Das schwarze Charleston – Sklaverei und Rassen

Heute ist Charleston eine wunderschöne Stadt. Damals trennte sich die Stadt in einen weißen und einen schwarzen Teil.

Nördlich der Calhoun Street, die die Halbinsel drei Kilometer von ihrer Südspitze entfernt von West nach Ost schneidet, ändert sich das Bild des heiteren, herausgeputzten Charleston. Noch zu Porgys Zeiten hatten Schwarze und Weiße in Charleston wie in keiner anderen Stadt der Vereinigten Staaten in gemischten Quartieren und Häusern zusammengelebt.

Die Restaurierung der Altstadt Charlestons trennte die Rassen. Zusammen mit dem allgemeinen Wirtschaftsaufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg trieb sie die Bodenpreise in die Höhe. In den Häusern und Villen der Altstadt konnten sich nur noch wohlhabende Weiße behaupten. Die schwarzen Charlestonians sahen sich in die nördlichen Stadtteile zurückgedrängt. Bis hinauf zum Neck, der schmälsten Stelle der Halbinsel, macht das schwarze Charleston einen verlotterten Eindruck. Farbe blättert von den Häusern, manche Gebäude stehen schief, die Straßen sind löchrig, die Innenhöfe mit Schrott überstellt. Doch auch hier sind die Bautrupps und Renovalionsequipen schon unterwegs. Der weiße Wohlstand greift über die Calhoun Street hinaus. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Ärmeren der schwarzen Bevölkerung von der Halbinsel südlich des Neck vertrieben sind.

Die «Perle am Atlantik» und die Sklaverei

Auch die Sklaverei war in Charleston keine Seltenheit.

Auch die Sklaverei war in Charleston keine Seltenheit.

Anthony Ashley Cooper, Earl of Shaftesbury, gründete Charleston 1670 unter König Charles II. von England. Charles, der sinnenfrohe, genußsüchtige Herrscher, der nach Cromwells puritanischer Herrschaft die englische Monarchie restaurierte, verlieh der Stadt außer seinem Namen seinen lebensfrohen Geist. Die Verfassung der neuen Kolonie Carolina stammte vom Philosophen John Locke, dessen Schriften grundlegend für den modernen europäischen Liberalismus und den Verfassungsstaat wurden. In Lockes Verfassung war die Glaubensfreiheit festgeschrieben, und zwar nicht nur für Christen, sondern auch für «Indianer, Heiden und Juden». Toleranz, Offenheit und eine lockere Moral prägten Charleston in seiner frühen Geschichte, war es doch im Gegensatz zu den neuenglischen Städten keine religiös, sondern eine kommerziell und politisch motivierte Gründung.

Charlestons erste Siedler stammten von Barbados. Ausgelaugte Böden und sinkende Plantagenerträge trieben die englischen Pflanzer von der Antilleninsel auf die Suche nach neuem Land. An der Küste South Carolinas fanden sie reiche Böden und dieselben klimatischen Bedingungen wie auf Barbados. Das Charles Towne des 17. und 18. Jahrhunderts widerspiegelte in mancher Beziehung die koloniale Kultur der Antillen. Die Regierungsform, die militärische Organisation, die Struktur der Wahlbezirke stammten von Barbados. Von den Antillen stammte auch das Single House mit seiner schmalen, der Straße zugewandten Fassade und der seitlichen Veranda über dem Garten, das in Charleston noch heute anzutreffen ist. Von Barbados brachten die Siedler aber auch die Sklaverei ins Land und den ersten Slave Code, das Gesetz, das Besitz und Haltung und damit die Lebensbedingungen der Sklaven regelte.

