16. Oktober 2015

New Yorker Restaurants schaffen Trinkgeld ab

Da in Europa weniger Trinkgeld gezahlt wird, kommt es oft zu Stunk. Gastronom Danny Meyer will in seinen 13 New Yorker Restaurants das Trinkgeld streichen.

In europäischen Restaurants wird deutlich weniger Trinkgeld gezahlt, als in amerikanischen Restaurants üblich. Daher kommt es in den USA immer wieder zu Irritationen. Stargastronom Danny Meyer will sich dem Problem nähern und in seinen 13 New Yorker Restaurants das Trinkgeld abschaffen.

Die Debatte um das Trinkgeld in den USA ist allgegenwärtig. Immer wieder kommt es zu Irritationen zwischen Europäern und Amerikanern. Warum? Ganz einfach. Zum Beispiel rät selbst der Knigge in Deutschland zu einem Trinkgeld zwischen 5 und 10 Prozent. In ganz Europa sind rund 10 Prozent Trinkgeld gang und gäbe. Doch kaum überquert man den großen Teich, sieht die Situation gänzlich anders aus. Wie auch auf unserer Trinkgeld-Seite beschrieben, wird in den USA erwartet, dem Kellner zwischen 15 und 20 Prozent Trinkgeld zu überlassen. In Deutschland heißt es laut § 107 Abs. 3 der Gewerbeordnung von 2005:

  • „Trinkgeld ist ein Geldbetrag, den ein Dritter ohne rechtliche Verpflichtung dem Arbeitnehmer zusätzlich zu einer dem Arbeitgeber geschuldeten Leistung zahlt.“

Bei solchen Klauseln schütteln die Amerikaner echauffiert mit dem Kopf. Denn im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind 20 Prozent „tip“ üblich. 15 Prozent bei schlechtem Service, bis zu 25 bei sehr gutem Service.

Für den Kellner ist das Trinkgeld mehr als nur ein Bonus

Der 57-jährige Danny Meyer möchte in seinen 13 New Yorker Restaurants das Trinkgeld abschaffen. Foto: Wikipedia, January

Der 57-jährige Danny Meyer möchte in seinen 13 New Yorker Restaurants das Trinkgeld abschaffen. Foto: By Financial Times [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

In den USA ist das Trinkgeld mehr als nur ein kleiner Bonus. Der „tip“ ist ein wichtiger Teil des Lohns der Kellner. Allein schon deshalb, weil für sie der gesetzliche Mindestlohn von 7,25 Dollar pro Stunde nicht greift. Einige New Yorker Restaurants, darunter die des Stargastronomen Danny Meyer, möchten das Trinkgeld nun abschaffen.

Ohne den „tip“ fänden sich Europäer in den USA definitiv deutlich besser zurecht. Bei US-amerikanischen Kellnern genießen sie nämlich keinen guten Ruf. Denn wir Europäer sind dafür bekannt, beim Trinkgeld geizig zu sein. Nicht selten rechnen Kellner in den USA ihren Zuschlag gleich in die Rechnung ein, wenn sie bemerken, dass sich am Tisch Europäer befinden. Nun geht Danny Meyer, New Yorks Vorzeigegastronom voran. Wie die „New York Times“ berichtet, möchte Meyer das Trinkgeld in seinen 13 Restaurants abschaffen. Warum das in den USA offensichtlich als richtig empfunden wird, darauf hat die gleiche Zeitung am nächsten Tag eine Antwort parat. „Meyers Bekanntgabe zeigt, dass er die Auswirkungen des Trinkgelds kapiert hat“, feiert man seinen Entschluss. Doch dass Meyers Speisen ab sofort um 25 Prozent teurer werden, das hat keiner erwähnt.

Meyers Unternehmen serviert 40.000 bis 50.000 Gerichte pro Woche

Sein Unternehmen, die Union Square Hospitality Group mit 1.800 Mitarbeitern, möchte stattdessen höhere Menüpreise aufrufen. Sein Hintergedanke? Manche sagen: Mehr Geld machen. Andere sagen: Fairness fördern. Denn mittelfristig wird der Mindestlohn in New York City für Küchenmitarbeiter von 11,75 auf 15,25 US-Dollar pro Stunde steigen. Bei Fast Food werden es 15 Dollar sein. Um die Gerechtigkeit zwischen Küchen- und Service-Mitarbeitern langfristig aufrecht zu erhalten, handelt Meyer nun. Das ist zumindest die Interpretation des Mannes, dessen Restaurants insgesamt 40.000 bis 50.000 Gerichte pro Woche servieren. Meyer mahnt: „Das Gehalt der Küchenkräfte ist in den vergangenen 30 Jahren um 25 Prozent gewachsen, das derjenigen im Restaurant um 200 Prozent.“ In Amerika ist es verboten, die Trinkgelder auch mit dem Küchenpersonal zu teilen. Das Fachmagazin „New York Eater“ hat die Probleme kurz und bündig zusammengefasst: Ein Koch verdient in New York durchschnittlich 35.000 Dollar im Jahr. Ein Kellner dagegen 40.000.

Test im „Modern“ im „Museum of Modern Art“

Im Restaurant „Modern“ im „Museum of Modern Art“ in New York möchte Meyer sein Vorhaben zunächst testen. Foto: themodernnyc.com

Im Restaurant „Modern“ im „Museum of Modern Art“ in New York möchte Meyer sein Vorhaben zunächst testen. Foto: themodernnyc.com

Da Danny Meyer allerdings der New Yorker Trendsetter der Gastronomie schlechthin ist, werden sich etliche Nachahmer finden. Und das, obwohl er nicht der erste gastronomische Fan des „Zero-Tippings“ ist. Einige Restaurants in New York City und auch in San Francisco haben Ähnliches gewagt. Manche berichteten von steigenden Umsätzen und zufriedenen Mitarbeitern, andere machten aufgrund einiger Verluste schnell eine Rolle rückwärts. Auch Meyer ist sich nicht sicher, ob sein Konzept funktioniert. Daher testet er sein Vorhaben bereits ab November in einem seiner 13 New Yorker Restaurants. Und zwar im Restaurant Modern im „Museum of Modern Art“. Klappt der Test, möchte Meyer das Konzept spätestens im Februar 2016 auf all seine Restaurants ausweiten.

Danny Meyer geht ein hohes Risiko ein. Zum einen muss er neben dem Kompensieren der Trinkgeldausfälle auch noch weitere Kosten tilgen. Weil Meyer mit seiner neuen Regelung mehr Gehalt an seine Mitarbeiter zahlen muss, sind auch deutlich mehr Steuern fällig. Experten schätzen die Zusatzkosten des Stargastronomen auf eine Million bis 1,5 Millionen Dollar. Dazu kommen die aufgrund der höheren Rechnungen steigenden Kreditkartengebühren und die an den Umsätzen beteiligten Restaurantpachten. Das kann teuer werden, Herr Meyer.

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