Missouri River - Legende, Wasserlieferant, Transportweg und Touristenattraktion

Kann man die Länge eines Flusses nicht ganz einfach messen? Oder kann sie tatsächlich eine Sache der Betrachtung sein? Ja, kann sie, und der Missouri River ist dafür eines der besten Beispiele.

Kann man die Länge eines Flusses nicht ganz einfach messen? Oder kann sie tatsächlich eine Sache der Betrachtung sein? Ja, kann sie, und der Missouri River ist dafür eines der besten Beispiele.

Inhaltsverzeichnis
Von der Quelle bis zur Mündung | Die wirtschaftliche und touristische Bedeutung des Missouri Rivers | Der Missouri war einst eine Legende | Der Missouri auf einen Blick

Unstrittig ist, dass er der wichtigste Nebenfluss des Mississippi Rivers ist, der gemeinhin als längster Fluss der USA und als viertlängster der Welt gilt – nach dem Amazonas in Südamerika, dem Nil in Afrika und dem Jangtsekiang in China. Doch dann wird die Sache knifflig. Es existiert nämlich auch die durchaus ernst zu nehmende Ansicht, dass der Missouri, obgleich „nur“ Nebenfluss, tatsächlich länger ist als der Mississippi. Danach kommt es nur darauf an, von wo bis wo man misst, was mitzählen darf und was nicht. Dieser Lesart zufolge ist der Missouri dann auf einmal der längste Fluss der USA. Zweifelsfrei festhalten lässt sich immerhin, dass der Strom, der auch „Big Muddy“ genannt wird, zu den längsten Flüssen nicht nur der USA, sondern der gesamten Welt gehört. Er ist zudem seit Urzeiten von Legenden umrankt und er hat für die Menschen, die an seinen Ufern oder zumindest in seinem Einzugsbereich lebten, immer eine vitale Bedeutung gehabt.

Von der Quelle bis zur Mündung

Die Region Kansas City ist das zweitgrößte Ballungszentrum am Missouri River.
Die Region Kansas City das zweitgrößte Ballungszentrum am Missouri River.

Der Missouri nutzt das Wasser von gleich drei Quellflüssen, bevor er seinen eigenen, kraftvollen Weg zur Mündung beginnt. In der Nähe der Ortschaft Three Forks im Bundesstaat Montana vereinen sich der Jefferson, der Madison und der Gallatin River zum Missouri. Der Jefferson kommt aus den Bergen von Montana, er entspringt in unmittelbarer Nähe zur Wasserscheide zwischen dem Atlantik und dem Pazifik. Der Madison kommt direkt aus dem Yellowstone Nationalpark angerauscht und der Gallatin River schließlich wird aus den Wassern des Gallatin Lake in Wyoming gespeist. Zusammen machen sich dann auf die offiziell 4087 Kilometer lange Reise zum Mississippi und mit ihm zusammen schließlich zum Golf von Mexiko. Der Missouri River fließt dabei durch die US-Bundesstaaten Montana, North Dakota, South Dakota, Nebraska, Iowa, Kansas und Missouri.

Auf seinem Weg zum Mississippi bildet der Missouri mehrfach die Grenze zwischen zwei Bundesstaaten, etwa zwischen Nebraska und Iowa. An seinen Ufern liegen diverse Städte und er fließt mitten durch Kansas City. Im Bundesstaat Missouri schließlich, etwa 15 Kilometer nördlich der Stadt St. Louis vereinigt er sich mit den Wassern des Mississippi.

Die wirtschaftliche und touristische Bedeutung des Missouri Rivers

Den Spitznamen „The Big Muddy“ trägt der Missouri wegen der grenzen Mengen an Schlamm, die seine Wasser mit sich führen. Das ändert freilich nichts an der Tatsache, dass der Fluss für Jahrtausende die Lebensgrundlage vieler Indianerstämme gewesen ist. An seinen Ufern lebten die Crow, die Hidatsa und die Blackfeet, um nur einige Namen zu nennen. Mit der Ankunft der Europäer im 17. Jahrhundert änderte sich einiges. Die Franzosen waren die ersten, die den Fluss für sich und ihre Geschäfte nutzten, allen voran die Pelzhändler. Nicht nur die Trapper griffen tief in das Leben der Einheimischen ein. Auf dem Weg nach Westen wurde er auch für die Pioniere und Siedler wichtig, die sich in Amerika niederlassen wollten. Die Gewalt, die sie gegen die Indianer anwendeten und die Kämpfe um das fruchtbare und wasserreiche Land am Missouri gehören zu den brutalsten und unbarmherzigsten Vorkommnissen in der amerikanischen Geschichte.

