Arbeitszeiten und Urlaubstage in den USA

Tischkalender mit gelben Notizzetteln für Urlaub, Feiertage und Freistellung
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Wie viel Urlaub du in den USA bekommst und wie lange du arbeitest, hängt von deinem Arbeitgeber, deiner Tätigkeit und den geltenden Regeln ab. Einen allgemeinen bundesrechtlichen Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub gibt es nicht. Viele Arbeitgeber gewähren dennoch freie Tage. Auch Feiertage bedeuten nicht automatisch, dass du frei hast.

Entscheidend sind drei unterschiedliche Fragen: Was schreibt das Gesetz vor, welche Leistungen bietet dein Arbeitgeber und was sagt eine Statistik über bestimmte Beschäftigtengruppen aus? Ein Durchschnittswert ersetzt weder deinen Arbeitsvertrag noch die Prüfung der Regeln am Arbeitsort.

Inhaltsverzeichnis
  1. Gibt es in den USA einen gesetzlichen Urlaubsanspruch?
  2. Wie viele Urlaubstage gewähren Arbeitgeber?
  3. Wie viele Stunden wird in den USA gearbeitet?
  4. Sind Feiertage in den USA arbeitsfrei und bezahlt?
  5. Was gilt bei Krankheit und unbezahlter Freistellung?
  6. Was solltest du bei einem Arbeitsangebot prüfen?

Gibt es in den USA einen gesetzlichen Urlaubsanspruch?

Für Beschäftigte der Privatwirtschaft gibt es keinen allgemeinen bundesrechtlichen Mindestanspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. Der Fair Labor Standards Act (FLSA) verpflichtet Arbeitgeber nicht dazu, Urlaub zu gewähren oder zu bezahlen. Das erläutert das US Department of Labor zu Urlaub, Feiertagen und Krankheitstagen.

Dein konkretes Urlaubskontingent kann sich aus dem Arbeitsvertrag, einem Tarifvertrag oder den betrieblichen Urlaubsregeln ergeben. Hinzu kommen mögliche Ansprüche nach einzelstaatlichem oder lokalem Recht. Die Aussage „In den USA ist bezahlte Freizeit immer freiwillig“ wäre deshalb zu pauschal.

Ein Beispiel ist der Paid Leave for All Workers Act in Illinois: Erfasste Beschäftigte erwerben grundsätzlich eine Stunde bezahlte Freistellung je 40 Arbeitsstunden, bis zu 40 Stunden im Jahr. Diese Zeit kann für beliebige Zwecke genutzt werden. Es gibt Ausnahmen sowie gesonderte Zuständigkeiten, etwa in Chicago und Cook County. Daraus lässt sich kein einheitlicher Urlaubsanspruch für alle Bundesstaaten ableiten.

Zum Vergleich: In Deutschland sieht § 3 Bundesurlaubsgesetz mindestens 24 Werktage Urlaub vor. Das entspricht bei einer Fünf-Tage-Woche 20 Arbeitstagen. Ein höheres vertragliches Kontingent ist eine andere Kategorie als dieser gesetzliche Mindesturlaub.

Wie viele Urlaubstage gewähren Arbeitgeber?

Kalender mit mehreren handschriftlichen Urlaubseinträgen in Rot
Kalender mit mehreren handschriftlichen Urlaubseinträgen in Rot

Bezahlter Urlaub ist in der US-Privatwirtschaft verbreitet, aber nicht für alle Beschäftigten verfügbar. Im März 2025 hatten laut Bureau of Labor Statistics (BLS) 80 Prozent Zugang zu dieser Arbeitgeberleistung. Bei Vollzeitbeschäftigten waren es 93 Prozent, bei Teilzeitbeschäftigten 40 Prozent. Die BLS-Tabelle zum Zugang zu bezahlter Freistellung beschreibt das verfügbare Angebot, nicht die tatsächlich genommenen freien Tage.

Für die Zahl der Tage ist außerdem wichtig, ob Urlaub separat gewährt oder mit anderen Freistellungen zusammengefasst wird. Solche kombinierten Kontingente heißen häufig Paid Time Off (PTO). Dann können beispielsweise Erholung, Krankheit und persönliche Erledigungen aus demselben Zeitbudget bezahlt werden.

Die BLS-Detailtabellen für März 2025 unterscheiden diese Modelle. Die folgenden Mittelwerte beziehen sich auf Beschäftigte der Privatwirtschaft mit bezahltem Urlaub in der jeweiligen Modellgruppe und auf die beim Arbeitgeber vorgesehene Betriebszugehörigkeit:

Betriebszugehörigkeit Separater Urlaub Kombiniertes PTO-Kontingent
Nach 1 Jahr 9 Tage 14 Tage
Nach 5 Jahren 13 Tage 18 Tage
Nach 10 Jahren 15 Tage 20 Tage
Nach 20 Jahren 17 Tage 23 Tage

Quelle: BLS, Employee Benefits in the United States, March 2025, Detailtabellen zu „Consolidated leave plans“. Es handelt sich um gewährte beziehungsweise innerhalb des folgenden Jahres aufzubauende Kontingente. Beschäftigte ohne bezahlten Urlaub sind nicht die Grundgesamtheit dieser Tageswerte; Selbstständige und Bundesbedienstete gehören nicht zur dargestellten Privatwirtschaft.

