Gewagt, gewagt: Riskante Spontanheirat in Las Vegas

Mehr als einen gültigen Reisepass und 80 US-Dollar braucht es nicht, um in Las Vegas heiraten zu können. Allerdings sollten Sie sich bei spontanen Hochzeiten über die Konsequenzen im Klaren sein.

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Rentenversicherung stellte Zahlungen ein | Rückzahlung in Höhe von 150.000 Euro



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Mal eben kurz nach Las Vegas und dort den Bund der Ehe schließen. Das wäre eigentlich noch eine verdammt organisierte Version der beliebten Hochzeit in der Stadt des Glücksspiels. Aber wer spontan dazu ermutigt wird, der lässt sich eventuell auf schlimme Konsequenzen ein. Und das, obwohl die Wedding-Chapels in der größten Stadt des US-Bundesstaates Nevada so idyllisch, schön und ungefährlich aussehen.

Rentenversicherung stellte Zahlungen ein

Aufgrund einer solchen Hochzeit strich nämlich nun das Sozialgericht Stuttgart einer Frau aus Baden-Württemberg die Leistungen (Az.: S 21 R 7242/14). Seit 1996 bezog die heute 73 Jahre alte Rentnerin eine Hinterbliebenenrente, welche sie eigentlich bis zum Lebensende beanspruchen wollte. Doch im Jahr 2003 heiratete sie ihren neuen Lebensgefährten in Las Vegas. Aus einer Sektlaune heraus ließ sich das Paar in der Wüstenstadt trauen. Als die Rentenversicherung der Frau im Jahr 2014 von der Heirat in Las Vegas erfuhr, stellte sie die Zahlungen ein. Infolgedessen ging die 73-jährige Rentnerin vor Gericht. Denn immerhin sollte sie über 70.000 Euro zurückzahlen. Dieser Wert entspricht dem Betrag, welchen sie seit dem Zeitpunkt der erneuten Heirat kassiert hatte.

Die auch als Spaß-Ehe bekannte Hochzeit in Las Vegas ist nämlich alles andere als ein Spaß. Und das, obwohl die Rentnerin genau davon ausging. Wie das Sozialgericht allerdings argumentierte, ist eine Ehe, die in den USA zu den dort üblichen Bedingungen geschlossen werde, auch in Deutschland gültig. Aufgrund der erneuten Heirate hat die Frau ihren Anspruch auf Witwenrente verwirkt. Allerdings hatte die Frau Glück im Unglück. Denn das Gericht ließ Gnade walten und verzichtete auf die Rückzahlung der 70.000 Euro. Denn die wäre nur fällig geworden, wenn die Witwe die Rentenversicherung grob fahrlässig nicht über die neue Heirat informiert hätte. Der Richter glaubte ihr.

Rückzahlung in Höhe von 150.000 Euro

Anders lief es im letzten Herbst vor dem Berliner Sozialgericht (Az.: S 105 R 6718/14). In den 90er-Jahren zog eine Rentnerin nach dem Tod ihres Mannes nach Kalifornien. Auch sie heiratete in den USA erneut und argumentiert vor Gericht, dass die Ehe ihres Wissens in Deutschland gar nicht wirksam sei. Auch hier war dieser Glaube ein Trugschluss. Die Ehe sei beurkundet und nach kalifornischem Recht – und daher auch nach deutschem Recht – gültig, so das Gericht. Darüber hinaus machte die Frau auf den Richter nicht den Eindruck, dass sie nicht wisse, was sie tue. Letztendlich musste die Rentnerin rund 150.000 Euro an die Rentenversicherung zurückzahlen.