Todesstrafe – Das ständige Konfliktthema der USA

Wie auch immer man sie betrachtet, die pauschale Behauptung, dass in der Rechtsprechung der Vereinigten Staaten von Amerika die Todesstrafe noch existiere, ist falsch.

Es wird immer wieder pauschal behauptet und oft auch von außen kritisiert. In den USA, so heißt es, gibt es noch die Todesstrafe. Vor allem Menschenrechtsorganisationen haben damit ein riesiges Problem. Wie auch immer man sie betrachtet, die pauschale Behauptung, dass in der Rechtsprechung der Vereinigten Staaten von Amerika die Todesstrafe noch existiere, ist falsch.

Die Todesstrafe gilt in westlichen Demokratien nämlich als unmenschlich und auch als unkultiviert. Richtig ist, dass es die Todesstrafe in der Mehrzahl der US-Bundesstaaten gibt. In knapp 20 Ländern dagegen ist sie inzwischen abgeschafft. Nach wie vor wird das Thema Todesstrafe in den USA leidenschaftlich diskutiert – sowohl von den Anhängern als auch von den Gegnern.

Die drakonische Strafe hat in Amerika eine lange Geschichte. Schon lange bevor sich die USA als unabhängiges Land deklarierten, wurden unliebsame Mitmenschen dort exekutiert. Die Briten machten in ihren jungen Kolonien kurzen Prozess mit Verrätern. Kapitän George Kendall ging so im Jahre 1608 unfreiwillig in die Geschichte ein. Er ist der erste Mann in der Neuen Welt, an dem die Todesstrafe vollzogen wurde. Die Anklage lautete damals auf Spionage für Spanien und die Exekution wurde als öffentliches Schauspiel inszeniert.

Dieser Rückfall ins Mittelalter hielt bemerkenswert lange an. Es dauerte bis 1834, bis man langsam damit begann, die Öffentlichkeit von den Hinrichtungen auszuschließen. Doch auch in diesem Punkt gibt es keine allgemeingültige Aussage. Immerhin wurde Mitte August 1936 noch ein junger Mann öffentlich in Owensboro im Bundesstaat Kentucky erhängt. Zu diesem letzten grausamen Spektakel fanden sich immerhin rund 20.000 Zuschauer ein. Zum Tod durch Erhängen gab es lange Zeit nur eine Alternative, den Tod durch Erschießen. Der elektrische Stuhl, der heutzutage fast immer mit der Todesstrafe in den USA assoziiert wird, wurde erstmals 1888 eingesetzt. Es sollte dann noch einmal fast 50 Jahre dauern, bis eine weitere Tötungsmethode von sich reden machte. In einigen Bundesstaaten wurde im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts nämlich die Gaskammer als Tötungsinstrument eingeführt.

Politisch motivierte Verurteilungen

Sacco (rechts) und Vanzetti (links) als Angeklagte, mit Handschellen aneinander gefesselt.

Sacco (rechts) und Vanzetti (links) als Angeklagte, mit Handschellen aneinander gefesselt.

Während in Europa der Faschismus auf dem Vormarsch war und der Zweite Weltkrieg erste Schatten voraus warf, veränderte sich auch in den USA das politische Klima. Nun gab es in den Todeszellen plötzlich Häftlinge, die keine Gewaltverbrecher mehr waren, sondern deren Verurteilung politisch motiviert war. Dagegen aber begann sich öffentlicher Widerstand zu regen. Berühmte Beispiele dafür sind die beiden Anarchisten Ferdinando Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti. Den beiden italienischen Einwanderern wurde wegen eines Überfalls auf eine Schuhfabrik in South Braintree im Bundesstaat Massachusetts der Prozess gemacht. Bei dem Überfall starben zwei Männer; Sacco und Vanzetti wurden für diesen Mord am 23. August 1927 hingerichtet. Bereits während des Prozesses kamen Zweifel an der Täterschaft der beiden auf. Es regte sich der Verdacht, Sacco und Vanzetti sollten lediglich wegen ihrer politischen Überzeugung aus dem Weg geräumt werden. Die Verhandlung wurde dennoch gnadenlos durchgezogen, ebenso wie die Hinrichtungen. Seitdem gibt es immer wieder Versuche, die Namen der beiden von jeder Schuld reinzuwaschen. Der bislang letzte Versuch dazu wurde 1977 unternommen. Offiziell ist die Akte des Falls bis heute nicht geschlossen.

