Saint Paul - Die schöne, kultivierte Unbekannte am Mississippi

Zugegeben, sie ist wegen extrem starker Konkurrenz nicht unbedingt in der ersten Liga der touristischen US-Destinationen zu finden. Trotzdem könnte der eine oder andere sogar schon mal da gewesen sein – ohne es unbedingt zu wissen. Wie das und worum es geht? Es geht um die Stadt Saint Paul, die zusammen mit ihrer weitaus bekannteren Nachbarin Minneapolis die so genannten Twin Cities, also die Zwillingsstädte, bildet.

Inhaltsverzeichnis
Eine Stadt definiert sich über Kultur | Die Vergangenheit ist hier echt filmreif | Hotels, Apartments und Ferienwohnungen | Auf deutsche Gläubige wartet der heilige Bonifatius | Lebendige Vergangenheit und bunte Gegenwart

Der Name sagt eigentlich schon alles: Wer die Stadtgrenzen nicht ganz genau kennt, der wird sie unmerklich immer wieder überqueren und manchmal wohl im wahrsten Sinne nicht wissen, wo er (oder sie) genau ist. Strenge Verwaltungsbeamte dagegen wissen das ganz genau, können das Stadtgebiet von Saint Paul exakt umreißen und entsprechend auch die Sehenswürdigkeiten und Attraktionen zweifelsfrei zuordnen. So soll es auch hier sein.

Eine Stadt definiert sich über Kultur

Saint Paul, die Hauptstadt des US-Bundesstaates Minnesota, liegt direkt am Mississippi River.
Saint Paul, die Hauptstadt des US-Bundesstaates Minnesota, liegt direkt am Mississippi River.

Saint Paul ist international zwar nicht so bekannt wie Minneapolis, aber die Stadt ist deshalb noch lange keine graue Maus. Im Gegenteil. Sie zeichnet sich durch ein reges kulturelles Leben und die entsprechenden Einrichtungen aus. Und auch, wenn Saint Paul von Minneapolis buchstäblich umgeben ist, so ist die Gemeinde doch keineswegs klein. Mit knapp unter 300.000 Einwohnern kann sie locker mit manch europäischer „Großstadt“ mithalten. Ach ja, und da waren noch ein paar Kleinigkeiten. Saint Paul ist die Hauptstadt von Minnesota und sie liegt wunderschön direkt am Mississippi River. Sie hat eine kurze, aber bunte Geschichte und gehört zu den „lebenswertesten“ Städten in den gesamten Vereinigten Staaten. Neugierig geworden? Dann fällt ein geplanter und gewollter Abstecher von Minneapolis nach Saint Paul beim nächsten Aufenthalt bestimmt nicht schwer!

Landkarte

Die Vergangenheit ist hier echt filmreif

Saint Pauls Geschichte ist filmreif. Die Stadt wurde 1854 gegründet, ihren ersten zweifelhaften Ruhm aber erwarb sie sich im frühen 20. Jahrhundert, während der Prohibition. Während Amerika offiziell auf dem Trockenen saß, sorgten in Saint Paul Gangsterbanden dafür, dass der Alkohol trotzdem floss – und damit ließen sie es beileibe nicht bewenden. Banken und Züge wurden überfallen, es gab Entführungen und wilde Schießereien. Heute ist das alles natürlich Geschichte. Selbst der Spitzname „Pig’s eye“ für die Stadt erinnert nicht etwa an einen Verbrecher, sondern an einen frühen Siedler.

Die Erinnerung an die Gangster wird aber durch offizielle Stadtführungen wachgehalten, die zu den – damals – verruchtesten Nightclubs, Kasinos sowie zu Schauplätzen berühmter Kriminalfälle führen. Legendär sind die „Wabasha Street Caves“ (215 Wabasha St S, wabashastreetcaves.com) die man natürlich auch auf eigene Faust besuchen kann. Es handelt sich dabei um einen unterirdisch gelegenen Nachtclub, der in eine Felshöhle gebaut wurde. 1933 war er unter dem vielsagenden Namen „Castle Royal“ bekannt. Schießereien kommen dort nicht mehr vor, stattdessen wird zu toller Livemusik getanzt.

