18. März 2015

USA gehen Giftspritzen für Todesstrafe aus

Den USA gehen die Giftspritzen aus, weil europäische Pharmakonzerne die Todesstrafe boykottieren. Jetzt soll eine alte Methode Abhilfe schaffen: das Erschießungskommando.

Den USA gehen die Giftspritzen aus, weil europäische Pharmakonzerne die Todesstrafe boykottieren. Jetzt soll eine alte Methode Abhilfe schaffen: das Erschießungskommando.

Seit geraumer Zeit experimentieren die USA mit neuen Giftcocktails. Doch diese brachten den Verurteilten quälend lange Todeskämpfe. Da die Giftspritzen also derzeit keine Option darstellen, feilen die Vereinigen Staaten nun an einer altbewährten Lösung: Das Erschießungskommando soll her. Im Jahre 2010 sollte Ronnie Gardners Tod eigentlich die letzte Hinrichtung durch ein Erschießungskommando in der US-amerikanischen Geschichte sein. Da den US-Behörden die Chemikalien für ihre Giftspritzen ausgehen, könnten sich solche Hinrichtungen bald wiederholen.

32 von 50 Bundesstaaten haben die Todesstrafe

Immer wieder stoßen die USA mit ihrer Todesstrafe auf Widerstand. 32 der insgesamt 50 US-Bundesstaaten haben die Todesstrafe, die meisten nutzen eine Giftspritze. Doch zum einen beschränkt die EU die Ausfuhr von Substanzen für Giftcocktails, zum anderen stellen sich viele Hersteller quer. Das Natrium-Thiopental, ein Betäubungsmittel, ist nur beschränkt zu bekommen. Als Ersatz greifen viele Bundesstaaten auf Pentobarbital zurück. Doch der dänische Hersteller weigert sich, es für Hinrichtungen in die USA zu liefern. Bei einem weiteren möglichen Ersatz, dem Narkosemittel Propofol, gibt es Widerstand vom deutschen Hersteller Fresenius.

Daher gehen vielen Staaten nun die Mittel aus. In Texas wurde kürzlich bereits die vorletzte Dosis verwendet. Aufgrund dieser Knappheit improvisierten die US-Behörden mit anderen Giftcocktails, die in den meisten Fällen zum qualvollen Tod des Verurteilten führten. Bei einem Mann in Arizona dauerte der Todeskampf fast zwei Stunden. Angesichts dieser Geschehnisse gibt es Bestrebungen, Methoden aus vergangenen Tagen wiederzubeleben. In Alabama stimmte das Unterhaus kürzlich für die Wiedereinführung des elektrischen Stuhls, in Utah, Wyoming und Arkansas wird der Einsatz von Erschießungskommandos diskutiert. Oklahoma erlaubt diese bereits, aber nur wenn das Gericht den Einsatz der Giftspritze untersagt. In Louisiana ist die Gaskammer eine Alternative.

„Der humanste Weg, jemanden hinzurichten“

Außer den USA erlauben noch 54 weitere Länder Hinrichtungen durch Erschießung, das besagen Daten der Death Penalty Worldwide. Wie die Gruppe herausfand, ließen davon im letzten Jahrzehnt nur neun Länder Häftlinge durch Erschießungskommandos töten.

Außer den USA erlauben noch 54 weitere Länder Hinrichtungen durch Erschießung, das besagen Daten der Death Penalty Worldwide. Wie die Gruppe herausfand, ließen davon im letzten Jahrzehnt nur neun Länder Häftlinge durch Erschießungskommandos töten.

Der Senat in Utah stimmte kürzlich für einen Gesetzesentwurf, der die Wiedereinführung von Hinrichtungen durch Erschießen vorsieht, sollten Engpässe bei den Substanzen für die Giftspritze auftreten. Ob Gouverneur Gary Herbert das Gesetz tatsächlich in Kraft treten lässt, ist noch offen. Geplant ist es, die Erschießung dann zu erlauben, wenn 30 Tage vor dem Hinrichtungstermin keine Giftspritze verfügbar ist. Der Gesetzesentwurf wurde bereits politisch diskutiert. Dabei waren die Abgeordneten mehrheitlich dafür, nur der Fraktionsführer der Demokraten nannte das geplante Gesetz barbarisch. Der republikanische Abgeordnete Paul Ray, von dem der Vorschlag kommt, ist davon überzeugt, dass das geplante Gesetz „der humanste Weg sei, jemanden hinzurichten.“

Noch im Jahre 2004 wurde das Erschießungskommando verboten. Damals begründeten die Abgeordneten die Entscheidung damit, dass die Erschießung zu viel Medieninteresse auf sich ziehe und die Aufmerksamkeit den Tätern und nicht den Opfern gelte. Bis zu diesem Verbot konnten die Häftlinge selbst wählen, welche Hinrichtungsart sie bevorzugen. Auch jetzt sitzen in Utah noch drei Häftlinge im Todestrakt, die damals das Erschießungskommando gewählt hatten. Sobald sie alle Rechtsmittel ausgeschöpft haben, könnten sie auch auf diese Weise hingerichtet werden. Sollte es so kommen, dann werden die Schützen aus freiwilligen Polizisten ausgewählt. Zunächst frage man Personen aus der Gegend, in der das Verbrechen passiert sei. „Wir hatten immer mehr Freiwillige als Plätze,“ so Ray.

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