Der Fall Sacco und Vanzetti sorgte aber ebenso wie später der des Ehepaares Julius und Ethel Rosenberg dafür, dass die öffentliche Meinung sich vermehrt gegen die Todesstrafe richtete. Die Rosenbergs wurden am 19. Juni 1953 hingerichtet, weil sie der damaligen Sowjetunion Informationen über den Bau der Atombombe zugespielt haben sollten. Während inzwischen die Schuld Julius Rosenbergs als erwiesen gilt, ist die Rolle seiner Frau nach wie vor unklar. Es ist durchaus möglich, dass sie zu Unrecht auf dem elektrischen Stuhl enden musste.

Wenn das der Fall sein sollte, dann wäre Ethel Rosenberg nicht die einzige, der das passiert ist. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat vor Jahren eine Auflistung veröffentlicht, nach der allein in den Jahren von 1900 bis 1985 in den USA immerhin 350 Menschen zum Tode verurteilt worden sind, die sich im Nachhinein als unschuldig erwiesen haben. Für einige kam die Wahrheit zu spät; sie waren bereits hingerichtet worden, als sich der Irrtum herausstellte.

Ein Jahrzehnt ohne Todesstrafen

Fast ein ganzes Jahrzehnt lang, genau vom Juli 1967 bis zum Dezember 1976, sind in den gesamten USA keinerlei Todesurteile vollstreckt worden. Amerika stand damals nicht nur innenpolitisch unter Druck. Auch die westlichen Verbündeten, die die Todesstrafe inzwischen selbst allesamt abgeschafft hatten, übten entsprechenden Einfluss auf das Weiße Haus aus. Grundlegenden Erfolg hatte all das jedoch nicht. Anfang 1977 gab es schließlich wieder eine Hinrichtung, sie fand im Staatsgefängnis Utah statt. Nur fünf Jahre später wurde die Todesstrafe einmal mehr „modernisiert“ und man setzte erstmals eine Giftspritze als Todesinstrument ein. Seit der Wiedereinführung der Todesstrafe sollen mehr als 1000 Menschen hingerichtet worden sein. Mehrere tausend Männer und Frauen sind verurteilt und sitzen in Todeszellen.

Die Todesstrafe wird nicht nur heftig in den USA debattiert, sie ist auch ein immenser Kostenfaktor. Allein dem Bundesstaat Kalifornien sollen seit der Wiedereinführung der Todesstrafe schwindelerregende Mehrkosten entstanden sein. Die Rede ist von sage und schreibe vier Milliarden US-Dollar. Das würde bedeuten, dass jede einzelne Hinrichtung im Durchschnitt mit mehr als 300 Millionen US-Dollar zu Buche schlägt.

Da die USA sich von ihren westlichen Verbündeten in Sachen Todesstrafe nicht haben unter Druck setzen lassen, hat die Europäische Union einen anderen Weg gewählt. Sie setzte im Jahr 2010 eine Vereinbarung durch, nach der Gefangene nur dann von der EU an die USA ausgeliefert werden, wenn ihnen dort nicht die Todesstrafe droht.

Zur Durchführung der Todesstrafe wurden viele Instrumente eingesetzt. Eines davon war die Schlinge.

Zur Durchführung der Todesstrafe wurden viele Instrumente eingesetzt. Eines davon war die Schlinge.

Obwohl viele US-Bundesstaaten die Todesstrafe abgeschafft haben, sitzen immer noch Menschen in Todeszellen. Das hört sich zunächst wie ein Widerspruch an, ist aber nachvollziehbar. Die Todesstrafe wurde zwar abgeschafft, allerdings nicht rückwirkend. So kommt es, dass es in Connecticut zwar seit April 2012 verboten ist, die Todesstrafe zu verhängen. Gleichzeitig warten aber noch mehr als zehn Menschen auf die Vollstreckung. Sie sind alle vor April 2012 verurteilt worden. Vielleicht erhöht das ihre Chancen auf Rehabilitierung. Manchmal sorgen neue Untersuchungsmethoden nämlich dafür, dass sich doch eine Unschuld herausstellt. Als etwa die DNA-Analyse erfunden worden war, wurden viele Fälle wieder aufgenommen. Die neuen Möglichkeiten haben dazu geführt, dass 15 zum Tode Verurteilte rechtzeitig vor der Vollstreckung noch ihre Unschuld beweisen konnten.

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