6. Februar 2015

US-Amerikaner nach Masern-Ausbruch beängstigt

Weil viele Kinder immer noch nicht geimpft sind, wird die Masern-Epidemie in den USA immer größer. Die amerikanische Seuchenkontrollbehörde CDC befürchtet Schlimmeres.

Weil viele Kinder immer noch nicht geimpft sind, wird die Masern-Epidemie in den USA immer größer. Die amerikanische Seuchenkontrollbehörde CDC befürchtet Schlimmeres.

Im Disneyland in Kalifornien fing alles an: Im vergangenen Dezember besuchte eine ungeimpfte Frau den Freizeitpark und steckte dabei andere Besucher und fünf Disneyland-Angestellte mit den Masern an. Noch vor der Diagnose flog die Frau über Neujahr nach Seattle, wo nun weitere Masern-Fälle bekannt wurden. Im gleichen Zeitraum verbreiteten sich die Masern bis hin zur Ostküste. Nun erkrankten fünf Säuglinge in einem Kindergarten in der Nähe von Chicago.

Sogar Tom Frieden ist überrascht. Frieden arbeitet beim „Centers for Disease Control and Prevention“ (CDC; deutsch Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention) und ist als Direktor oberster Seuchenschützer der USA. Dem Fernsehsender CBS sagte er nun: „Die Krankheit ist bei uns eigentlich seit 15 Jahren besiegt. Alle Neuerkrankungen kamen von Menschen, die außerhalb des Landes gereist waren.“ Im Anschluss legt er den Finger in die Wunde: „Was wir allerdings sehen, ist eine kleine, aber wachsende Zahl von Menschen, die nicht geimpft sind. Vor allem unter jungen Erwachsenen steigt die Zahl derer, die sich nicht impfen lassen, und das macht uns verletzlich.“ Viel zu wenig Amerikaner sind geimpft – Und es werden immer weniger.

Was sind Masern eigentlich?

Wie eine Grafik der Zeitung 'Die Welt' zeigt, gab es in den USA im laufenden Jahr bereits 102 Fälle von Masern. Foto: Infografik Die Welt

Wie eine Grafik der Zeitung ‚Die Welt‘ zeigt, gab es in den USA im laufenden Jahr bereits 102 Fälle von Masern. Foto: Infografik Die Welt

Zwar sind uns viele in den USA auftretende Krankheiten bekannt, die wir in unserer Rubrik Gesundheit näher erläutern. Doch haben auch wir nicht mit einer Masern-Epidemie rechnen können. Allein im Jahr 2015 wurden bereits 102 Infektionen in 14 verschiedenen Bundesstaaten gemeldet. Zum Vergleich: Im ganzen vergangenen Jahr gab es in den USA „nur“ 644 Fälle von Masern. Um die Jahrtausendwende herum waren noch so wenig Menschen erkrankt, dass das Land für masernfrei erklärt wurde.

Masern zählen zu den Viruserkrankungen und werden durch Tröpfchen, also bei engem Kontakt übertragen. Der gegenüber Licht, Hitze und Desinfektionsmittel empfindliche Erreger kann sich sogar an andere Menschen übertragen, die sich mit dem Infizierten in einem Raum befinden. Auch kann sich ein Kind anstecken, wenn es die Luft in einem Raum einatmet, in dem eine kranke Person in den vergangenen zwei Stunden geniest oder gehustet hat. Masern gehörten zu den typischen Kinderkrankheiten, befallen jedoch auch Jugendliche und Erwachsene. Bei 30 Prozent der Infizierten treten Komplikationen auf, zwei von 1000 erkrankten Kindern sterben. Ebenfalls circa zwei entwickeln eine Enzephalitis, also eine Entzündung des Gehirns, die zu Anfällen oder Entwicklungsverzögerungen führen kann.

