USA: Fracht mit Lithium-Zellen soll in Flugzeugen verboten werden

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Lithium-Ionen-Batterien werden immer beliebter. Doch ihr Transport in Flugzeugen birgt Risiken. Das US-Verkehrsministerium will daher die Regelungen für den Transport von Lithium-Ionen-Akkus und -Batterien deutlich verschärfen. Künftig sollen auf kommerziellen Passagierflügen keine Lithium-Ionen-Batterien mehr im Gepäckraum gelagert werden dürfen. Und auch in Frachtmaschinen ist der Transport nur noch vorgesehen, wenn die Batterien maximal zu 30 Prozent geladen sind.

Inhaltsverzeichnis
Lithium-Batterien werden immer beliebter | Die neuen Vorschriften sollen für bessere Sicherheit sorgen | Lithium-Ionen-Akkus dürfen nur noch unter Einschränkungen transportiert werden | Persönliche Gegenstände im Handgepäck sind nicht betroffen

Die neue Regelung betrifft nicht die Mitnahme von Lithium-Akkus oder -Batterien im Handgepäck. Hier müssen Passagiere nach wie vor die alten Regelungen befolgen.

Lithium-Batterien werden immer beliebter

Aufgrund seines hohen Lithiumanteiles wird Lepidolith als Erz zur Gewinnung von Lithium genutzt.
Aufgrund seines hohen Lithiumanteiles wird Lepidolith als Erz zur Gewinnung von Lithium genutzt.

Die Beliebtheit von Lithium-Batterien steigt und steigt. Wurde 2007 noch unter 20 Prozent des weltweiten Lithium-Bedarfs für die Batterieherstellung verwendet, waren es 2015 bereits 35 Prozent. Auch die Zahl der verwendeten Lithium-Batterien erhöhte sich im Laufe der letzten Jahre von rund drei Milliarden im Jahr 2007 auf sieben Milliarden im Jahr 2017.

Das liegt vor allem in den zahlreichen Vorteilen begründet, die Lithium-Batterien gegenüber anderen Batteriearten aufweisen. So können sie zum Beispiel tiefer entladen werden als Blei-Säure-Batterien und weisen eine größere Energiedichte auf. Zudem werden sie immer günstiger und wurden so im Laufe der Zeit zur bevorzugten Wahl für solare Kleinanlagen. Doch Lithium-Ionen-Batterien werden nicht nur in Solarsystemen verwendet, sondern auch in Mobiltelefonen, kabellosen Elektrowerkzeugen, Laptops und anderen Hightech-Geräten. Der aktuell größte Abnehmer ist die Elektrofahrzeugindustrie.

Die neuen Vorschriften sollen für bessere Sicherheit sorgen

Doch Lithium-Ionen-Batterien bieten nicht nur Vorteile, sondern erhöhen auf Flügen auch das Brandrisiko. Vor allem von eng gepackten Containern und Zellen geht eine Feuergefahr aus. Beginnt eine dieser Zellen zu brennen, können Temperaturen von bis zu 760 Grad Celsius erreicht werden. In Folge können benachbarte Zellen ebenfalls Feuer fangen und giftige und mitunter selber brennbare Gase bilden. Der Druck in den Zellen erhöht sich und kann dafür sorgen, dass weggeschleuderte Teile wie Geschosse wirken. Die Druckentweichung von weniger als sieben Zellen reicht aus, um die Druckkabine zu beschädigen.

Dazu kommt, dass die derzeitigen Feuerlöschsysteme in Flugzeugen laut einem Arbeitspapier von 2015 wohl nicht ausreichend sind, um einen Brand mit großen Mengen an Lithium-Batterien zu unterdrücken oder zu löschen.

Zudem ermittelten die US-Regulierungsbehörden zwischen 2010 und 2016 ganze 39 Fälle im Luftfrachtverkehr, von denen allein 13 mit Lithium-Batterien, Rauch, Feuer, extremer Hitze oder Explosionen einhergingen, die durch die neuen Regelungen möglicherweise zu verhindern gewesen wären. Auch bei drei Flugzeugunfällen in den Jahren 2007, 2010 und 2011 konnten Lithium-Ionen als Brandursache oder als Faktor, der die Brandschwere erhöhte, ermittelt werden. Jedes dieser Flugzeuge ging verloren und die Unfälle kosteten vier Menschenleben.

Die neuen Vorschriften sollen das Brandrisiko durch Lithium-Ionen-Batterien auf Flügen vermindern und so die Sicherheit für Reisende und Flugpersonal erhöhen.

Lithium-Ionen-Akkus dürfen nur noch unter Einschränkungen transportiert werden

Lithium-Ionen Akkus sind in den meisten Handys verbaut.
Lithium-Ionen Akkus sind in den meisten Handys verbaut.

Neben dem künftigen Verbot auf kommerziellen Passagierflügen, gelten auch beim Transport mit reinen Frachtflugzeugen Einschränkungen, die das Risiko eines Brandes minimieren sollen.

So dürfen Akkus, die nicht in ein Gerät eingesetzt sind, bis zu maximal 30 Prozent geladen sein. Befinden sie sich in einem Notebook oder einem anderen elektronischen Gerät, dürfen die Akkus auch vollständig geladen sein, da die restliche Hardware im Schadensfall als Puffer wirkt und so Kettenreaktionen vermieden werden.

Zudem gab die als Abteilung des Verkehrsministeriums der Vereinigten Staaten zuständige Pipeline and Hazardous Materials Safety Administration (PHMSA) bekannt, dass es auf Passagierflugzeugen begrenzte Ausnahmen für bis zu zwei Lithium-Batterien für medizinische Geräte geben werde. Ebenso solle bei Flügen in abgelegene Gebiete wie Alaska, die über keinen regelmäßigen Frachtdienst verfügen, auch weiterhin ein Ladezustand von mehr als 30 Prozent erlaubt bleiben.

Persönliche Gegenstände im Handgepäck sind nicht betroffen

Nach wie vor dürften mit Lithium-Ionen betriebene Geräte von Passagieren und Besatzungsmitgliedern mitgeführt werden. Jedoch soll mit der neu bekanntgegebenen Entscheidung verhindert werden, dass Passagiere Laptops, Smartphones und ähnliche Geräte auf US-Flügen im Frachtraum transportieren.

Derzeit ist die „Interim Final Note“ des Verkehrsministeriums nur eine nationale Entscheidung. Sie entspricht aber den internationalen ICAO-Regeln, denen Fluggesellschaften freiwillig folgen können. Flüge der Lufthansa Gruppe und von Lufthansa Cargo sind derzeit daher zum Beispiel von dieser neuen Vorschrift nicht betroffen.