Rhode Island - Klein, aber oho - ein Bundesstaat in Lilliput-Format

Eine atemberaubende Skyline bietet Providence, die Hauptstadt des kleinsten US-Bundesstaates Rhode Island.

Rhode Island, Rhode Island? Ist das nicht die Halbinsel, die New York vorgelagert ist? Nö, das ist Long Island, das mit seinen Hamptons ein Anziehungspunkt für die Schönen und Superreichen dieser Welt ist. Von Montauk aus, der Nordspitze von Long Island, kann man aber in Richtung Norden die Küste von Rhode Island erspähen. Bei dieser „Insel“, die in Wirklichkeit größtenteils aus Festland besteht, handelt es sich um den kleinsten Bundesstaat der USA.

Inhaltsverzeichnis
Von Portugiesen entdeckt und Holländern kolonialisiert | Hotels, Apartments und Ferienwohnungen | Musikalische Kontinuität | Die Narragansett Bay und Providence | Rhode Island auf einen Blick

Die Größe ist in etwa mit dem Saarland vergleichbar. Im Süden begrenzt der Atlantik diesen – nach US-amerikanischen Maßstäben – Lilliputstaat; im Norden und im Osten ist es Massachusetts und im Westen setzt Connecticut Rhode Island seine Grenzen. Der kleine Bundesstaat mit gerade mal knapp über einer Million Einwohner gehört zur Großregion Neuengland. Wer eine Tour in den Nordosten der USA vorhat, der sollte Rhode Island auf keinen Fall auslassen – allein schon der Vollständigkeit halber. Aber natürlich gibt es dort auch einiges zu sehen. Der offizielle Name des Staates ist übrigens „State of Rhode Islands and Providence Plantations“, die Hauptstadt ist Providence. Sie liegt nicht weit von Boston in Massachusetts entfernt liegt. Wie alle US-Bundesstaaten hat natürlich auch Rhode Island seine Spitznamen. Während sich „Ocean State“ von der Lage am Atlantik ableitet, zeugt „Little Rhody“ von der fürsorglichen Zuneigung der Amerikaner zu dem Mini-Mitglied in ihrem Staatenbund.

Von Portugiesen entdeckt und Holländern kolonialisiert

Die Narragansett Bay wurde von der Organisation und Zeitschrift „National Geographic“ zu einem der zwölf besten Ziele für Abenteuerreisen gewählt.
Die Narragansett Bay wurde von der Organisation und Zeitschrift „National Geographic“ zu einem der zwölf besten Ziele für Abenteuerreisen gewählt.

Wie also kommt ein, wenn auch kleiner, Festlandstaat zu dem Namensteil „Insel“? Tatsächlich gibt es im Atlantik eine Insel namens „Rhode Island“, die später namensgebend für den ganzen Bundesstaat geworden ist. I Besitz genommen und getauft wurde sie von dem Niederländer Roger Williams, der sie wegen der Farbe ihrer Erde „Rhode Eylandt“ nannte. Im Laufe der Zeit wurde daraus die heutige Bezeichnung. Entdeckt haben allerdings andere diesen Flecken Erde. Bereits im Jahr 1511 segelten Portugiesen unter dem Abenteurer und Entdecker Miguel de Cortereal am heutigen Rhode Island vorbei. Sie gingen allerdings nicht an Land, sondern registrierten lediglich die Existenz der Küstenregion.

Roger Williams kam 1636 nach Rhode Island. Aus heutiger Sicht hätte es für die Ureinwohner schlimmer kommen können. Der holländische Baptist gründete seine Kolonie in der Absicht, demokratisch und friedlich mit den Indianern leben zu können. Das vereitelten nicht nur die Europäer, die ihm sehr bald folgten, sondern auch die Umstände. Die Weißen schleppten Krankheiten ein, mit denen das Immunsystem der Ureinwohner nicht fertig wurde. Die, die nicht daran starben, wurden größtenteils von den Eindringlingen getötet. Roger Williams war dieser Entwicklung nicht gewachsen. Das wenige, was er tun konnte, war die Sprache der Ureinwohner zu bewahren. 1643 veröffentlichte er das Buch „A Key to the Languages in America“, in dem das ansonsten ausgestorbene Narragansett festgehalten wird. Die Bucht, in dem die Insel Rhode Island liegt, wurde übrigens als Narragansett Bay nach den Ureinwohnern benannt. Die freiheitliche Einstellung von Williams schien trotz aller Widerstände immer wieder durch. So war Rhode Island 1652 einer der ersten Staaten, in denen die Sklaverei verboten wurde. 1866 wurde die Rassentrennung abgeschafft. Dazwischen war Rhode Island auch Kriegsschauplatz. Die Briten beanspruchten das Gebiet, verloren jedoch das Interesse und konzentrierten sich auf das vielversprechendere spätere New York. Ihnen folgten die Franzosen, unter deren Herrschaft Rhode Island als 1790 das 13. Mitglied im amerikanischen Staatenbund wurde.

