Meistgeteilter Facebook-Post: Brief an Trump

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Brandon Stanton, der Betreiber des Blogs „Humans of New York“, hat einen offenen Brief an Donald Trump auf Facebook gepostet. Dieser ist mittlerweile der meistgeteilte Beitrag aller Zeiten.

Inhaltsverzeichnis
Donald Trumps umstrittener Wahlkamp | Deutsche Übersetzung des offenen Briefs an Donald Trump | Das Original des offenen Briefs

Der US-Wahlkampf ist in vollem Gange. Diese Tatsache nutzt Donald Trump regelmäßig zu skurrilen Äußerungen. Der Betreiber des Blogs „Humans of New York“, über den wir bereits vor wenigen Monaten berichteten, hat dies zum Anlass genommen, einen offenen Brief an den Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu schreiben. Inzwischen ist der Beitrag bei Facebook der meistgeteilte Post aller Zeiten. Derzeit hat der bewegende Beitrag mehr als 2,2 Millionen Likes und wurde 1,1 Millionen Mal geteilt: Rekord für das soziale Netzwerk. In dem offenen Brief mit rund 300 Worten geht der New Yorker Fotograf Brandon Stanton ins Eingemachte: „Der Hasserfüllte sind Sie“, schrieb Stanton, der im Jahre 2010 mit seinem Blog „Humans of New York“ bekannt wurde.

Donald Trumps umstrittener Wahlkamp

Dabei betont Stanton, normalerweise nicht so politisch zu sein. Es sei ihm aber nun klar geworden, dass man Gewalt und Vorurteilen entgegentreten müsse. „Mir ist klar geworden, dass es keine politische Entscheidung ist, Ihnen entgegenzutreten. Es ist eine moralische.“ Komischerweise hat der an einen Giftzwerg erinnernde Donald Trump viele Befürworter in den USA. Doch das gilt auch für Brandon Stanton. Mit seiner Facebook-Seite „Humans of New York“ hat er bereits über 17 Millionen Likes gesammelt. Grundsätzlich wollte Stanton auf den richtigen Moment warten, um den offenen Brief zu veröffentlichen. Doch nun habe er verstanden, dass der richtige Moment dafür immer das Jetzt ist. Seine Beobachtungen zeigen, wie Trump rassistische Lügen verbreitet und Gewalt verherrlicht. Es ist eben auch die Empathie, welche einen Politiker zu einem guten Präsidentschaftskandidaten macht. Leider ist Stanton kein Politiker. Für seine Seite fotografiert und interviewt er Menschen aus New York. Stanton fügt den Bildern eine persönliche Geschichte der Menschen oder einfach nur Zitate hinzu.

Wie umstritten Donald Trump ist, zeigt auch der Kommentar eines Inders, der dafür 200.000 Likes erhalten hat: „In jeder anderen Gegend der Welt fragen wir uns, wie er überhaupt so viele Stimmen bekommen kann“.

Deutsche Übersetzung des offenen Briefs an Donald Trump

Mister Trump,

Ich gebe mein Bestes, unpolitisch zu bleiben. Interviews mit mehreren Ihrer Mitkandidaten habe ich abgelehnt. Ich wollte keine persönlichen Sympathien aufs Spiel setzen, indem ich den Anschein erwecke, in einem hitzigen Wahlkampf Partei zu ergreifen. „Vielleicht ist es kein gutes Timing“, dachte ich. Doch nun merke ich, dass es keinen perfekten Moment gibt, sich gegen Gewalt und Vorurteile zu stellen. Es gilt, dies zu jeder Zeit zu tun. Denn gemeinsam mit Millionen Amerikanern bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass der Widerstand gegen Sie keine politische Frage mehr ist, sondern eine der Moral.

Ich habe beobachtet, wie Sie rassistische Bilder auf Twitter weitergeteilt haben. Ich habe beobachtet, wie Sie dort rassistische Lügen weitergeteilt haben. Ich habe beobachtet, wie Sie 48 Stunden gebraucht haben, bis Sie sich von der Äußerung distanziert haben, die weiße Rasse sei den anderen überlegen. Ich habe beobachtet, wie Sie fröhlich zu Gewalttaten aufgerufen haben, und versprochen haben, die Prozesskosten derer zu übernehmen, die in Ihrem Namen Gewalttaten verüben. Ich habe beobachtet, wie Sie sich für Folter und für die Ermordung der Familien von Terroristen eingesetzt haben. Ich habe beobachtet, wie Sie launige Geschichten davon erzählt haben, wie Muslime mit Kugeln erschossen werden, die in Schweineblut getaucht sind. Ich habe beobachtet, wie Sie Flüchtlinge mit „Schlangen“ verglichen haben und behauptet haben, der „Islam hasst uns“.

Ich bin Journalist, Mister Trump. Und während der vergangenen beiden Jahre habe ich ausgiebige Interviews mit Hunderten Muslimen geführt, die ich zufällig im Iran, Irak und in Pakistan auf der Straße ansprach. Ich habe außerdem Hunderte syrische und irakische Flüchtlinge in sieben verschiedenen Ländern interviewt. Und ich kann bestätigen: Sie sind der Hasserfüllte.

Diejenigen unter uns, die aufgepasst haben, werden Ihnen keinen Image-Wechsel durchgehen lassen. Sie sind kein „Vereiniger“. Sie sind nicht „präsidial“. Sie sind kein „Opfer“ der Wut, die Sie über Monate hinweg gut gelaunt angestachelt haben. Sie sind ein Mann, der Vorurteile und Gewalt geschürt hat, weil es ihm um die eigenen Machtambitionen geht. Und auch wenn sich Ihre Wortwahl zweifellos über die nächsten Monate verändern wird, werden Sie immer der bleiben, der Sie sind.

Das Original des offenen Briefs

An Open Letter to Donald Trump:Mr. Trump,I try my hardest not to be political. I’ve refused to interview several of…

Posted by Humans of New York on Montag, 14. März 2016