Über beide Modelle zusammen nennt die BLS-Übersicht zu den durchschnittlichen Urlaubskontingenten 11, 15, 18 und 20 Tage nach einem, fünf, zehn und zwanzig Jahren. Diese gemischten Werte sind keine reine Statistik separat gewährter Erholungsurlaubstage. Addiere deshalb zu einem PTO-Kontingent nicht automatisch weitere Krankheitstage.

Sind nach 20 Jahren höchstens vier Wochen möglich?

Vier Wochen sind keine allgemeine Obergrenze. Bei einer Fünf-Tage-Woche entsprechen sie 20 Arbeitstagen. Schon ein Durchschnitt kann höher liegen: Für Beschäftigte mit eigenständigem Urlaubsplan in Privatwirtschaftsbetrieben ab 500 Beschäftigten weist die BLS nach 20 Jahren beispielsweise 21 Urlaubstage aus. Dieser Wert aus den Detaildaten für März 2025 enthält keine kombinierten PTO-Kontingente.

Ebenso wenig lässt sich behaupten, das erste Berufsjahr sei fast immer urlaubsfrei. Im BLS-Faktenblatt zu bezahltem Urlaub stehen unterschiedliche Wartezeiten, beispielsweise 90 Tage, sechs Monate oder zwölf Monate. Prüfe, ab wann du Tage ansammelst, ab wann du sie nutzen darfst und ob im Eintrittsjahr nur ein anteiliges Kontingent verfügbar ist.

Wie viele Stunden wird in den USA gearbeitet?

Eine 40-Stunden-Woche bedeutet rechnerisch fünf Arbeitstage zu je acht Stunden. Sie ist jedoch weder eine für alle vorgeschriebene Arbeitswoche noch eine allgemeine Höchstarbeitszeit. Arbeitsbeginn, Schichten und Wochenendarbeit richten sich nach der konkreten Stelle und den dafür geltenden Regeln.

Was sagen die aktuellen Arbeitszeitstatistiken?

Menschen arbeiten in einem Loftbüro mit Laptops und Unterlagen
Menschen arbeiten in einem Loftbüro mit Laptops und Unterlagen

In der BLS-Haushaltsbefragung für 2025 arbeiteten Erwerbstätige ab 16 Jahren, die in der jeweiligen Berichtswoche tatsächlich gearbeitet hatten, durchschnittlich 38,3 Stunden. Bei denjenigen, die normalerweise Vollzeit arbeiteten, waren es 41,9 Stunden. Vollzeit bedeutet in dieser Erhebung üblicherweise mindestens 35 Wochenstunden.

Die 2025er Werte beruhen auf elf Monaten: Im Oktober wurden wegen des Ausfalls der Bundesverwaltung keine Daten erhoben. Sie sind deshalb nicht uneingeschränkt mit anderen Jahresdurchschnitten vergleichbar. Die Zahlen beschreiben zudem tatsächliche Wochenstunden einer definierten Gruppe, keine vorgeschriebenen Arbeitszeiten und keine Jahresarbeitszeit. Für deinen eigenen Arbeitsalltag ist die vereinbarte Stundenzahl maßgeblich.

Wann müssen Überstunden bezahlt werden?

Für vom FLSA erfasste Beschäftigte ohne einschlägige Ausnahme gilt grundsätzlich: Für tatsächlich geleistete Stunden über 40 in einer Arbeitswoche müssen Arbeitgeber mindestens das Eineinhalbfache des regulären Entgelts zahlen. Ausgenommene Beschäftigte werden als „exempt“ bezeichnet. Das US Department of Labor erklärt die bundesrechtliche Überstundenregel und ihre Grenzen.

Der FLSA selbst setzt Beschäftigten ab 16 Jahren keine allgemeine tägliche oder wöchentliche Höchstarbeitszeit. Weitere Regeln, etwa einzelstaatliche oder berufsspezifische Vorgaben, sind gesondert zu prüfen. Auch Arbeit am Samstag, Sonntag oder Feiertag löst nach dieser Bundesregel nicht allein wegen des Kalendertags einen Zuschlag aus.

Zählen Pausen zur Arbeitszeit?