Landkarte

Hotels, Apartments und Ferienwohnungen

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Musikalische Kontinuität

Genug Geschichte, nun geht es in die Gegenwart. 800 Küstenkilometer kann man zumindest theoretisch in Rhode Island erkunden. Praktisch sind viele davon nicht zugänglich, weil sie sich in Privatbesitz befinden. Einen guten Eindruck sowohl von der Küstenlandschaft als auch von der Architektur in der Region Neuengland kann man sich aber auf einem ausgewiesenen Küstenwanderweg machen, der im Randbezirk der Stadt Newport beginnt. Der „Cliff Walk“ ist gute sechs Kilometer lang und bietet nicht nur atemberaubende Ausblicke auf den Atlantik, sondern auch in angrenzende Gärten von prachtvollen Villen im neuenglischen Stil. Nicht weit entfernt davon liegt der Fort Adams State Park. Hier findet seit 1953 regelmäßig das renommierte „Newport Jazz Festival“ statt. Es wurde von Albert Grossman mitgegründet, der später der Manager von Bob Dylan wurde. Berühmte Musiker wie Arlo Guthrie, Joan Baez und James Taylor fanden hier ein Sprungbrett für ihre Weltkarrieren. Seit 1958 lockt zudem das Newport Folk Festival Musikfreunde aus aller Welt nach Little Rhody. Auch unbedingt in Newport ansehen: Das „Marble House“ 596 Bellevue Ave), in dem einst die steinreiche Unternehmerfamilie der Vanderbilts gewohnt hat. Ihr Teehaus im Garten hatten sie eigens von China nach Rhode Island verschiffen lassen! „The Breakers“ (44 Ochre Point Ave) gehörte ebenfalls zur Immobiliensammlung der Vanderbilts und ist nicht weniger eindrucksvoll.

Die Narragansett Bay und Providence

Die Installation „WaterFire“ in Providence entzückt mit 100 Feuerschallen im Wasser.
Die Installation „WaterFire“ in Providence entzückt mit 100 Feuerschallen im Wasser.

Wer Rhode Island besucht, der darf sich die Narragansett Bay nicht entgehen lassen. In einem flachen Bundesstaat, in dem die höchste Erhebung mit dem „Jerimoth Hill“ gerade mal knapp 250 Meter misst, ist die unmittelbare Nähe zum Ozean der landschaftliche Höhepunkt. Mehr als 30 kleine und kleinste Inseln tummeln sich in der Narragansett Bay. Quartier macht man am besten auf der größten Insel, der Aquidneck Island, die die Städtchen Newport, Middletown und Portsmouth beherbergt. Ganz allein wird man dieses Paradies, in dem das Wasser allgegenwärtig ist, allerdings nicht haben. 2012 wurde die Narragansett Bay von der Organisation und Zeitschrift „National Geographic“ zu einem der zwölf besten Ziele für Abenteuerreisen auf der Welt gewählt. Das hat etwas mit dem faszinierenden Outdoor-Freizeitangebot zu tun, das es hier gibt. Aber auch schlicht die Schönheit der Landschaft, das Farbenspiel der Sonnenauf- und Untergänge und die fast unberührten Rückzugsmöglichkeiten für seltene Zugvögel und Wildtiere, schroffe Klippen und Naturwanderwege haben ihren Beitrag zu dieser Auszeichnung geleistet.

Die Hauptstadt Providence ist ebenfalls unbedingt einen Besuch wert. Hier spielen Kunst und Kultur eine so bedeutsame Rolle, dass die Stadt als eine der lebenswertesten in den gesamten USA gilt. Nach Einbruch der Dunkelheit sollte man sich die ständige Installation „WaterFire“ ansehen. Dort, wo die drei Flüsse der Stadt zusammenfließen, erhellen hundert Feuerschalen das Wasser, während parallel live Musik gemacht wird. Das ist Kunst mit Gänsehautfaktor!

Am Tag empfiehlt sich ein Besuch im „Athenaeum“ (251 Benefit Street), einer prächtigen Bibliothek, die gleichzeitig auch Kunst ausstellt. In der „Benefit Street Mile’s of History“ (52, Power Street) wandelt man auf den Spuren der Feministinnen aus dem 19. Jahrhundert.

Rhode Island auf einen Blick

  • Rhode Island ist der kleinste Bundesstaat der USA
  • Newport ist die Hauptstadt der Musik und veranstaltet seit den Fünfziger Jahren regelmäßig Jazz und Folk Festivals
  • Der „Cliff Walk“ führt diekt an der Küste entlang
  • „Marble House“ und „The Breakers“ in Newport gehörten einst der reichen Unternehmerfamilie Vanderbilt
  • In der Narragansett Bay gibt es 30 Inseln
  • Providence bietet viel Kultur
  • Die Feuer- und Wasserinstallation „WaterFire“ ist ein Muss in Providence