Reich wurde Charleston in seinen Anfängen durch den Handel mit England und den Westindischen Inseln. Felle, Mais, Segeltuch, Holz. Rum, Zucker, Baumwolle, Salz, Faßdauben, Teer, Rindfleisch, Kerzen und tausend andere Güter gingen durch seinen Hafen. Mit 1200 Einwohnern war Charleston 1690 hinter New York, Boston, Philadelphia und Newport die fünftgrößte Stadt auf dem nordamerikanischen Kontinent, beherrscht von Kaufleuten und Händlern. Das gesellschaftliche Ideal, nach dem die Führungsschicht strebte, war allerdings das des Squires, des englischen Landadeligen, der nach dem Vorbild Charles II. ein feudales Leben führte und sich die Zeit mit Jagen, Reiten, Spielen, Tanzen und Schürzenjägerei ausfüllte. Große Ländereien, große Landhäuser und eine Schar Bediensteter gehörten zu diesem kolonialen Traum – Reis und Indigo ließen ihn für manchen Schmalzhändler Wirklichkeit werden. Die Sklavenwirtschaft war es, die Reis zum großen Geschäft machte. Die westafrikanischen Sklaven beherrschten die Technik des Reisanbaus und der Reisverarbeitung, möglicherweise hatten sie den Reis sogar nach der Neuen Welt gebracht. Wie gesucht Sklaven aus den Reisländern Westafrikas waren, geht aus den Anzeigen der Sklavenhändler Charlestons hervor. Während eines wahren Reisbooms entstanden am Anfang des 18. Jahrhunderts in der Küstenebene um Charleston Dutzende von Reisplantagen. Die herrschende Elite der Händler verwandelte sich altmählich in eine Elite der Pflanzer. Manche der neuen Reisbarone lebten das Stadtleben des Kaufmanns weiter. Die meisten ließen sich jedoch auf der Plantage nieder. Im Herrenhaus verbrachten sie Winter und Frühjahr. Von Mai bis Dezember lebten sie, um der Malaria und dem Gelbfieber zu entgehen, in ihren Stadthäusern.

Sklaverei prägte Mentalität der weißen Führungsschicht

Die Sklaverei prägte die Mentalität der weißen Führungsschicht in der Kolonie. Der Pflanzer war absoluter Herrscher über seinen Grundbesitz und Herr über Leben und Tod der Menschen, die für ihn arbeiteten. Die Opposition einer Arbeiterklasse hatte er nicht zu befürchten, da er die Arbeiterklasse – die Sklaven -ja buchstäblich besaß. Die weiße Unterschicht war klein und von der Führungsschicht vollständig abhängig. Der Mittelstand – Farmer, Handwerker, Händler -strebte nach denselben Idealen wie die Elite und teilte deren Wertvorstellungen. Mit den Mitgliedern der Regierung und der Gerichte waren die meisten Pflanzer verschwägert oder befreundet. Kaum eine Gruppe oder Klasse in der Geschichte der Vereinigten Staaten beherrschte eine Stadt und eine Kolonie so absolut wie Charlestons Elite.

Die gesamte Wirtschaft Charlestons beruhte auf Sklavenarbeit. Feldsklaven rodeten Wälder, legten Sümpfe trocken, bauten Straßen, Häuser, Boote. Sie jagten. fischten, pflanzten und ernteten. Sie versorgten das Vieh und wußten mit Schlangen, Haien und Alligatoren umzugehen. 1848 arbeiteten in Charleston 3384 schwarze Frauen und 1886 Männer als Haussklaven, 68 als Maurer, 120 als Zimmerleute, 40 als Schmiede. 39 als Bäcker, 36 als Schneider, 67 als Fuhrleute, 50 als Lotsen und Matrosen. Maler, Schiffsbauer, Kupferschmiede, Möbelschreiner, Buchbinder, Drucker, Schuhmacher, Waffenschmiede – das Handwerk war fest in schwarzen Händen und blieb es bis nach dem Bürgerkrieg, als weiße Handwerker die nunmehr freien schwarzen aus dem Gewerbe verdrängten.

Alte Zeichnungen zeigen die widerlichen Umstände, welche sich in einigen Teilen Amerikas boten.

Alte Zeichnungen zeigen die widerlichen Umstände, welche sich in einigen Teilen Amerikas boten.