Nach dem FLSA-Leitfaden zu Ruhe- und Essenspausen besteht keine allgemeine Pflicht nach diesem Gesetz, solche Pausen anzubieten. Gewährte kurze Ruhepausen zählen grundsätzlich zur Arbeitszeit, echte Essenspausen dagegen in der Regel nicht. Einzelne Bundesstaaten schreiben Pausen vor. Frage deshalb ausdrücklich nach bezahlter Arbeitszeit und gesamter Anwesenheitszeit.

Sind Feiertage in den USA arbeitsfrei und bezahlt?

Ein Federal Holiday bedeutet für Privatbeschäftigte nicht automatisch einen freien oder bezahlten Tag. Der bundesrechtliche Feiertagskalender richtet sich an Bundesbeschäftigte, wie das Office of Personnel Management zu Federal Holidays erläutert. Für private Arbeitsverhältnisse sind die einschlägigen Gesetze, Vereinbarungen und betrieblichen Regelungen entscheidend.

Das Department of Labor stellt im oben verlinkten FLSA-Leitfaden klar, dass dieses Gesetz keine Feiertagsfreistellung und keine Bezahlung arbeitsfreier Feiertage verlangt. Arbeitgeber können solche Leistungen trotzdem anbieten. Laut der BLS-Erhebung vom März 2025 hatten 81 Prozent der Beschäftigten der Privatwirtschaft Zugang zu bezahlten Feiertagen. Daraus folgt weder, dass jeder Federal Holiday abgedeckt ist, noch dass alle Beschäftigten an denselben Tagen frei haben.

Kläre daher getrennt, welche Feiertage dein Arbeitgeber berücksichtigt, ob du an diesen Tagen arbeiten musst und welche Bezahlung oder welcher Ersatzruhetag dafür vorgesehen ist. Für Termine und die Bedeutung der einzelnen Tage findest du die Übersicht der Feiertage in den USA.

Was gilt bei Krankheit und unbezahlter Freistellung?

Bezahlte Krankheitstage heißen „paid sick leave“. Im März 2025 hatten laut der oben verlinkten BLS-Tabelle 80 Prozent der Beschäftigten der Privatwirtschaft Zugang dazu. Das ist keine Aussage über eine für alle gleiche Dauer der Lohnfortzahlung. Bei deinem Arbeitgeber können Krankheitstage separat geregelt oder Teil eines gemeinsamen PTO-Kontingents sein. Für deinen Anspruch sind zusätzlich die einschlägigen einzelstaatlichen und lokalen Vorgaben zu prüfen.

Davon zu unterscheiden ist geschützte Freistellung für bestimmte familiäre oder medizinische Gründe. Der Family and Medical Leave Act (FMLA) kann berechtigten Beschäftigten bei erfassten Arbeitgebern entsprechende Rechte geben. Er schafft keinen allgemeinen Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub und verpflichtet für sich genommen nicht zur Bezahlung dieser Freistellung.

Unbezahlten Erholungsurlaub kannst du zusätzlich anfragen. Ohne einschlägigen Anspruch brauchst du dafür eine Vereinbarung; eine allgemeine Zusage, dass die meisten Betriebe zustimmen, lässt sich daraus nicht ableiten. Prüfe bezahlte Krankheitstage, geschützte Freistellung und freiwillig vereinbarte Auszeiten jeweils getrennt.

Was solltest du bei einem Arbeitsangebot prüfen?

Zwei Kolleginnen besprechen Unterlagen an einem Tisch mit Laptop
Zwei Kolleginnen besprechen Unterlagen an einem Tisch mit Laptop

Vergleiche neben dem Gehalt auch Arbeitszeit und Freistellungen. Lass dir diese Punkte möglichst schriftlich erklären:

  • Arbeitszeit: Wochenstunden, Arbeitstage, Schichtplan, Wochenendarbeit und bezahlte beziehungsweise unbezahlte Pausen.
  • Überstunden: Einstufung, Erfassung und Vergütung zusätzlicher Stunden.
  • Urlaub oder PTO: Separate Erholungstage oder gemeinsames Zeitbudget für mehrere Zwecke?
  • Verfügbarkeit: Wartezeit, Ansparung pro Abrechnungszeitraum, anteiliges erstes Jahr und Genehmigung längerer Auszeiten.
  • Feiertage und Krankheit: Welche Tage sind abgedeckt, werden sie bezahlt und gehen sie vom PTO-Konto ab?
  • Resttage: Übertrag ins Folgejahr, Anspargrenzen und Behandlung beim Ausscheiden nach den geltenden Regeln.

Wenn du wegen eines Jobs umziehst, hilft dir die Seite zum Auswandern in die USA bei den weiteren Vorbereitungen. Die hier erläuterten Arbeitnehmerleistungen sind von Einreise- und Beschäftigungsberechtigungen zu unterscheiden. Auch Schulferien und die Regeln besonderer Austauschprogramme sind keine allgemeinen Urlaubsregeln für Beschäftigte.