Eine Ausbeutung und Nutzung ganz anderer Art setzte erst im 20. Jahrhundert ein. 1944 beschloss der Kongress der USA ein ambitioniertes Programm zum Bau von mehreren Staudämmen. Der Fort Peck Dam gehört heute zu den größten seiner Art auf der Welt. Mit der Errichtung der gigantischen Bauwerke werden Millionen und Abermillionen von Quadratmetern Farmland bewässert und diverse Gemeinden und Städte mit Elektrizität versorgt.

Darüber hinaus aber hat der Fluss heute noch eine andere Aufgabe. Über weite Strecken bietet er einen Lebensraum für Flora und Fauna und ist damit auch zu einem wichtigen Erholungsort für die Menschen geworden, die in seiner Nähe leben. Das gilt natürlich auch für die Touristen, die Bundesstaaten besuchen, die der Missouri durchfließt. Es gibt diverse Abschnitte, die von der Organisation „Missouri Recreational River“ betreut werden, einer Abteilung des National Park Service der USA. Eines der herausragenden Beispiele dafür ist das „Charles M. Russelll National Wildlife Refuge“ bei Fort Peck.

Der Missouri war einst eine Legende

Im 20. Jahrhundert war St. Louis, unter anderem aufgrund der Lage am Mississippi River und Missouri River, ein bedeutender Handelsplatz und die fünftgrößte Lagerstätte der USA.
Im 20. Jahrhundert war St. Louis, unter anderem aufgrund der Lage am Mississippi River und Missouri River, ein bedeutender Handelsplatz und die fünftgrößte Lagerstätte der USA.

In der Fantasie der Ureinwohner, aber auch der frühen Entdecker, war der Missouri eine Legende. Er galt als Verbindung zwischen dem Atlantik und dem Pazifik gehalten. Man musste ihm eigentlich nur auf ganzer Länge folgen, um diese These beweisen zu können. Genau das taten Meriwether Lewis und William Clark. Im Auftrag des damaligen US-Präsidenten Thomas Jefferson bildeten sie die erst US-amerikanische Überlandexpedition in Richtung Pazifik. Von Mai 1804 bis September 1806 waren die beiden in der nach ihnen benannten „Lewis-und-Clark-Expedition“ mit weiteren Männern unterwegs. Sie beendeten den Mythos um den Missouri River. Als erste weiße Amerikaner betraten sie die Great Plains; ein ungeheuer fruchtbares Gebiet, das zum Einzugsbereich des Missouri gehört. Hier gerieten sie mit den Ureinwohnern vom Stamm der Sioux aneinander. Es kam zwar nicht zu einem Blutvergießen, aber auch nicht zu den angestrebten Handelsbeziehungen. Das Wissen um die Quellflüsse des Missouri ist übrigens einem deutschen Naturforscher zu verdanken. Herzog Paul Wilhelm von Württemberg fand sie im Jahre 1829.

Der Missouri auf einen Blick

  • Der Missouri hat mit dem Jefferson, dem Madison und dem Gallatin River gleich drei Quellflüsse
  • Der Missouri River durchfließt diverse Bundesstaaten, mündet im Bundesstaat Missouri in den Mississippi und fließt mit ihm zusammen schließlich in den Golf von Mexiko
  • Die Vertreibung und nahezu Ausrottung der Indianer am Missouri ist kein Ruhmesblatt für die Siedler aus Europa
  • Es gibt unterschiedliche Längenangaben für den Missouri. Die Differenzen ergeben sich daraus, ob bestimmte Zuflüsse mitgerechnet werden oder nicht.Überwiegend wird die Länge mit 4087 Kilometern angegeben. Danach ist der Missouri der zweitlängste Fluss der USA.