Statt in Gewerbe- und Industriebetriebe investierten die Pflanzer lieber in Sklaven und Boden und versäumten es so, die Grundlage für eine ein heimische Industrie zu legen. Auch am Aufbau öffentlicher Einrichtungen hatten sie nur ein geringes Interesse, lebten sie auf den Plantagen doch weitgehend unabhängig und wirtschaftlich selbständig. Charlestons Straßen blieben unge-pflastert, im Frühjahr versank die Stadt im Schlamm. Gesundheitswesen, Abfallbeseitigung, Armenpflege blieben unentwickelt. Auch das Bildungswesen hinkte hinter dem des Nordens her, ein Rückstand, den die Stadt bis heute nicht ganz autholen konnte. Dafür blühten Unterhaltung und schöne Künste. Bälle und Bankette lösten einander während der Herbstmonate ab. In vier Theatern wurden zeitgenössische Stücke und Shakespeare aufgeführt. Die Musikgesellschaft „St. Cecilia Society“ gab Konzerte und spielte zum Tanz auf. Doch Charlestons Kultur war eine importierte. Wandernde Theatertruppen aus dem Norden, Musik und Musiker wurden gleichermaßen eingekauft. Ein eeinheimische Kultur-produklion gab es kaum. In Boston wurden zwischen 1743 und 1760 nicht weniger als 1321 Bücher, Broschüren und Traktate gedruckt – in Charleston ganze zwölf.

Die Stadt besteuerte und kontrollierte ein einträgliches Sklavenleihsystem, mit dem die Sklavenhalter die Rendite ihres Besitzes erhöhten. Für ausgeliehene Sklaven, die keine städtische Kontrollmarke trugen, wurde der Eigentümer mit einer Buße von zwanzig Dollar bestraft – der Sklave erhielt zwanzig Peitschenhiebe auf den bloßen Rücken. Qualifizierte, begehrte Handwerker trafen mit ihren Besitzern Abmachungen, die es ihnen erlaubten, sich selbst zu vermieten. Ihrem Herrn entrichteten sie dafür eine feste monatliche Pacht. Auf diese Weise konnten sie Gewinne erwirtschaften und sich freikaufen. Viel freier als die Sklaven wurden sie dadurch allerdings nicht. Die Weißen fürchteten die freien Schwarzen als mögliche Unruhestifter und schränkten ihre Rechte und Freiheiten durch Gesetze und Verordnungen drastisch ein.

Ständige Furcht vor Aufständen

Die weiße Bevölkerung lebte in ständiger Furcht vor Aufständen und Rebellionen. Der Sklaven-aufstand von Santo Domingo in der !790er Jahren, die Rebellion von 1739 am Stono River, zwanzig Meilen von Charleston entfernt, die zwanzig Weißen das Leben kostete, die Verschwörung des freien Schwarzen Denmark Vesey von 1822 hafteten als Schreckensvisionen bis in den Bürgerkrieg hinein in den Gemütern der Sklavenhalter. Die Gesetze, mit denen die Rechte der Schwarzen geregelt wurden, stellten nichts anderes als den Versuch dar, die schwarze Bevölkerung, ob frei oder unfrei, unter Kontrolle zu halten. Schwarze lesen und schreiben zu lehren, war bei strenger Strafe verboten. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts begann die weiße Gesellschaft die Schwarzen systematisch zu christianisieren. „Das Evangelium ist unser bester Beschützer“, begründete dies ein Prediger in Charleston, „denn es regiert im Geheimen so gut wie in der Öffentlichkeit.“ Doch manche Charlestonians bestritten die besänftigende, zur Demut erziehende Wirkung der Verkündigung. Denmark Vesey. der seinen Aufstand während vier Jahren vorbereitet hatte, bevor er verraten wurde, berief sich ebenso auf die Bibel wie die frommen Weißen. Sein Komplott wurde im Schoß der ersten schwarzen Kirche der Stadt, der African Church, geschmiedet. Die Stadtverwal-tung ließ sie niederreißen. Erst dreißig Jahre später zogen Charlestons schwarze Bewohner wieder in eine eigene Kirche ein. Die Stadt-bevölkerung war gewachsen, die gemischten Kirchen waren ständig überfüllt. Kirchen waren weit über den Bürgerkrieg hinaus die einzigen Einrichtungen in der Hand der Schwarzen. Als Gemeinde-, Organisations- und Aktionszentren bildeten sie die Basis für den Kampf um die Gleichberechtigung der schwarzen Amerikanerinnen und Amerikaner in den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts.

Tickets für Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten

Tickets für Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten in Charleston finden Sie unter www.getyourguide.de.

Hotels, Apartments und Ferienwohnungen

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