„Hudson Yards“ – das Stadtviertel, das New York City spaltet

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Seit dem 15. März hat New York City ein neues Stadtviertel. Es ist ein Stadtviertel für die Reichen und Schönen mit teuren Luxuswohnungen, edlen Geschäften, begehbarer Monumentalkunst, Nobelrestaurants und Parks. Das nächste angesagte Stadtviertel sagen die einen, eine Fantasiestadt von Milliardären sagen die anderen. „Hudson Yards“ spaltet New York wie kaum ein Stadtviertel vor ihm.

Inhaltsverzeichnis
„Stadt in der Stadt“ über den Gleisen von Penn Station | Zwei Millionen Quadratmeter Büro- und Wohnfläche in feingeschliffener Luxusqualität | Parks, begehbare Monumentalkunst und ein Kunst- und Kulturzentrum für 500 Millionen US-Dollar | Scharfe Kritik am Projekt Hudson Yards

Denn es ist das größte und teuerste nicht-öffentliche Bauprojekt in der Geschichte der USA.

„Stadt in der Stadt“ über den Gleisen von Penn Station

Hudson Yards ist ein Gebäudekomplex aus etwa 15 Wolkenkratzern.
Hudson Yards ist ein Gebäudekomplex aus etwa 15 Wolkenkratzern.

Der Standort des Luxusviertels war früher eine der letzten Wüsten der Weltmetropole. Über 150 Jahre lang war dort zwischen dem Herzen von Manhattan und den Piers des Hudson River Niemandsland, in dem der Besucher neben Abstellgleisen und Depots der Eisenbahn vor allem Unkraut und Schrott vorfand.

Ideen gab es für das Brachland schon viele. Neben einem Football-Stadion und einem olympischen Dort hätten dort auch schon ein neues World Trade Center und „Trump City“ entstehen sollen. Doch alle Pläne scheiterten.

Dass die „Stadt in der Stadt“ jetzt umgesetzt werden konnte, ist der Tatsache zu verdanken, dass die Gleise vom Bahnhof Penn Station kommend überdacht wurden und dass der zu Planungsbeginn amtierende Bürgermeister Michael Bloomberg Manhattan nach den Terroranschlägen des 11. September wirtschaftlich wieder Leben einhauchen wollte.

Dazu wurden dreißig noch immer aktive Bahngleise mit einer gigantischen Plattform abgedeckt, die von 300 Trägern gestützt wird, die 25 Meter tief in den Fels eingebracht wurden. Die Baukosten allein für diesen Deckel: 1 Milliarde US-Dollar. Die insgesamten Kosten nach dreizehn Jahren Planung und sieben Jahren Bauzeit: 25 Milliarden US-Dollar.

Umgesetzt wurde die Vision von der Immobilienfirma Related Companies, deren Chef Stephen Ross ebenfalls eine Luxuswohnung in „Hudson Yards“ beziehen wird.

Zwei Millionen Quadratmeter Büro- und Wohnfläche in feingeschliffener Luxusqualität

Neben gigantischen Gebäuden finden sich in Hudson Yards auch viele Grünflächen oder Blumenwiesen. Foto: www.hudsonyardsnewyork.com
Neben gigantischen Gebäuden finden sich in Hudson Yards auch viele Grünflächen oder Blumenwiesen. Foto: www.hudsonyardsnewyork.com

„Hudson Yards“ ist ein Projekt in modernster Wolkenkratzer-Architektur, das sich über eine Fläche erstreckt, die mehr oder weniger der gesamten Innenstadt von Seattle entspricht. Es sind rund ein Dutzend Luxus-Wolkenkratzer, die von Stararchitekten gestaltet wurden. Einige davon sind bereits fertiggestellt, einige befinden sich noch im Bau, andere sind noch in der Planung.

Die 4000 Luxuswohnungen sind mit edlen Materialien wie Eukalyptusholz, Caravaggio-Marmor und Quarzit-Tresen ausgestattet und auch die Büros in den bis zu 75 Etagen der Wohn- und Bürohochhäuser sind vor allem eines. Sie sind teuer. Aber nichtsdestotrotz zum Teil bereits an kommerzielle Mieter wie die Investmentfirmen KKR und BlackRock, SAP, CNN, die Großbank Wells Fargo und L’Oreal vermietet. Dazu kommen über hundert Geschäfte und mehr als 20 Restaurants, ein Luxushotel, Schulen und ein riesiges Einkaufszentrum für alle Bedürfnisse des täglichen Lebens, in dem Edelmarken wie Dior, Gucci, Rolex, Cartier oder Tiffany vorherrschen.

Parks, begehbare Monumentalkunst und ein Kunst- und Kulturzentrum für 500 Millionen US-Dollar

Darüber hinaus ist für die Bewohner des neuen Stadtviertels, aber auch für Besucher einiges geboten. So wird im April mit „The Shed“ ein komplett neues Kunst- und Kulturzentrum eröffnen, das durch modernste ausgeklügelte Technik in eine Open-Air-Bühne umgewandelt werden kann. Die Einweihung wird mit einer afroamerikanischen Konzertserie gefeiert.

„The Vessel“ – die einzigartige begehbare Wendeltreppe in Hudson Yards

„The Vessel“ wurde von Star-Designer Thomas Heatherwick aus Großbritannien entworfen. Foto: www.hudsonyardsnewyork.com
„The Vessel“ wurde von Star-Designer Thomas Heatherwick aus Großbritannien entworfen. Foto: www.hudsonyardsnewyork.com

The Vessel“ ist ein begehbares Kunstwerk mit 154 verschiedenen Treppen und fast 2500 Stufen, die nirgendwo hinführen. Die Treppenlandschaft mit einer Länge von 1,5 Kilometern wurde von Star-Designer Thomas Heatherwick aus Großbritannien entworfen und soll als dreidimensionaler öffentlicher Raum dienen. Wer möchte, kann dort einfach nur sitzen und das lebhafte Treiben beobachten oder auch am Kunstwerk klettern. Allerdings ist die Besteigung von „The Vessel“ derzeit nur mit Vorab-Reservierung möglich und auf absehbare Zeit ausgebucht.

„The Edge“ – die höchste Aussichtsplattform der westlichen Welt

Am 100. Stockwerk des Wolkenkratzers 30 Hudson Yards soll es zudem ab nächstem Jahr möglich sein, aus einer Höhe von 335 Metern auf Manhattan herunterzublicken. Zudem soll es für ganz Wagemutige möglich sein mit Sicherheitsgurten an der Spitze des Hochhauses zu klettern. Nach Eröffnung wird „The Edge“ – Stand heute – dann die höchstgelegene, öffentlich zugängliche Outdoor-Aussichtsterrasse der westlichen Hemisphäre sein.

Scharfe Kritik am Projekt Hudson Yards

Allerdings hat das neue Viertel am Hudson River, das sich auf der Westseite von Manhattan nahe der Hochbahntrasse High Line etwa auf Höhe des Empire State Buildings befindet, nicht nur Fürsprecher, sondern auch sehr viele Kritiker.

Nach Meinung vieler New Yorker ist die „Stadt in der Stadt“ zu steril, zu wenig authentisch und vor allem zu teuer. Dazu kommt, dass die Realisierung von Hudson Yards von der Stadt New York City immens unterstützt wurde. So wurde etwa eigens für das Luxusviertel eine eigene U-Bahn-Station errichtet und die Bauherren erhielten Steuernachlässe in Höhe von sechs Millionen US-Dollar.

Und das obwohl in New York drückender Mangel an bezahlbarem Wohnraum herrscht und derzeit mehr als 64.000 Menschen obdachlos sind.