Arbeitszeiten und Urlaubszeiten in den USA

Verglichen mit deutschen Standards wird in den USA erheblich länger gearbeitet, die deutschen Urlaubsregelungen gehen über amerikanische Verhältnisse weit hinaus. Seit etwa 15 Jahren liegt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Industriearbeiter in den USA bei 40,5 Stunden.

Verglichen mit deutschen Standards wird in den USA erheblich länger gearbeitet, die deutschen Urlaubsregelungen gehen über amerikanische Verhältnisse weit hinaus. Seit etwa 15 Jahren liegt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Industriearbeiter in den USA bei 40,5 Stunden.

Zwischen 2003 und 2010 ist die amerikanische Jahresarbeitszeit allerdings um 1,22 gefallen, während sie in Deutschland im gleichen Zeitraum um 1,4 Prozent sank. Laut einer OECD-Studie arbeitet der Deutsche im Durchschnitt 1.419, der Schweizer 1.640 und der Österreicher 1.587 Stunden im Jahr. Der Amerikaner kommt auf 1.778 Stunden.

Das erste Berufsjahr ist in den USA fast immer ohne Urlaubsanspruch, danach gibt es selten mehr als zwei Wochen Urlaub. Wer mehr als 20 Jahre bei einer Firma fest angestellt ist, kann es günstigstenfalls auf vier Wochen bezahlten Urlaub bringen – ein erheblicher Abstand zu den hier erreichbaren sechs Wochen. Von den in Vollzeit beschäftigten US-Amerikanern haben rund 15 Prozent keinerlei Anspruch auf bezahlten Urlaub, bei den Teilzeitbeschäftigten sind 65 Prozent ohne Anspruch. Unbezahlter Urlaub kann in den meisten Betrieben allerdings individuell ausgehandelt werden.

Übrigens: Nach einer Untersuchung der Unternehmensberatung Mercer in Frankfurt am Main aus dem Jahre 2009 sind die USA von 40 untersuchten Ländern das einzige, in dem es keine gesetzlich festgelegte Mindestzahl von Urlaubstagen gibt. An der Spitze der gesetzlich geregelten Urlaubstage liegen Brasilien, Finnland und Frankreich mit 30 Tagen. Litauen, Russland und Großbritannien bringen es auf 28 Tage. In Deutschland sind lediglich 20 Tage gesetzlich garantiert. Von der Gesetzeslage ist allerdings der tatsächliche Urlaubsanspruch zu unterscheiden. So werden in den meisten deutschen Tarifverträgen 30 Urlaubstage vorgesehen. In der Praxis erhalten amerikanische Angestellte jährlich 15 Tage frei.

Die USA sind eines von wenigen Ländern, in denen es keine gesetzlich festgelegte Mindestzahl von Urlaubstagen gibt.

Die USA sind eines von wenigen Ländern, in denen es keine gesetzlich festgelegte Mindestzahl von Urlaubstagen gibt.

An den staatlichen Feiertagen ist generell arbeitsfrei. Da der Anteil der auf Stundenlohn beschäftigten Arbeitnehmer in den USA größer ist als in Deutschland, ist insoweit bei einem Vergleich auch der Verdienstausfall bei den Amerikanern höher. Bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sind die Unterschiede zwischen den Branchen, Regionen und Betrieben sehr groß, da es Flächentarifverträge oder etwas Ähnliches nicht gibt. Über 200 Einzelgewerkschaften haben über 150.000 verschiedene Tarifverträge ausgehandelt (der Grad der gewerkschaftlichen Organisation ist gering, nur etwa ein Viertel der Beschäftigten sind in einer Gewerkschaft. Der Gewerkschaftsdachverband AFL/CIO hat kaum Einfluss auf das Handeln seiner Mitglieder). Nur 58 Prozent aller US-Beschäftigten haben überhaupt Anspruch auf bezahlte Krankheitstage, bei den Industriearbeitern sind es nur 36 Prozent. Die Höhe des Anspruchs ist in der Regel an die Dauer der Betriebszugehörigkeit gekoppelt. Im günstigsten Falle wird eine Lohnfortzahlung für drei Wochen gewährt.

Der Kündigungsschutz ist nicht starkt ausgeprägt, ein US-Amerikaner kann seinen Arbeitsplatz sehr schnell verlieren. Er findet allerdings nicht zuletzt wegen seiner großen Mobilität meist sehr schnell einen Ersatzarbeitsplatz. Hierfür ist er grundsätzlich bereit, sein Haus zu verkaufen, die vertraute Umgebung aufzugeben und an einen anderen Ort, ggf. auch in einen anderen Bundesstaat, zu ziehen.

Am Arbeitsplatz geht es im Umgang miteinander weniger konventionell als in deutschen Betrieben zu. Man redet sich grundsätzlich mit dem Vornamen an und erkundigt sich häufiger nach dem Befinden des Kollegen. Dennoch bleiben die stärker ausgeprägten Klassenunterschiede auch am Arbeitsplatz gewahrt. So werden Vorgesetzte nicht mit dem lässigen „Hi“ sondern eher mit dem förmlicheren „Hello“ begrüßt. Dagegen ist die Arbeitskleidung sehr konventionell. In den Büros tragen die Herren grundsätzlich Anzüge und Krawatten, die Damen häufig Kostüme.

Die langen Arbeitszeiten sind in den USA nicht unumstritten. Beklagt wird ein Verfall der Arbeitsmoral, der Qualität und der Effektivität. Dabei ist zu berücksichtigen, dass viele US-Amerikaner einen „Zweit-Job“ neben ihrem Haupterwerb haben, um ein auskömmliches Einkommen zu erzielen. In einer Umfrage gaben kürzlich knapp 50 Prozent der Befragten an, sie fühlten sich überarbeitet.

Übrigens: Die minimale staatlich verordnete soziale Absicherung wird seit 1935 durch den Social Security Act geregelt. Damit verbunden ist eine social security number, die den US-Amerikaner durch sein gesamtes Leben begleitet und im Bedarfsfall neben dem Führerschein ein Mittel ist, sich auszuweisen. Ohne diese Sozial-Versicherungsnummer kann ein legales Arbeitsverhältnis nicht aufgenommen werden. Ausländer erhalten eine social security card nur noch bei längeren Aufenthaltsgenehmigungen für die USA.

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