In den meisten Bundesstaaten der USA können öffentliche Schulen nur mit einer Impfbescheinigung besucht werden, wohingegen viele Kindergärten auf diese Bescheinigung verzichten. Laut Statistik sind 92 Prozent aller Kinder gegen mehrere Krankheiten geimpft. Doch immer wieder brechen regionale Epidemien aus. Das liegt vor allem daran, dass viele Eltern ihre Kinder nicht mehr impfen lassen wollen. Aus Angst vor Nebenwirkungen. Dabei wäre der Schaden durch Masern-Infektionen meist weitaus größer als der, welcher durch Impfschäden auftreten könnte. Das Wohl der Allgemeinheit verlangt die Impfung möglichst vieler Kinder und könnte die USA in Zukunft vor Masern-Epidemien bewahren.

Warum werden viele Kinder nicht geimpft?

Einige Amerikaner glauben jedoch nach wie vor an die bereits widerlegte Studie des Briten Andrew Wakefield. Der Gastroenterologe behauptete 1998 im Medizinerjournal „Lancet“, dass Impfungen zu Autismus führen können. Inzwischen weisen Experten seine Studie als „völlig falsch“ zurück. 2010 zog die Zeitschrift die Analyse zurück, weil sich herausstellte, dass der Brite Forschungsergebnisse gefälscht hatte. Er verlor seine Lizenz. Auch die Statistik widerspricht den irren Thesen Wakefields: Laut der Weltgesundheitsorganisation hat die Masernimpfung weltweit zwischen 2000 und 2008 etwa 13,8 Millionen Menschen das Leben gerettet.

Für US-Amerikaner ist Freiheit ein hohes Gut. Schließlich sind die USA das „land of the free„, so heißt es zumindest in ihrer Nationalhymne. Für immer mehr Menschen in den USA gehört zu dieser Freiheit, selbst entscheiden zu können, ob sie ihre Kinder impfen lassen. Das hat schlimme Folgen: 90 Prozent aller ungeimpften Personen, die mit dem Erreger in Kontakt kommen, infizieren sich. Dabei gilt Kalifornien als das Epizentrum der Masern. Kinderärzte berichten, in bestimmten Regionen seien etwa nur noch 50 Prozent der unter Dreijährigen dagegen geimpft. Eigentlich gilt in den USA für Kindergarten-Kinder ab dem Alter von drei Jahren ein Impfzwang. Doch Kalifornien ist einer der Staaten, die den Bürgern erlauben, die Impfung aus moralischen oder persönlichen Gründen zu verweigern.

Auch trägt Schauspielerin und Buchautorin Jenny McCarthy weiterhin immens zur Skepsis der Amerikaner gegenüber Impfungen bei. Seit vielen Jahren behauptet sie, ihr Sohn sei nach seiner Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln zum Autisten geworden. Ihre Geschichte weckt bei vielen Eltern Ängste. Doch dass dies überhaupt möglich ist, hatte der Kinderarzt Ulrich Heininger 2010 im SPIEGEL als „Mythos“ bezeichnet, der auf einer einzigen fehlerhaften Studie basiere. „In zahllosen Folgestudien konnte der Zusammenhang nie wieder belegt werden„, so Heininger damals.“

Nur 53 Prozent aller Amerikaner glauben, Impfungen seien sicher

Glaubt man vielen Wissenschaftlern, so sei die Zahl der Impfgegner in den USA auch deshalb angestiegen, weil viele Krankheiten bereits Jahrzehnte ausgerottet seien. Nur noch wenige erinnern sich an die Bilder der Polio-Patienten Ende der 1970er-Jahre, die nur noch mit Hilfe einer eisernen Lunge atmen konnten. Laut einer Umfrage glauben sogar nur noch 53 Prozent aller US-Amerikaner, dass Impfungen sicher seien. Gegen diese Skepsis möchten nun auch einige Politiker etwas unternehmen.

 

Hillary Clinton meldete sich per Twitter zu Wort und schrieb: „Die Wissenschaft ist eindeutig. Die Erde ist rund. Der Himmel ist blau und Impfungen wirken. Schützt unsere Kinder #Großmütterwissenesambesten.

Auch US-Präsident Barack Obama hat sich in die Debatte eingeschaltet: „Wir haben das ein ums andere Mal studiert. Es gibt jeden Grund, sich impfen zu lassen. Und keinen, es nicht zu tun.

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