auch erzählte sie von dem Moment, in dem sie den offenen Schädel ihres Vaters sah.

Manche dieser Geschichten, auch wenn sie schwer verdaulich sind, zeigen uns, was im Leben wirklich wichtig ist. Fakt ist: Liebe, Zuneigung und Anteilnahme gehören dazu. Das zeigt Brandon Stanton auf eine atemberaubende Art und Weise.

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