Hotels, Apartments und Ferienwohnungen

Hotels, Apartments und Ferienwohnungen in Saint Paul finden Sie auf dem Buchungsportal www.booking.com.

Auf deutsche Gläubige wartet der heilige Bonifatius

Die „Saint Paul Cathedral“ ist die Bischofskirche des römisch-katholischen Erzbistums Saint Paul und Minneapolis.
Die „Saint Paul Cathedral“ ist die Bischofskirche des römisch-katholischen Erzbistums Saint Paul und Minneapolis.

Wer beim Besuch der „Wabasha Street Caves“ vielleicht doch etwas gesündigt hat, dem sei am nächsten Morgen ein Besuch der „Saint Paul Cathedral“ (239 Selby Ave, cathedralsaintpaul.org) ans Herz gelegt. Man kann das sakrale Bauwerk, das die Skyline von Saint Paul dominiert, aber natürlich auch besuchen, wenn man ein blütenweißes Gewissen hat. Rund 800.000 Besucher kommen Jahr für Jahr, um die prächtige Architektur zu bewundern oder Konzerte zu besuchen. Die Kathedrale ist zudem weit über die Grenzen Minnesotas hinaus für ihre beiden „Skinner“-Orgeln berühmt. Katholische Gläubige können hier selbstverständlich auch am Gottesdienst teilnehmen. Übrigens gibt es in Saint Paul sechs kleinere Kapellen, die den Schutzpatronen jener Länder geweiht sind, aus denen die meisten katholischen Einwanderer stammten. Für die Deutschen hat man dem heiligen Bonifatius mit einer Kapelle gedacht.

Lebendige Vergangenheit und bunte Gegenwart

Eine ganz andere Art von Rückkehr in die Vergangenheit kann der Besucher im Fort Snelling (200 Tower Ave, historicfortsnelling.org) erleben. Diese ehemalige Militärfestung spielt eine große Rolle bei der Gründung der Stadt. Als im frühen 19. Jahrhundert die ersten Missionare und Forscher, Händler und Abenteurer in die Gegend kamen, bot ihnen das Fort Schutz. Heute ist es als Museumsdorf von Mai bis November geöffnet und vermittelt Besuchern einen Eindruck vom Leben in den Gründerzeiten der USA.

Das Minnesota State Capitol ist der Sitz des Repräsentantenhauses und des Senats von Minnesota in Saint Paul.
Das Minnesota State Capitol ist der Sitz des Repräsentantenhauses und des Senats von Minnesota in Saint Paul.

Historisch angehaucht ist auch der Sitz des Repräsentantenhauses und des Senats von Minnesota, der sich auf dem Dr. Martin Luther King Jr Blvd Nummer 75 befindet. Der Architekt hat sich bei seinen Entwürfen für das „Minnesota State Capitol“ (mnhs.org/capitol) eindeutig vom Petersdom in Rom inspirieren lassen, und die goldene Quadriga über dem Hauptportal hat unzweifelhaft ebenfalls europäische Vorfahren. Dennoch, der Regierungssitz bietet einen imposanten Anblick, vor allem nach der jüngst erfolgten umfassenden Renovierung.

Die schönen Künste nehmen in Saint Paul einen bedeutenden Platz ein. Die Musik- und Theaterszene der Stadt mag nicht herausragend sein, aber sie ist sehr lebendig und vielfältig. Wer also gern ausgeht, Musik hört, tanzt, das Theater liebt, der wird in Saint Paul keine Langeweile bekommen. Es sind vielleicht nicht immer die großen Namen vom Broadway, die hier auf der Bühne stehen. Das Niveau ist aber hoch und die Häuser gelten als Sprungbrett für große Karrieren. Die Auswahl reicht von Cabarets über kleine Experimentierbühnen bis hin zu etablierten Theatern mit klassisch ausgerichtetem Spielplan. Eine der größten und elegantesten Adressen ist das Ordway Centre for the Performing Arts (345 Washington Street, ordway.org). Das Center beherbergt auch das Saint Paul Kammerorchester, die Staatsoper von Minnesota sowie ein Schubert-Ensemble.