31. Dezember 2017

Geht das Trinkgeld in den USA bald an die Arbeitgeber?

Der Servicekraft im Restaurant einen „tip“ zu geben, ist in den USA eine Selbstverständlichkeit. Dies könnte unter der Trump-Regierung künftig zum Wunschdenken werden.

Der Servicekraft im Restaurant oder dem Barkeeper einen „tip“, also ein Trinkgeld zu geben, ist in den USA eine Selbstverständlichkeit. Und es ist durchaus üblich, dass die Kunden in den USA hierfür tiefer in die Tasche greifen als in anderen Ländern. So sind es in der Regel etwa 15 bis 20 Prozent des Rechnungsbetrags, die der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin als Trinkgeld erhält und die meisten Gäste gehen davon aus, dass dieses auch direkt dem jeweiligen Mitarbeiter zugutekommt. Dies könnte unter der Trump-Regierung künftig zum Wunschdenken werden.

Denn ein Vorschlag der US-Regierung sieht vor, dass Restaurants und andere Unternehmen künftig die volle Kontrolle über das Trinkgeld in den USA erlangen, das ihre Mitarbeiter von den Kunden erhalten, vorausgesetzt, dass allen Angestellten zumindest der gesetzlich vorgesehene Mindestlohn gezahlt wird. Die rund 3,2 Millionen Amerikaner, die als Kellner/in oder Barkeeper/in arbeiten gehören in den USA zu den am schlechtesten bezahlten Arbeitskräften. Der Stundenlohn lag hier im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 9,61 US-Dollar. Der Mindestlohn liegt mit 7,25 US-Dollar (ca. 6,10 €) pro Stunde noch niedriger, auch wenn er in einigen Staaten und Städten höher angesetzt ist. Die Trinkgelder machen einen wesentlichen Teil der Einkünfte aus.

Regelung soll auch Mitarbeitern im Hintergrund Zugang zu Trinkgeldern erlauben

Diese neue Regelung solle – so heißt es – Arbeitgebern die Möglichkeit geben, einen Teil der Trinkgelder auch Mitarbeitern im Hintergrund zukommen zu lassen. Dazu zählen zum Beispiel Köche oder Tellerwäscher, die in der Regel ebenfalls nur schlecht bezahlt werden. Jedoch sieht der Vorschlag des Arbeitsministeriums hierzu keinerlei Verpflichtung vor. Das heißt, die Gastronomen könnten die Trinkgelder auch behalten oder für Verbesserungen des Restaurants einsetzen. Jedoch würde dies nach Angaben der Regierung ebenfalls indirekt den Mitarbeitern oder zumindest der US-Wirtschaft zugutekommen.

Trump könnte auch direkt durch die neue Regelung profitieren

Donald Trump ebenso wie viele seiner Freunde und Unterstützer besitzen Restaurants und würden durch die Neuregelung gegebenenfalls direkt profitieren. Dies könnte einer der Gründe sein, warum die Regelung möglichst schnell verabschiedet werden soll und der Öffentlichkeit nur wenig Zeit eingeräumt wurde, um darauf zu reagieren.

Was jedoch nicht bedacht wurde: Haben die Kunden keine Kontrolle mehr darüber, was mit ihrem Trinkgeld geschieht, könnte es gut sein, dass diese weniger oder kein Trinkgeld mehr geben und/oder der Servicekraft oder dem Barpersonal heimlich etwas zustecken. Beides würde das genannte Ansinnen im Endeffekt ad absurdum führen.

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